E. James Wilder

Freuden-Tanz

Life-Model Häppchen Nr. 2 – Freuden-Tanz

Eine der grundlegenden Fähigkeiten, die im Life Model und bei den Thrive Konferenzen unterrichtet werden, ist Freude mit anderen zu teilen und dadurch das Freuden-Zentrum in unserem Gehirn zu stärken. Es ist die erste von 19 lebenswichtigen Fähigkeiten, die uns helfen, die charakterliche Reife zu erreichen, die unserem körperlichen Alter entspricht.

Es ist eine sehr einfache Übung und wir haben sie mehrmals während der Thrive Konferenz praktiziert. Vermutlich half es uns nicht nur, die Fähigkeit „Freude teilen“ zu erlernen, sondern sie half uns auch, eine bessere Verbindung mit unserem Trainings-Partner zu entwickeln, was wir für die anderen Übungen benötigten. Man findest sie in der  Thrive – Grundlegende Fähigkeiten, 1. Jahr Schulungsanleitung (in Englisch), geschrieben von Jim Wilder, Chris und Jennifer Coursey.

Ich fand eine ähnliche Beschreibung dieser Übung in einem Buch von Susan Kuchinskas Die Chemie der Verbundenheit und sie nennt sie Bindungs-Tanz. Auf Grund dieser zwei Quellen beschloss ich, es Freuden-Tanz zu nennen.

Die folgende Beschreibung verbindet die Anweisungen dieser zwei Quellen.

Wilder und Courseys Beschreibung ist besser geeignet für bewusste Übungen, während die Beschreibung von Kuchinskas im täglichen Leben natürlich integriert werden kann. Kuchinskas gibt eine Beschreibung für Eltern und eine andere für Erwachsene. Das Folgende basiert auf ihrer Anweisung für Erwachsene.

  1. Wähle eine ruhige Zeit und eine Situation, wo es natürlich für euch beide ist, einander gegenüber zu sitzen, wie z.B in einem Kaffeehaus oder im Wohnzimmer. Sitze nahe genug, sodass sich eure Knie berühren könnten.
  2. Fange an, wenn sich euer Blick kreuzt, und ihr einander in die Augen schaut bis einer von euch wegschaut. Gib dir die Erlaubnis, wann immer nötig wegzuschauen (Das ist kein Anstarr-Wettbewerb à la Garfield.) ; -)
  3. Halte den Blick deines Freundes (deiner Freundin) bewusst während einiger Momente aus, solange es angenehm ist. Beobachte deine Körperreaktion: Ist deine Atmung langsam oder fühlst du ein Zusammenziehen in deiner Brust? Lehnst du dich zurück, sitzt du aufrecht oder lehnst du dich vorwärts?
  4. Wann immer es notwendig ist, lass deinen Blick im Raum herumschweifen. Du kannst auf den Mund oder die Hände des Freundes schauen oder etwas anderes in der Umgebung betrachten.
  5. Blicke wieder auf den Freund und nimm wahr, wenn sie (er) deinen Blick erwidert. Wenn es natürlich scheint, sag etwas Positives über eure Beziehung. Wenn es nicht natürlich scheint, sag es dir selber (in deinen Gedanken). Du kannst an so einfache Dinge denken wie “Ich mag sie wirklich”, oder “Sie ist so eine wertvolle Person”. Denk darüber nach, was du an deinem Freund (deiner Freundin) schätzt.
  6. Fahre fort, zu beobachten, wie dein Körper reagiert. Gibt es irgendeine Veränderung? Was auch immer du spürst, ist okay.
  7. Wiederhole den Prozess solange es sich ok anfühlt.
  8. Wenn du das mit einem Freund als bewusste Übung tun möchtest, dann sprecht euch ab, sie für 3 Minuten zu tun, einander ansehen und wieder wegsehen wann immer nötig, und danach besprecht ihr, wie ihr die Übung erlebt habt.

(Wilder & Coursey S 1-2; Kuchinskas S 67-68)

Das Ziel ist, in deiner Komfortzone zu bleiben, wenn du dich dem anderen näherst und dich dann wieder zurückziehst. Wenn die Übung erfolgreich war, dann empfindest du eine stärkere Verbundenheit mit dem anderen. Du fühlst dich näher zu der Person und erlebst Vertrautheit mit ihr sowie geteilte Freude. In einer erfolglosen Übung fühlst du Spannung, Angst und Furcht. Du könntest den Wunsch fühlen, wegzulaufen oder die Person zu vermeiden.

Wilder und Coursey erwähnen auch, dass es nicht gut funktioniert, wenn man müde ist, oder durch etwas anderes genervt oder aufgeregt ist, oder wenn man mit der anderen Person keine positive Verbindung hat. In meiner Erfahrung funktioniert es auch nicht gut, wenn es eine unterschwellige Spannung in der Beziehung gibt. Anderseits, selbst wenn man einander nicht sehr gut kennt, aber beide motiviert sind, diese Fähigkeit zu erlernen, kann es trotz einer fehlenden Bindung gut funktionieren. Zumindest war das meine Erfahrung auf der Konferenz. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, es mit einer Person des anderen Geschlechts zu üben, wenn das nicht dein Partner ist.

Was geschieht hier wirklich?

Der ganze Prozess ist eine wortlose Kommunikation zwischen den rechten Gehirn-Hemisphären zwischen zwei Menschen, indem wir unseren am meisten gewünschten positiven emotionalen Zustand einander mitteilen – dass wir es genießen, mit der anderen Person zusammen zu sein. Es stärkt unser Freudenzentrum, und dadurch wird unsere Freudestärke erhöht, die es uns ermöglicht, besser mit Problemen und Leiden umzugehen. Und es setzt Dopamin frei.

Jüngste Gehirnforschungen haben entdeckt, wie unsere rechten Gehirnhälften miteinander kommunizieren.

