Bibel

Karfreitag – Es ist vollbracht!

Karfreitag – Es ist vollbracht!

Karfreitag Aquarell painting
Karfreitag Aquarell painting

Joh 19,30
Nachdem er ein wenig von dem Essig genommen hatte, sagte er: »Es ist vollbracht.« Dann neigte er den Kopf und starb.

Mt 27, 50-54
50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf; dann starb er. 51 Im selben Augenblick riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei; die Erde begann zu beben, die Felsen spalteten sich, 52 und die Gräber öffneten sich. Viele verstorbene Heilige wurden auferweckt. 53 Sie kamen nach der Auferstehung Jesu aus ihren Gräbern, gingen in die Heilige Stadt und erschienen vielen Menschen. 54 Als der Zenturio und alle die bei ihm standen, das Erdbeben sahen und alles was sich ereignete, wurden sie von Furcht erfüllten und sagen, “Wahrlich, das ist der Sohn Gottes.”

Kultur und Bibelübersetzung

Kultur und Bibelübersetzung.

Jim Wilder brachte ein interessantes Beispiel in seinem Webinar, wie unsere Kultur eine Bibelübersetzung beeinflussen kann. Er entdeckte das, als er als Redner in polnischen Kirchen unterwegs war. Sein Dolmetscher war sehr überrascht, als Jim Hebräer 12,2 aus seiner englischen Bibel vorlas:

Lasst uns aufschauen auf Jesus, dem Autor und Vollender unseres Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. (Hebr 12,2)

Das griechische Wort αντι kann auf zwei Weisen übersetzt werden:

a) für, weil (anstelle von)
b) wegen, um

Im Falle von Hebräer 12,2 ergibt das den folgenden Unterschied – es kann übersetzt werden als:

1) Jesus …, der anstelle der Freude die vor ihm lag, das Kreuz aushielt … oder als
2) Jesus …, der wegen der vor ihm liegenden Freude das Kreuz aushielt.

Die meisten deutschen und englischen Übersetzungen wählten die zweite Option.

Nur die Luther Übersetzung wählt die erste Option. Manche Übersetzungen geben die jeweils andere Option als Fußnote an (z.B. die Neue Genfer Übersetzung).

Die polnischen Bibelübersetzungen wählten die erste Option. Das ist verständlich, wenn wir die Geschichte und den kulturellen Kontext betrachten:

Die Kultur in Polen hat wenig Freude und die Kirche wird als etwas betrachtet, das mit Leiden, nicht mit Freude zu tun hat. Folglich gehörte Freude nicht in die Kirche und wird sogar als offensiv wahrgenommen. Die Bibelübersetzer wählten folglich die erste Option wegen ihres kulturellen Hintergrundes und Jims Dolmetscher war sehr überrascht, als Jim diesen Vers aus seiner englischen Bibel zitierte.

Wissenschaftliche Theologie

Aus dem Schlusswort von „Die Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?“ von Eta Linnemann, 2007, Seite 171:

Als ich seinerzeit bei Rudolf Bultmann studierte, machter er uns deutlich, dass wir – ungeachtet unseres persönlichen Glaubens – in der neutestamentlichen Wissenschaft zu arbeiten hätten “ut si Deus non daretur“, als ob Gott nicht existierte. …. Den Evangelikalen, die auf wissenschaftliche Anerkennung pochen, weil sie die gleichen “Methoden” bedienen, ist diese Vorraussetzung nicht bewusst. … Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine “wissenschaftliche” Theologie, die arbeitet “als ob es Gott nicht gäbe” schließen sich aus. Der Spagat zwischen beiden muss misslingen. … Die atheistische Theologie und der Umgang mit der Bibel, der sie nicht als Gottes lebendige Offenbarung gelten ließ, wurde mir (nach meiner Belehrung) gleichermaßen als Sünde bewusst und zum Kreuz gebracht ….

Prof. Dr. Eta Linnemann war Bibelkritikerin. Ihr erstes Buch war ein Standardwerk der biblisch-kritischen Theologie. Nach ihrer Bekehrung in 1978 vernichtette sie ihre bibelkritischen Bücher.