Ein Signal wird von der rechten Gehirnhälfte der Person A gesendet (um genau zu sein – vom rechten präfrontalen Kortex) und durch das linke Auge (oder die linke Gesichtshälfte) ausgedrückt, vom linken Auge der Person B wahrgenommen, und zu deren rechten Gehirnhälften kommuniziert. Dann wird die gleiche Art von Signal zurückgesendet, vom der rechten Gehirnhälfte, zum linken Auge von Person B, zum linken Auge der Person A und zu deren rechten Gehirnhälfte. Das Hin und Her dieser Kommunikation geschieht sechsmal pro Sekunde und wird stärker je länger es passiert. Ist das nicht faszinierend? Das ist selbstverständlich vollständig unbewusst und kann nicht gefälscht werden.

Du hast vermutlich schon Menschen gesehen, deren Augen funkeln, wenn sie einander betrachten. Das passiert vor allem wenn Menschen verliebt sind, aber nicht nur dann. Es geschieht auch zwischen Eltern und Kind. Es geschieht zwischen guten Freunden. Es geschieht jedesmal, wenn wir froh sind, mit jemand zusammen zu sein. Es ist unsere rechte Gehirnhälfte die unserem Gegenüber ohne Worte sagt, dass wir uns freuen mit ihr (ihm) zusammen zu sein. Ohne diese freudige Erfahrung des Zusammenseins mit anderen Menschen, die froh sind, mit uns zusammen zu sein, können wir keine Ganzheitlichkeit erfahren. Obwohl wir uns über schöne Dinge freuen können, wie einen Sonnenuntergang oder ein Gemälde. Freude ist beziehungsorientiert und daher am stärksten (und verstärkt), wenn sie in Beziehungen erlebt wird. Nach Ansicht einiger Neurologen ist es das grundlegendste menschliche Bedürfnis, das „Funkeln im Auge eines anderen zu sein.“ Oder mit anderen Worten – den Freudentanz zu tanzen. :-)

Auf diesem Hintergrund wurde ich noch mehr berührt von der Aussage in Zefanja 3,17 –

Der Herr, dein Gott, ist in deinen Mauern, er ist mächtig und hilft dir.
Er hat Freude an dir,
er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich;
er jubelt laut, wenn er dich sieht.“

Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass Gott sich an mir freut, über mich jubelt, selbst wenn ich Mist gebaut habe. Seine Liebe und Freude über uns hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab. Es hat lange gebraucht zu begreifen und es glauben zu können, dass Gott einen Freudentanz wegen mir aufführt. Heute weiß ich, dass es stimmt und es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Kultur und Bibelübersetzung

Kultur und Bibelübersetzung.

Jim Wilder brachte ein interessantes Beispiel in seinem Webinar, wie unsere Kultur eine Bibelübersetzung beeinflussen kann. Er entdeckte das, als er als Redner in polnischen Kirchen unterwegs war. Sein Dolmetscher war sehr überrascht, als Jim Hebräer 12,2 aus seiner englischen Bibel vorlas:

Lasst uns aufschauen auf Jesus, dem Autor und Vollender unseres Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. (Hebr 12,2)

Das griechische Wort αντι kann auf zwei Weisen übersetzt werden:

a) für, weil (anstelle von)
b) wegen, um

Im Falle von Hebräer 12,2 ergibt das den folgenden Unterschied – es kann übersetzt werden als:

1) Jesus …, der anstelle der Freude die vor ihm lag, das Kreuz aushielt … oder als
2) Jesus …, der wegen der vor ihm liegenden Freude das Kreuz aushielt.

Die meisten deutschen und englischen Übersetzungen wählten die zweite Option.

Nur die Luther Übersetzung wählt die erste Option. Manche Übersetzungen geben die jeweils andere Option als Fußnote an (z.B. die Neue Genfer Übersetzung).

Die polnischen Bibelübersetzungen wählten die erste Option. Das ist verständlich, wenn wir die Geschichte und den kulturellen Kontext betrachten:

Die Kultur in Polen hat wenig Freude und die Kirche wird als etwas betrachtet, das mit Leiden, nicht mit Freude zu tun hat. Folglich gehörte Freude nicht in die Kirche und wird sogar als offensiv wahrgenommen. Die Bibelübersetzer wählten folglich die erste Option wegen ihres kulturellen Hintergrundes und Jims Dolmetscher war sehr überrascht, als Jim diesen Vers aus seiner englischen Bibel zitierte.

Warum das Westliche Christentum versagte 3

Warum das Westliche Christentum versagte 3

Im September und Oktober 2009 hat Deeper Walk International eine interessante Serie von Webinars zum Thema, “Warum das westliche Christentum versagte“ gebracht. Der Redner war Dr. Jim Wilder vom Shepherd’s House in Kalifornien.

  • Der erste Teil handelte von einer 300 Jahre alten Philosophie, die die westliche Theologie schwer beeinflusst hat (das habe ich hier zusammengefasst).
  • Der zweite Teil handelt davon wie eine mittelalterliche Psychologie uns bis heute beeinflusst (das habe ich hier zusammengefasst)
  • Und der dritte Teil erklärt, wie aus diesen zwei Einflüssen eine falsche Dichotomie entstand.

In diesem Eintrag gebe ich eine Zusammenfassung vom dritten Teil:

Das Thema von Teil drei ist die falsche Dichotomie im westlichen Christentum, die aus der Voluntarist Philosophie (Teil 1) und der mittelalterlichen Psychologie (Teil 2) resultierte. Das Christentum wurde eine Angelegenheit des Mitteilens von richtigen Informationen, sodass Menschen die richtige Entscheidung treffen können, aber das hat nicht geholfen, den Charakter der Menschen zu ändern.

Infolgedessen hat das westliche Christentum der Vermeidung falscher Glaubensgrundsätze viel Aufmerksamkeit geschenkt, unter anderem im Blick auf Sekten wie Jim Jones, oder abweichende Theologien wie die Befreiungstheologie, aber es unternahm sehr wenig gegen Charakterfehler, wie z.B. wenn Kirchenführer mit der Frau eines Anderen weglaufen, Suchtverhalten, Scheidung unter Christen, pädophile Priester, Pornographie und viele andere Charakterfehler unter Christen.

Wilder Webinar Dichotomie

Es geht nicht darum, zwischen zwei Angelegenheit zu wählen. Das Christentum muss beide Aspekte ändern.

Ein Resultat dieser falschen Dichotomie ist Gesetzlichkeit.

Das geschieht leicht, wenn man denkt, dass Ideen und Entscheidungen der Schlüssel sind, um ein „guter“ Christ zu sein.

Was ist notwendig, um das zu ändern?

Wir müssen verstehen, wie unser Gehirn funktioniert. Das Kontrollzentrum unseres Lebens befindet sich in der rechten Gehirnhälfte – nicht in der linken, denkenden Seite des Gehirns! Es ist diese rechte Seite, die die Kontrolle übernimmt, wenn wir unter Druck kommen oder Probleme haben. Folglich ist es die rechte Seite, die „christlich“ werden muss, um unser ganzes Leben zu beeinflussen, einschließlich unseres Charakters.

Wie wird das Kontrollzentrum geprägt?

Die rechte Gehirnhälfte lernt durch die folgenden Dinge, wie wir zu uns selbst stehen und unserer Gott-gegebenen Identität auch unter Druck treu bleiben:

  • Durch Beziehungen zu anderen, die für uns Vorbilder sein können, wie man mit Druck umgeht
  • Sichtbare Beispiele
  • Emotionale Geschichten und Lieder, ähnlich den Minnesängern in der Vergangenheit oder in den Hymnen, die eine Menge Bilder verwenden –
  • aber NICHT durch ausgesprochene Wahrheit oder didaktischen Unterricht!

Unser Charakter kann verändert werden:

  • wenn andere Menschen froh sind, mit uns zusammen zu sein (eine Freude, die ohne Worte zwischen unseren rechten Gehirnhälften kommuniziert wird, indem man einander einfach anlächelt),
  • wenn andere froh sind, sogar in den schwierigen Situationen mit uns zusammen zu sein
  • wenn wir Jesu Gegenwart in diesen Situationen erfahren
  • wenn wir lernen, unsere Gedanken mit Gott zu synchronisieren, während wir unter Druck sind
  • und wenn wir erleben, wie er sich freut, mit uns zusammen zu sein, selbst wenn wir versagen.

All das muss in der Situation selbst geschehen, wenn wir unter Druck sind, wenn wir Leiden oder Versuchung erleben, nicht wenn wir in der Kirche sitzen und nicht versucht werden.

Die linke Gehirnhälfte kann in diesem Prozess helfen, indem sie

  • Material für die Ausbildung des rechten Gehirns findet
  • Strategien für Veränderung und Wachstum entwickelt
  • die Wahrheit lernt und sie als Referenzpunkt verwendet, aber …

Das Auswendiglernen von Bibelversen alleine hilft nicht, die richtigen Dinge zu tun, sondern wenn wir in Beziehung zu der Person leben, die dahinter steht.

Wir versuchen häufig, die linke Gehirnhälfte zu verwenden, um den Mangel an emotionalen Fähigkeiten auszugleichen, aber das funktioniert nicht.

Zum Beispiel:

  • Suchtverhalten sind ein klassisches Beispiel dafür, wo wir versuchen, Dinge zu rationalisieren.
  • Borderline Persönlichkeitsstörung, bei der man versucht, sich an Regeln zu halten, weil es an Beziehungsfähigkeit mangelt.
  • Angst, die dahin führt, mehr Informationen einzuholen, aber Informationen können keine Beziehungen ersetzen.
  • Besessenheit von Religion oder Gesetzlichkeit sind ein Versuch, alles zu erklären und ultimative Spiritualität zu erreichen.
  • Arbeits- und Kontroll-Zwänge, die versuchen Richtlinien aufzustellen, um Menschen und Dinge um sich herum zu kontrollieren.

Bedauerlicherweise, aber nicht überraschend, findet man eine Menge dieser Verhaltensweisen im westlichen Christentum. Viele Menschen, die sich durch ihre Beziehungen denken, sind sehr gesetzlich, verlassen sich sehr auf das Voraussagen des Verhaltens von anderen, kategorisieren Menschen in Schubladen, erwarten, dass sie sich entsprechend ihrer Rollen benehmen („Du bist … du solltest … tun“), erzwingen das Einhalten von ihren Erwartungen und suchen nach Erklärungen, wenn Dinge nicht entsprechend ihrer Erwartungen laufen.

Dieses führt zu „links-seitigen” Sünden Problemen

Die sind typisch für alle, die versuchen, ihren Glauben von der linken Gehirnhälfte her zu leben:

  • Verurteilung
  • Beurteilen (durch Vergleichen)
  • Anspruchsdenken
  • Geleitet durch eigenes Verständnis und Erklärungen (anstelle von Jesus)
  • Abhängig von den Rollen (anstelle von Gott-gegebenen Identitäten)
  • Bedürfnis zu bestrafen und die Bestrafung zu rechtfertigen
  • Auf das Sarx (`Fleisch’) gegründetes Leben, entsprechend meinem eigenen Verständnis von dem was Gott will, wie ich leben soll, anstelle in der Abhängigkeit von ihm!

Dieses steht im Gegensatz zu dem, was Sprüche 3,5 – 6 uns sagt zu tun:

Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen
und verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand;
sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen,
so wird er dich recht führen. (LUT)

Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft,
sondern vertraue voll und ganz dem Herrn!
Denke bei jedem Schritt an ihn;
er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg. (HfA)

Warum das westliche Christentum versagte 2

Warum das westliche Christentum versagte 2

Im September und Oktober 2009 hat Deeper Walk International eine interessante Serie von drei Webinars zum Thema, “Warum das westliche Christentum versagte“ gebracht. Der Redner war Dr. Jim Wilder vom Shepherd’s House in Kalifornien.