Freude

Vor etwa zwei Jahren hörte ich das erste Mal vom so genannten Freudenzentrum in unserem Gehirn.1 Es war für mich faszinierend zu lernen, wie wichtig Freude für die gesunde Entwicklung unseres Gehirns und unserer charakterlichen Reife ist.2 Dieses Freudenzentrum wird vor allem dadurch entwickelt, wenn wir Gemeinschaft in geborgenen Beziehungen erleben. Unser Freudenzentrum wächst immer dann, wenn wir merken, dass sich jemand freut mit uns zusammen zu sein, wenn unsere Gegenwart die Augen eines anderen zum Funkeln bringen. Das spielt sich normalerweise unbewusst ab und kann darum auch nicht vorgetäuscht werden. Dieser “Freudenfluß” beginnt in unserer rechte Gehirnhälfte, kommuniziert über unsere linke Gesichtshälfte, zur linken Gesichtshälfte des anderen und dann zu seiner rechten Gehirnhälfte. Unser Gegenüber schickt dann auf dem gleichen Weg die Botschaft zurück – all das passiert sechs Mal pro Sekunde und wird immer stärker je länger man sich ansieht.3 Echt cool!

Kurz nachdem ich zum ersten Mal darüber las konnte ich genau dieses freudige Funkeln beobachten – in den Augen eines Freundes in unserem Dorf und im Gesicht der 3-jährigen Tochter von Kollegen – und mir wurde bewusst, wie sehr es mir das Herz wärmt. Seither habe ich es in vielen Gesichtern beobachtet und mich darüber gefreut wie faszinierend Gott uns geschaffen hat.

Auf diesem Hintergrund fällt mir seither vermehrt auf, wie oft die Bibel von der Wichtigkeit der Freude spricht, von der Freude am Herrn. In Nehemia 8,10 lesen wir “Die Freude am HERRN ist eure Stärke (euer Schutz, wie eine schützende Mauer).” Ich habe im letzten Jahr viel über diesen Vers nachgedacht und neu verstanden, dass es dabei wahrscheinlich um unsere Freude geht, mit ihm zusammen zu sein, egal was rund um uns herum passiert. Das gibt uns Kraft und befähigt uns auch schwierige Zeiten zu durchstehen. Wenn unser Freundenzentrum nämlich nicht gut entwickelt ist, dann können uns Schwierigkeiten zu viel werden und überwältigen. Das macht dann den großen Unterschied ob wir etwas als Leiden empfinden oder als traumatische Erfahrungen.

Besonders bezeichnend finde ich den Vers in Zephania 3,17 “Der Herr hat Freude an dir, er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich; er jubelt laut, wenn er dich sieht.” Gibt es eine bessere Beschreibung für Gottes Freude mit uns zusammen zu sein? Gottes Augen “funkeln” sozusagen wenn er uns ansieht – egal ob wir gerade gut drauf sind oder nicht, fleißig oder faul, Erfolg haben oder versagen. Er freut sich mit uns zusammen zu sein, weil wir seine geliebten Kinder sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer wir uns oft tun, das wirklich im Tiefsten zu verstehen und zu akzeptieren, weil wir so von unserer leistungsorientierten Gesellschaft geprägt sind. So ist es gut sich daran zu erinnern, dass Gottes Freude über uns damit zu tun hat wer wir sind, nicht was wir tun!

Für uns ist es eine zweifache Einladung:

  • noch bewusster ein Leuchten in die Augen anderer zu bringen indem wir ihnen zeigen, dass wir gerne mit ihnen zusammen sind.
  • das Leuchten in Gottes Augen zu erhöhen indem wir Zeit mit ihm verbringen und ihm zeigen, dass auch wir uns über ihn freuen.

Wann hast du das letzte Mal den Herrn mit leuchtenden Augen angesehen, dich an seinem Jubel über dich gefreut und zurück gejubelt?