  • Der erste Teil handelte von einer 300 Jahre alten Philosophie, die die westliche Theologie schwer beeinflusste (das habe ich hier zusammengefasst)
  • Der zweite Teil handelt davon, wie eine mittelalterliche Psychologie uns bis heute beeinflusst (Zusammenfassung siehe unten).
  • Und der dritte Teil erklärt, wie wir auf Grund dieser zwei Einflüsse eine falsche Dichotomie entwickelten.

In diesem Blogeintrag gebe ich eine Zusammenfassung von Teil 2:

Viele Menschen merken nicht, dass unsere westliche Theologie durch alle möglichen anderen Dinge beeinflusst wurde, außer der Bibel.

Unter anderem gehören die folgenden Dinge dazu:

  • Rationalismus – es geht dabei um das Denken der richtigen Dinge
  • Voluntarismus – es geht um das Treffen der richtigen Entscheidungen
  • Pietismus – hatte die Tendenz, den Körper zu vernachlässigen
  • Nordeuropäische Kultur – beeinflußte Menschen im Überlebens-Modus zu leben, stoische Entscheidungen zu schätzen, Schmerzen und Gefühle zu ignorieren

>> Alle diese beeinflussen unsere Theologie.
>> Alle diese Denkweisen beeinflussen sogar, wie wir die Bibel übersetzen.
>> Sie beeinflussen auch, was wir für wichtig halten.

Ein Haupteinfluss ist die mittelalterliche Psychologie, die Menschen in zwei Hauptteile teilt:

Wilder Webinar Slides

Physische Zustände, der Körper, Gefühle und alles was damit verwandt ist, wurde als irrelevant für geistige Dinge betrachtet. Demgegenüber wurden der Intellekt und der Wille als getrennt vom Körper gesehen. Heute wissen wir, dass Intellekt und Wille mit dem Körper verbunden sind und stark auf einander einwirken. Sie können nicht voneinander getrennt werden, wie die mittelalterliche Psychologie meinte.

Trotz der neueren Einsichten, wie Gott uns geschaffen hat (dass Körper und Wille miteinander verbunden sind), verwendet die Theologie bis heute noch immer diese veralteten Kategorien.

Unser Körper werden als gefallen und unfähig Gott zu gefallen gesehen, während der Geist und der Wille als wichtiger gesehen werden, weil sie von Gott beeinflusst werden können, also etwas sind, das Gott verändern kann. Der Wille ist gefallen, aber kann durch Gottes Gnade bevollmächtigt werden, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Körper und die Gefühle verursachen nur Probleme (implizit – sie übersteigen Gottes Fähigkeit zur Veränderung). Folglich wurde der Körper aus dem christlichen Unterricht ausgeschlossen und als unbedeutend betrachtet. Die Seele wurde manchmal als mit dem Körper verbunden betrachtet, daher als etwas gesehen, das Probleme verursacht. Die einzige Hoffnung war, dass Gott den Geist genug verändern würde, um Körper und Seele zu beherrschen. Die Lösung zu diesem Problem ist, mehr „Wahrheit“ (durch Unterrichten, Wissen) zu haben, um dem Geist zu helfen, den Körper zu beherrschen.

Das Resultat ist eine falsche Dichotomie, die unsere Theologie bis heute beeinflusst.

Das war vollkommen logisch in der mittelalterlichen Psychologie, aber heute nicht mehr! Es steht im Widerspruch zu dem, was wir heute über das Gehirn wissen:

Unser Gehirn ist hauptsächlich auf Beziehungen ausgerichtet. Jede Strategie, die das dominante Emotionale und Beziehungs-Zentrum des Gehirns ignoriert und Denken und Wille betont, ist ganz und gar keine „gute Nachricht“. Infolgedessen versuchen wir, die richtigen Dinge zu denken, aber wir agieren und reagieren noch immer auf die falsche Weise.

In seinem Buch „Descartes’ Irrtum“ unterstrich Antonio R. Damasio, dass das was das menschliche Gehirn antreibt, unsere Gefühle und nicht unsere Logik sind. Zum Beispiel erfordert Trauma-Aufarbeitung die Wiederherstellung des Körperbewusstseins. Die Priorität unseres Gehirns ist es, zuerst zu fragen, was unser Körper fühlt, bevor es fragt, was wir denken.

Das hat mit unserem Vagusnerv zu tun, der dem Gehirn sagt, was wir glauben und beeinflusst unsere Beziehungen und was wir mögen. Dieser Vagusnerv klingt nicht sehr geistlich, aber er beeinflusst alles, was wir als „geistlich“ betrachten. Er besteht aus zwei Teilen:

  • der dorsale Vagus – kümmert sich um unseren Körper
  • der ventrale Vagus – reguliert unsere Beziehungen

Möglicherweise ist es wichtiger, unseren Vagusnerv „christlich“ zu machen als unser Denken!

Das Alte Testament spricht oft über unsere „inneren Teile“ (z.B. Jer 4,19, Klagelieder 2,11), aber sie werden häufig mit „Verstand“ auf Griechisch übersetzt. An anderen Stellen spricht der hebräische Text über die „Gedärme.“ Die Übersetzung dieser Verse zeigt oft eine Menge Voreingenommenheit. Da der Körper nicht wichtig ist, werden Gedärme manchmal als Herz übersetzt und manchmal als Gedärme und niemand interessiert es, ob diese Stellen sich wirklich auf die gleiche Sache beziehen.

Zusammenfassung der Voluntarist Philosophie

>> Das westliche Christentum dreht sich um Ideen und Entscheidungen.
>> Die Lösung – alle wichtigen Lebensprobleme werden durch Wahrheit und Entscheidung gelöst.
>> Diese Aussage sollte sich für dich als richtig anfühlen, weil unsere Kultur sagt, dass es so ist.
>> Die Bibelübersetzungen werden so gemacht, dass sie zur zentralen Annahme unserer Sprache und Kultur passen.

Zusammenfassung der mittelalterlichen Psychologie

>> Unsere Entscheidungen werden vom Verstand getroffen.
>> Unser Wille kommt von der Vernunft.
>> Verstand und Vernunft wohnen in unserem Geist bzw. unserem Denken.
>> Bibelübersetzung wird so gemacht, dass sie zu diesen Annahmen passt.
>> Verstand und Geist werden durch Entscheidungen und Wissen verändert.
>> Der Körper und die Gefühle sind für das geistige Leben unwichtig.

Korrekturen zur mittelalterlichen Psychologie

>>Das was das Gehirn, den Willen, den Körper und die Gefühle beeinflusst, sind Beziehungen nicht Informationen!

Wen du liebst oder wen du fürchtest, wird bestimmen wie du dich entscheidest, wie dein Körper darauf reagiert und was du darüber fühlst. Beziehungen werden in Wirklichkeit in deinem Gehirn erlebt, nicht in deinen Gefühlen, nicht in deinem Körper, nicht in deinem Willen.

>> Wir haben mehr als einen Willen und es kann zum Konflikt zwischen den verschiedenen Willen kommen.
>> Gefühle und verwandte Körperreaktionen sind Teil der Steuerung des Gehirns.
>> Beziehungen, die auf Liebe basieren, erzeugen andere Deutungen von Informationen in unserem Intellekt als die gleichen Informationen in einer auf Furcht basierenden Beziehung.

Zum Beispiel, „Dein Vater kommt“ kann zwei unterschiedliche Reaktionen erzeugen und hängt davon ab, ob die Beziehung, in Liebe oder Furcht verwurzelt ist. Dasselbe geschieht mit biblischen Informationen – „Gott sieht dich“ kann zwei unterschiedliche Reaktionen verursachen.

Mit dem Herrn leben, bedeutet unsere „Gedärme“ umwandeln zu lassen.

Wir brauchen ein Christentum, das beide Seiten unseres Charakters umwandelt, auch unseren Körper, nicht nur unseren Verstand. Wir müssen diese falsche Dichotomie überwinden (mehr darüber in Teil 3).

Shalom

Shalom

Das hebräische Wort “Schalom” wird in der Bible oft übersetzt mit Vollkommenheit, Gesundheit, Wohlergehen, Ruhe, Stille, Frieden, Zufriedenheit, gute menschliche Beziehungen, Freundschaft mit Gott durch den Bund, Abwesenheit von Krieg und Konflikt.
Jim Wilder definiert es so:

Schalom bedeutet wenn alles im richtigen Verhältnis ist, zur richtigen Zeit, am richtigen Platz, in der richtigen Stärke und im richtigen Ausmaß für Gott und Menschen … und niemand hat das Bedürfnis, irgendetwas daran zu ändern.

Warum das Westliche Christentum versagte 1

Warum das Westliche Christentum versagte 1

Im September und Oktober 2009 hat Deeper Walk International eine interessante Serie von Webinars zum Thema, “Warum das westliche Christentum versagte“ gebracht. Der Redner war Dr. Jim Wilder vom Shepherd’s House in Kalifornien.

  • Der erste Teil handelte von einer 300 Jahre alten Philosophie, die die westliche Theologie schwer beeinflusste.
  • Der zweite Teil betrachtete, wie eine mittelalterliche Psychologie uns bis heute beeinflusst.
  • Und der dritte Teil erklärt, wie es kam, dass wir auf Grund dieser zwei Einflüsse eine falsche Dichotomie entwickelten.

In diesem Blogeintrag gebe ich eine kurze Zusammenfassung vom ersten Teil:

Die Voluntarist Philosophie geht zurück auf Menschen wie René Descartes. Seine berühmte Aussage “Ich denke, darum bin ich” hat zu der Idee geführt, dass das Denken das ist, was uns zu Menschen macht. Andere Rationalisten und Empiriker wie John Locke, George Berkely, David Hume und Bertrand Russell folgten seinem Ansatz. Das Hauptgewicht auf unserer linken Gehirntätigkeit führte andere zur Annahme, dass es “wohl sein muss, dass der Anfang des Glaubens im Willen liegt” (William Ames). Infolgedessen wurden Wille und Vernunft zu den Grundsteinen der amerikanischen Theologie. Bekehrung wurde eine Angelegenheit des Willens und basierte auf den richtigen Informationen und der richtigen Entscheidung.

Die Erfahrung zeigt aber, dass das nicht funktioniert. Eine Menge Menschen haben alle richtigen Informationen, aber treffen trotzdem die falschen Entscheidungen. Mehr Informationen (d.h. mehr Training, mehr Bibelstudien) sind nicht die Lösung für alles. Warum? Weil unser Gehirn nicht so funktioniert. Es ist nicht die linke Gehirnhemisphäre (die mündliches Wissen speichert), die sich um unsere Entscheidungen kümmert. In Wirklichkeit ist es der erste Teil des Gehirns, der nicht richtig funktioniert, wenn wir unter Druck geraten, oder auch nur schläfrig sind. Es ist in hohem Grade unzuverlässig und kann unseren Charakter nicht verändern. Es ist die rechte Hälfte unseres Gehirns (das Beziehungs- und emotionale Zentrum, das das Erfahrungswissen speichert), das eine Vorentscheidung trifft, bevor wir überhaupt anfangen, an eine Entscheidung zu denken.

Wilder unterstreicht, dass:

Wir (die Amerikaner) sind die am besten informierten und am besten ausgebildeten Menschen in der Geschichte unseres Planeten. Wir sollten daher das beste Beispiel für eine gesunde Gemeinschaft, Charakter, Reife und Beziehungs-Integrität in der Kirchen- und Weltgeschichte sein.

(Ich bin mir sicher, dass man dasselbe über andere Länder mit einem hohen Prozentsatz an Christen sagen könnte.)