Fußnoten:

1 Durch das “Life Model: Living from the heart Jesus gave you” vom Shepherd’s House, Kalifornien.
2 Diese Einsichten sind eine Kombination aus der Seelsorge und von neuesten Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft.
3 Dieses gegenseitige Anfunkeln ist fast die wichtigste Nahrung eines Babys. Sie beginnen mit diese Entwicklung mit 3 Monaten und erleben einen Höhepunkt mit 9 Monaten, wenn sie bis zu acht Stunden am Tag die Mutter anlächeln können. Wo diese freudenbezogene Bindung fehlt kommt es zu Fehlentwicklungen. Das Großartige aber ist, dass dieser Teil des Gehirns nie aufhört zu wachsen und wir darum den Mangel nachholen können – in der geborgenen Verbindung mit anderen Menschen und mit Gott.

Was ist normal?

Ich lese im Moment im 2. Korintherbrief. Da gibt es sehr Vieles was mich anspricht und in meiner Situation relevant ist. Möglicherweise eine der wichtigsten Einsichten kam als ich diese Woche über 2.Kor 6,4 nachdachte:

Mit großer Geduld ertrage ich Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten.

Einleitend schreibt Paulus dazu, dass er sich in jeder Hinsicht als Diener Gottes erweist. Danach erwähnt er mehrere Arten von Problemen, Widerwärtigkeiten die er aushält und sich dadurch als Diener Gottes erweist. Aber ist das denn normal? Es klingt ganz so, als wäre es für Paulus normal, Probleme zu haben. Das steht im starken Gegensatz zu dem was ich mir wünschen würde – ein stressfreies, problemloses Leben, oder zumindest ein Leben das weniger stressig und von Problemen geprägt ist, als z.B. die letzten zwei Jahre. Bereits zwei Kapitel davor gibt es ja so eine Liste von Schwierigkeiten (2. Kor 4, 8 – 12), die Paulus erlebt hat und auch in der Einleitung erwähnt er Probleme, die echt über seine Kräfte gingen (2. Kor 1, 8).

Da frag ich mich nur, wie kann man das denn aushalten?

Im Grunde steht die Antwort in 2.Kor 6,7 – “durch die Kraft, die von Gott kommt”. Auch das erwähnt Paulus als eines der wichtigen Kennzeichen von und eine Empfehlung für einen Diener Gottes – nicht aus der eigenen Kraft leben, sondern aus der von Gott geschenkten (2. Kor 4,16). Und immer wieder kommt die Aussage – Darum verliere ich nicht den Mut (2.Kor 4,1.16). Wow!

Irgendwie kriege ich das trotzdem noch nicht so ganz auf die Reihe – heißt das wirklich, dass wir Probleme als normal akzeptieren sollen? Das schmeckt mir überhaupt nicht. Da bin ich meilenweit davon entfernt.

Langsam wird mir bewusst, dass ich zumindest dort falsch lag und mir selber die Sache erschwert habe, wo ich mich innerlich gegen Schwierigkeiten auflehnte. Das habe ich oft genug gemacht in den letzten zwei Jahren. Wahrscheinlich hat das nur dazu geführt, dass meine Kraft unnötig verbraucht wurde, wo ich Probleme nicht akzeptieren konnte, und mich innerlich dagegen gewehrt habe. Mir dämmert so langsam – manches wäre vermutlich anders gelaufen, wenn ich die Probleme als normalen Teil meines Lebens akzeptiert hätte.

Vor allem an einer Stelle (wird mir mehr und mehr bewusst) habe ich unnötig meine Energie vergeudet, als Gott mir etwas Unangenehmes, Unverständliches zu sagen schien und ich einfach nicht glauben konnte, dass das Gottes Willen sein könnte, und mich dementsprechend massiv dagegen aufgelehnt habe. Rückblickend sehe ich, wie sehr ich mich dadurch verausgabt habe und dass das wahrscheinlich zu meiner allgemeinen Erschöpfung beigetragen hat.

Natürlich freut sich niemand über Probleme, aber es macht einen Unterschied, ob ich sie mit einem müden Lächeln als unangenehme Realität akzeptiere, oder ob ich mich darüber aufrege und dagegen aufbegehre, innerlich rebelliere.