Warum ergeben unsere Entscheidungen und Gefühle keinen Sinn?

Könnte es sein, dass wir ein System entwickelt haben, das auf die Bildung einer hohen intellektuellen Kapazität ausgerichtet ist – während unsere emotionale, beziehungs- und charakterliche Entwicklung verkümmert ist?

Denken und Willensstärke sind nicht genug, um unseren Charakter umzuwandeln.

Die echte Steuerung unseres Lebens, einschließlich unser Suchtverhalten, befindet sich in der rechten Hemisphäre des Gehirns. Keine Strategie, die versucht, unsere Probleme zu lösen, indem es die rechte Gehirnhemisphäre übergeht, kann funktionieren. Infolgedessen gibt es viele Menschen, die alle richtigen Informationen haben und trotzdem charakterlich versagen.

Wilder erwähnte ein anderes eindrückliches Beispiel:

Heutzutage werden die WWII Veterane älter und viele von ihnen entwickeln Demenz. Als Resultat ihrer schwächer werdenden Willensstärke kommen eine Menge alter Ängste, negativer Gefühle, schlechter Launen und andere Charakter-Defizite zum Vorschein. Ihre Willensstärke änderte sie nicht wirklich, sondern hielt nur diese negativen Dinge im Zaum.

Dieses zeigt mir, dass unsere Willensstärke unsere negativen Gefühle zumindest manchmal unter Kontrolle halten kann, aber dass sie nicht unseren Charakter ändern kann.

Dasselbe passiert, wenn wir im täglichen Leben unter Druck kommen – unser wahres Selbst kommt zum Vorschein und wir schämen uns über unser Verhalten unter stressvollen Umständen. Das gleiche geschieht auch bei Süchtigen, wenn sie kognitive Ansätze verwenden, um ihre Süchte zu überwinden – das funktioniert solange das Leben glatt läuft; aber sobald sie unter Druck kommen (z.B. wenn Dinge nicht wie geplant laufen) wird dieser Ansatz, der sich auf die linke Gehirnhälfte konzentriert, nicht mehr funktionieren. Ihre (und unsere) guten Lösungen gehen dann den Bach runter.

Was wir benötigen ist eine Charakter-Umwandlung, die auf die rechte Gehirnhälfte konzentriert ist.

Alle richtigen Informationen auf der Welt, unser Intellekt und der Wille sind nicht fähig, uns zu verändern. Wenn wir echte Umwandlung sehen möchten und die Früchte des Geistes, z.B. unsere Zunge oder unsere Süchte kontrollieren wollen, müssen wir der rechten Gehirnhälfte das geben, was sie braucht um sich zu ändern – Freude, Stärke, Beziehungen und Verbundenheit.

Verbundenheit und Zufriedenheit

Verbundenheit und Zufriedenheit

Gestern Abend nahm ich am revidierten Verbundenheits- Modul vom Life-Model Programm teil. Es wurde von  Dr. Jim Wilder unterrichtet und ich fand es sehr hilfreich.

Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen:

1. Es ist wichtig, Verbundenheit zu schaffen, nicht danach zu suchen, oder es von anderen zu erwarten.

Verbundenheit zu schaffen ist etwas, das Babys sehr gut können (möglicherweise wegen ihrer bedingungslosen Annahme?) Am anderen Ende des Spektrums sind die Ältesten (damit meinen wir Personen mit einem besonders hohen Niveau von Reife, das gehört zur Terminologie vom Life-Model) die das auch sehr gut können, weil sie alle in die Verbundenheit mit einschließen wollen. Das hängt weder von ihrem Alter ab, noch davon ob sie Christen sind oder nicht, sondern von ihrem Reifegrad. Wir fühlen uns automatisch zu diesen Menschen hingezogen und genießen es, mit ihnen zusammen zu sein. Die Herausforderung ist jetzt, nicht Menschen zu suchen, die dies für uns tun können, sondern zu Menschen zu werden, die dies für andere tun können.

  • Wie erzeugen wir Verbundenheit?

Das überlappt sich Großteils mit den Richtlinien für die Gruppen-Interaktion in dieser Klasse:

○ Zufriedenheit und Anerkennung zeigen
○ Nicht drein reden oder an einander vorbei reden
○ Keine Ratschläge geben
○ Anteilnehmend zuhören
○ Vertraulichkeit wahren
○ Raum geben für unvollkommene Versuche, etwas Neues zu tun (das sind meine eigenen Worte, denn ich erinnere mich nicht, wie Jim es genau formulierte).

  • Verbundenheit zu schaffen ist Arbeit.

Ich muss daran arbeiten, andere Menschen in meiner Nähe zu haben und einander Anerkennung zu zeigen. Ich möchte auf jeden Fall lernen, das besser zu machen.

2. Zeigen von Anerkennung und Zufriedenheit: Wenn wir die Taschenlampe (Fokus) auf positive Dinge richten, schaffen wir Verbundenheit. Wenn wir uns auf negative Dinge konzentrieren, schaffen wir keine Verbundenheit.

Oder wie Phil 4,8 das ausdrückt:

Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient. (GNB)

  • Geschichten erzählen erzeugt Schalom (Hebr. lit. Frieden und Ruhe), ein Zustand, in dem sich alles richtig anfühlt und nichts geändert werden muss; alles ist im richtigen Verhältnis, am richtigen Platz, in der richtigen Stärke, in der richtigen Menge, sowohl für Gott als auch für Menschen und Tiere.

  • Geschichten erzählen schafft Zufriedenheit. So übten wir, Zufriedenheits-Geschichten zu erzählen. Gestern übten wir und erzählten einander eine Geschichte, wo wir einen Ältesten schätzen gelernt hatten. Bis zum folgenden Abend war es unsere Hausaufgabe, weitere Zufriedenheits-/Anerkennungs-Geschichten zu sammeln und zu üben, diese zu erzählen.

Beide, a) die Wichtigkeit, Verbundenheit zu schaffen und b) die Tatsache, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit verursacht, waren Aha-Erlebnisse für mich.

a) Ich stellte fest, dass ich häufig erwarte, dass andere auf mich zugehen, besonders wenn ich in einer fremden Umgebung bin oder in einer neuen Gruppe. Ich kann Verbundenheit schaffen und tue das auch normalerweise, wenn ich mich für andere verantwortlich fühle (z.B. bei einer Veranstaltung, einer Sitzung, oder wenn eine neue Person in die Gruppe kommt). In vielen anderen Situationen tue ich es normalerweise nicht, und müsste mich bewusst bemühen, es zu tun. Es kommt nicht von selbst. Ich habe noch viel in diesem Bereich zu lernen. Ich denke, dass die Einsicht von gestern mir hilft, mir dessen bewußter zu sein und nicht auf andere zu warten, damit sie es für mich tun.

Vor kurzem habe ich das in der Praxis erlebt. Ich ging zu einem Wochende für Frauen meiner neuen Gemeinde, wo ich noch fast niemanden kannte. Als ich im Freizeitheim in den Bergen ankam, hing ich herum im Aufenthaltsraum, und war mir nicht sicher was ich tun sollte, nachdem alle anderen jemanden zu kennen schienen. Ich wollte ihre Gespräche nicht unterbrechen. Nach einer kurzen Zeit kam eine Frau auch mich zu und lud mich ein, mich ihrer Gruppe anzuschließen, worüber ich sehr froh war. Die meiste Zeit während des Wochenendes war ich mit dieser gleichen kleinen Gruppe von drei-vier Frauen zusammen; wir saßen häufig am gleichen Tisch oder reservierten Plätze im Auditorium für einander. Erst viel später wurde mir bewusst, dass diese kleine Gruppe vor dem Wochenende noch nicht existiert hatte, sondern das Ergebnis der Bemühungen einer einzelnen Person war, die auf andere zuging, und so Verbundenheit mit Menschen schuf, die sie vorher nicht kannte. Sie kannte kaum jemanden anderes, aber sie ging auf andere zu, und gab ihnen das Gefühl willkommen und integriert zu sein; sie schuf Verbundenheit. Bereits zu dieser Zeit dachte ich mir, dass ihre Situation gar nicht so anders als meine eigene war, und ich hätte das Gleiche tun können. Ihr Verhalten gab mir nicht nur das Gefühl willkommen zu sein, sondern half mir auch, mich unter so vielen unbekannten Menschen zu entspannen, und es löste auch in mir den Wunsch aus, von ihr zu lernen und für andere das Gleiche zu tun.

b) Da wo ich aufwuchs, war die allgemeine Einstellung, dass, wenn etwas ok ist, man es nicht extra zu erwähnen braucht. Daheim wurde oft nur das erwähnt, was nicht ok ist, damit es korrigiert werden kann. Daher empfinde ich auch diesen bejahenden Unterrichtsstil, den ich häufig bei Amerikanern beobachte, als sehr ungewohnt.

In einem Workshop über Zwischenmenschliche Fähigkeiten sagte ich zu meinen amerikanischen Kollegen: “Wenn ihr in eurem Feedback nur das erwähnt, was ich richtig gemacht habe, und denke, dass ich verstehe, dass die Dinge, die ihr nicht erwähnt habt, jene sind die ich verbessern sollte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich es nicht kapieren werde. Man muss mir direkt sagen, was nicht okay ist, und was geändert werden muss.” Jetzt, nachdem ich mehrmals in den USA war, habe ich mich sehr an diese ermutigende Art des Feedbacks gewöhnt und mag es durchaus. Manchmal sogar so sehr, dass ich unangenehm berührt reagiere, wenn eine Korrektur in der direkten (und häufig rauhen) Weise des Herausstreichens von negativen Dingen passiert, mit der ich aufwuchs. Trotzdem frage ich mich manchmal, wie viel davon einfach kulturell ist und daher nur auf Amerikaner zutrifft.

Als Jim Wilder gestern Abend sagte, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit schafft, hatte ich einen Aha-Moment. Tief in mir wusste ich, dass das stimmt, gleichgültig in welcher Kultur, selbst wenn es auf unterschiedliche Weise ausgedrückt wird. Jeder Mensch benötigt Annahme und Verbundenheit, und das Unterstreichen der Fehler des anderen erreicht normalerweise genau das Gegenteil – es baut Mauern auf.

Ich erhielt direkt danach eine praktische Lektion: nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, kritisierte meine Nachbarin, dass ich einen Punkt für eine gute Zufriedenheits-Geschichte ausgelassen hatte. Ich fühlte mich herabgesetzt und wurde defensiv. Als ich später darüber nachdachte, merkte ich, dass sie die gleiche Sache durch eine ermutigende Frage hätte unterstreichen können, aber durch die Weise, wie sie es gesagt hatte, baute sie eine Wand zwischen uns auf. Wow! Somit ist das definitiv etwas, das ich lernen möchte, zu vermeiden.

Gleichzeitig merke ich, dass es nicht leicht ist, das Gleichgewicht zu bewahren. Als Berater oder Lehrer zum Beispiel, kann ich jemand ermutigen und Anerkennung zeigen, z.B. für den guten Anfang in einem Schreib-Projekt. Aber das wird der Person nicht helfen, herauszufinden, welche Teile noch Verbesserung benötigen. Nachdem ich in einem Kontext aufgewachsen bin, in dem dieses Gleichgewicht selten war, habe ich kaum Vorbilder dafür.

Könnt ihr Beispiele aus eurer eigenen Erfahrung teilen, wo jemand Anerkennung zeigte, und es ihm trotzdem gelang, die Punkte aufzuzeigen, die Verbesserung benötigen? Wie macht ihr selber das?

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise.