Wie oft habe ich in diesen zwei Jahren darauf gewartet, dass mein Leben wieder “normal” würde. Und mit “normal” meinte ich keine oder zumindest weniger Probleme. Wenn ich hingegen unter “normal” ein Leben mit Problemen verstehe (so wie Paulus), dann begegne ich ihnen mit einer ganz anderen Einstellung und bin viel besser darauf vorbereitet. Auch wenn ich nicht im voraus weiß, welche Probleme auf mich zukommen, treffen sie mich doch nicht total unvorbereitet. Ich könnte sie dann viel eher aushalten und sie würden mich weniger aus dem Gleichgewicht bringen. Und wenn meine Kraft nicht ausreicht, dann kann ich darauf vertrauen, dass Jesus in mir lebt und mir seine Kraft schenkt. Es ist auch hilfreich, wenn ich absolut keinen Sinn in den Problemen sehe, mich daran zu erinnern und darauf zu vertrauen, dass Gott versprochen hat, auch negative Dinge im Leben seiner Kinder zum Segen zu gebrauchen (Röm 8,28). [Übrigens, ich weiß nicht, ob euch schon mal aufgefallen ist – es heißt dort nicht, dass Gott die negativen Dinge wegnimmt oder ins Positive kehrt, sondern er gebraucht sie zum Guten.]

In diesem Sinn, will ich in Zukunft Problemen mit einer neuen Einstellung begegnen und ich bin schon neugierig, was Gott daraus machen wird.

Don’t rock the boat!

Die Frage in Don’t rock the boat! finde ich sehr interessant. Schon seit einiger Zeit ist mir bewusst, dass das biblische Umfeld sehr viel mehr gruppenorientiert ist als die Gesellschaft in den westlichen Ländern. Daher würde ich vermuten, dass die Gemeinden in unseren Ländern nicht so gut begreifen, was es heißt “der Leib Christi” zu sein, wie Menschen aus gruppenorientierten Gesellschaften. Auf diesem Hintergrund fällt es mir schwer, zu glauben, dass gruppenorientierte Völker ungesunder sein könnten als individualistische Gesellschaften.

Als ich heute früh in Epheser 4 las, entdeckte ich eine mögliche Antwort:

15 Vielmehr stehen wir fest zu der Wahrheit, die Gott uns bekanntgemacht hat, und halten in Liebe zusammen. So wachsen wir in allem zu Christus empor, der unser Haupt ist. 16 Von ihm her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe, und so wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf. (GNB)

Die Gemeinde ist der Leib Jesu, er ist das Haupt der Gruppe, und er fügt uns zu einer Einheit zusammen. Diese Gruppenorientierung ist wichtig, aber gleichzeitig ist Gott auch am Einzelnen interessiert. Wir sind gerufen in persönlicher Verantwortung vor Gott “aufrecht zu stehen” und nicht uns zur Gruppe hin “zu verbiegen” (s. Leanne Payne). Gott begegnet uns in sehr individueller Art, ist daran interessiert das Potential der von ihm gegebenen Gaben zu entfalten, und gibt uns Freiraum unseren eigenen Weg zu gehen, selbst wenn es für uns selbst und die Gemeinschaft schädlich ist.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht übersehen, “dass wir alle zusammen den vollkommenen Menschen bilden” (Eph. 4,13, GNB) d.h. wir als Gruppe und nicht ich als einzelner Christ.

Was bedeutet das also für die ursprüngliche Frage?

Jede Gruppe, die nicht Gott als Mitte hat und Jesus als Haupt, wird dazu tendieren die Gruppe zum Götzen machen, die Gruppenharmonie zur obersten Priorität, und die Aussagen des Leiters als unumstößlich zu betrachten. Das mag für eine Zeit gut gehen. Aber sobald der Einzelne nicht länger ermutigt wird, auf sein Gewissen zu hören und in Verantwortung vor seinem Herrn und Schöpfer “aufrecht zu stehen”, wird die Gruppendynamik leicht dysfunktional (gestört, ungesund)) und missbrauchend. Das Prinzip trifft wahrscheinlich auf jede Art Gruppe zu – inklusive christliche Gruppen und Gemeinden. Die Einzelperson braucht die Gruppe, aber die Gruppe braucht auch die gesunden Einzelpersonen. Das funktioniert aber nicht, wenn die Gruppe wichtiger wird als die Einzelperson, und die Gruppenharmonie auf Kosten des Einzelnen erzwungen wird.