Vor einigen Wochen schrieb ich über Beziehungs-Schaltkreise. Ich erwähnte einige Beispiele einer längeren Checkliste, die uns helfen kann, festzustellen, ob unsere Beziehungs-Schaltkreise ein- oder ausgeschaltet sind. Hier sind weitere Beispiele:

  • Mein Verstand ist blockiert bzw. mit etwas Schlimmem beschäftigt.
  • Ich möchte nur flüchten, oder kämpfen, oder ich erstarre.
  • Ich möchte nicht mit X (jemand, den ich normalerweise mag) verbunden sein.

Wenn du einige dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, bedeutet es, dass deine Beziehungs-Schaltkreise AUS geschaltet sind.

Was tut man also, wenn die Beziehungs-Schaltkreise aus sind?

Das war das Thema der letzten zwei Abendklassen. Ich zitiere von einer Merkkarte von Thriving Recovery die wir erhielten, und die eine kurze Checkliste über Beziehungs-Schaltkreise und Schritten zur Wiederherstellung von Beziehungs-Schaltkreisen beinhaltete:

Mein Ziel ist es, die Gegenwart Gottes wahrzunehmen, ihm von meinen Schmerzen zu erzählen, und seinen Schalom zu empfangen, damit ich meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einschalten kann.

Meine Strategie ist es, mich zu beruhigen und dann mit Gott über meine Gefühle und Gedanken zu sprechen, selbst wenn ich seine Gegenwart noch nicht wahrnehme. Ich lade den Herrn ein, bei mir zu sein und mir zu helfen, seine Gegenwart wahrzunehmen. Ich erkläre anderen, wie mir Schalom geholfen hat.

Die Übungen, die wir lernten, kann man nicht nur in zwei Sätzen erklären, aber vielleicht kann ich sie als eine Kombination von körperlichen Entspannungsübungen und dem sich selbst Vorsagen von biblischen Wahrheiten beschreiben. Im ersten Teil jeder Übung spiegelte die Körperhaltung Anspannung, Furcht, Angst wieder (inkl. schnelles und kurzes Einatmen) während wir z.B. zitierten “Immer wenn ich Angst habe, ….” Der zweite Teil war dann der Übergang in eine entspannte Körperhaltung (inkl. langsames und langes Ausatmen) und der Fortsetzung des Zitats “… vertraue ich auf Dich, oh Herr.” (Psalm 56,3)

Die oben erwähnte Übung wird die “Furcht-Bombe” genannt. Eine andere heißt “Erste Hilfe Gähnen”, weil man in der Erste-Hilfe-Position beginnt und sie mit Gähnen verbunden wird (das kann man wirklich nur vorzeigen). Beide Übungen gehören zu der Gruppe von “Schalom für meinen Körper“; Übungen, die darauf abzielen, meinen Körper zu beruhigen (wie in der Strategie Aussage oben erwähnt).

Die folgenden zwei Schritte für die Wiederherstellung meiner Beziehungs-Schaltkreise sind nach meinem Empfinden sehr ähnlich und heißen “Schalom für meine Seele” und “Mit Gott klagen”. In beiden Fällen spreche ich mit Gott über meine Situation. Ich fand es interessant, dass es mir nicht helfen würde, mit Gott über die andere Person (die mich aufregt) zu sprechen, sondern dahin führen würde, dass meine Beziehungs-Schaltkreise ausgeschaltet bleiben. Ich muss mit Gott über meine eigenen Gefühle und Gedanken sprechen (Schalom für meine Seele) und über traurige Dinge, die sowohl Gott wie auch mich traurig machen mit ihm sprechen (Klagen mit Gott).

Schalom für meine Seele” ist ein persönliches Gebet, das in bestimmten Aspekten dem Muster vieler Psalmen folgt. Das beihaltet zu beschreiben, wie ich mich im Augenblick fühle, die Gedanken, die mir einfallen, wenn ich an das Problem denke, und das was mich davon abhält, die Gegenwart Gottes zu erleben. Gegen Ende drücke ich aus, wie ich Gott im Augenblick wahrnehme, was ich von ihm brauche, aber gleichzeitig erinnere ich mich an besondere Momente mit Gott in der Vergangenheit und meine Lieblingsverheißungen in der Bibel, die mir bereits in der Vergangenheit geholfen haben. Das Gebet wird damit beendet, dass ich Gott bitte, alle Barrieren zu entfernen, die mich davon abhalten, die Gegenwart Gottes zu erleben und seinen Schalom zu empfangen.

Klagen mit Gott” reflektiert über die Frage, welche guten Dinge Gott möchte, dass ich sie haben soll, aber die ich in einer bestimmten Situation nicht bekommen habe. Diese Überlegung wird dann als Gebet formuliert, in dem ich ausdrücke, was genau die negativen Dinge sind, die entgegen Gottes gutem Plan geschahen, indem man sagt: „Ich bin traurig, dass es …… gab anstelle von deiner Sanftheit / Freundlichkeit / Gnade / Vergebung / Gerechtigkeit / Weisheit / Trost. Ich bin so traurig darüber wie du es bist. Ich benötige wirklich deine Sanftheit /…/ etc. um Verbundenheit zu schaffen.“ Ein interessanter Aspekt diesbezüglich war, dass diese Betonung von Traurigkeit hilft, wieder beziehungsfähig zu werden und Schalom zu finden, während ein Fokus auf Furcht und Zorn nicht nützlich wäre.

Der letzte Schritt, den wir vermutlich in der folgenden Klasse durchnehmen werden, heißt “Meinen Schalom wachsen lassen” durch Wertschätzungs-Übungen.

Alle diese Schritte helfen uns, Gottes-Sicht zu haben – mich selbst und andere sehen wie Gott uns sieht – und dadurch meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einzuschalten. Ich werde ein anderes Mal mehr darüber schreiben, was Gottes-Sicht bedeutet. [N.B. 2015 – in neueren Publikationen verwenden sie den Begriff iSicht im Sinne von Immanuel Sicht dafür.]