Jim Wilder

Freuden-Tanz

Life-Model Häppchen Nr. 2 – Freuden-Tanz

Eine der grundlegenden Fähigkeiten, die im Life Model und bei den Thrive Konferenzen unterrichtet werden, ist Freude mit anderen zu teilen und dadurch das Freuden-Zentrum in unserem Gehirn zu stärken. Es ist die erste von 19 lebenswichtigen Fähigkeiten, die uns helfen, die charakterliche Reife zu erreichen, die unserem körperlichen Alter entspricht.

Es ist eine sehr einfache Übung und wir haben sie mehrmals während der Thrive Konferenz praktiziert. Vermutlich half es uns nicht nur, die Fähigkeit „Freude teilen“ zu erlernen, sondern sie half uns auch, eine bessere Verbindung mit unserem Trainings-Partner zu entwickeln, was wir für die anderen Übungen benötigten. Man findest sie in der  Thrive – Grundlegende Fähigkeiten, 1. Jahr Schulungsanleitung (in Englisch), geschrieben von Jim Wilder, Chris und Jennifer Coursey.

Ich fand eine ähnliche Beschreibung dieser Übung in einem Buch von Susan Kuchinskas Die Chemie der Verbundenheit und sie nennt sie Bindungs-Tanz. Auf Grund dieser zwei Quellen beschloss ich, es Freuden-Tanz zu nennen.

Die folgende Beschreibung verbindet die Anweisungen dieser zwei Quellen.

Wilder und Courseys Beschreibung ist besser geeignet für bewusste Übungen, während die Beschreibung von Kuchinskas im täglichen Leben natürlich integriert werden kann. Kuchinskas gibt eine Beschreibung für Eltern und eine andere für Erwachsene. Das Folgende basiert auf ihrer Anweisung für Erwachsene.

  1. Wähle eine ruhige Zeit und eine Situation, wo es natürlich für euch beide ist, einander gegenüber zu sitzen, wie z.B in einem Kaffeehaus oder im Wohnzimmer. Sitze nahe genug, sodass sich eure Knie berühren könnten.
  2. Fange an, wenn sich euer Blick kreuzt, und ihr einander in die Augen schaut bis einer von euch wegschaut. Gib dir die Erlaubnis, wann immer nötig wegzuschauen (Das ist kein Anstarr-Wettbewerb à la Garfield.) ; -)
  3. Halte den Blick deines Freundes (deiner Freundin) bewusst während einiger Momente aus, solange es angenehm ist. Beobachte deine Körperreaktion: Ist deine Atmung langsam oder fühlst du ein Zusammenziehen in deiner Brust? Lehnst du dich zurück, sitzt du aufrecht oder lehnst du dich vorwärts?
  4. Wann immer es notwendig ist, lass deinen Blick im Raum herumschweifen. Du kannst auf den Mund oder die Hände des Freundes schauen oder etwas anderes in der Umgebung betrachten.
  5. Blicke wieder auf den Freund und nimm wahr, wenn sie (er) deinen Blick erwidert. Wenn es natürlich scheint, sag etwas Positives über eure Beziehung. Wenn es nicht natürlich scheint, sag es dir selber (in deinen Gedanken). Du kannst an so einfache Dinge denken wie “Ich mag sie wirklich”, oder “Sie ist so eine wertvolle Person”. Denk darüber nach, was du an deinem Freund (deiner Freundin) schätzt.
  6. Fahre fort, zu beobachten, wie dein Körper reagiert. Gibt es irgendeine Veränderung? Was auch immer du spürst, ist okay.
  7. Wiederhole den Prozess solange es sich ok anfühlt.
  8. Wenn du das mit einem Freund als bewusste Übung tun möchtest, dann sprecht euch ab, sie für 3 Minuten zu tun, einander ansehen und wieder wegsehen wann immer nötig, und danach besprecht ihr, wie ihr die Übung erlebt habt.

(Wilder & Coursey S 1-2; Kuchinskas S 67-68)

Das Ziel ist, in deiner Komfortzone zu bleiben, wenn du dich dem anderen näherst und dich dann wieder zurückziehst. Wenn die Übung erfolgreich war, dann empfindest du eine stärkere Verbundenheit mit dem anderen. Du fühlst dich näher zu der Person und erlebst Vertrautheit mit ihr sowie geteilte Freude. In einer erfolglosen Übung fühlst du Spannung, Angst und Furcht. Du könntest den Wunsch fühlen, wegzulaufen oder die Person zu vermeiden.

Wilder und Coursey erwähnen auch, dass es nicht gut funktioniert, wenn man müde ist, oder durch etwas anderes genervt oder aufgeregt ist, oder wenn man mit der anderen Person keine positive Verbindung hat. In meiner Erfahrung funktioniert es auch nicht gut, wenn es eine unterschwellige Spannung in der Beziehung gibt. Anderseits, selbst wenn man einander nicht sehr gut kennt, aber beide motiviert sind, diese Fähigkeit zu erlernen, kann es trotz einer fehlenden Bindung gut funktionieren. Zumindest war das meine Erfahrung auf der Konferenz. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, es mit einer Person des anderen Geschlechts zu üben, wenn das nicht dein Partner ist.

Was geschieht hier wirklich?

Der ganze Prozess ist eine wortlose Kommunikation zwischen den rechten Gehirn-Hemisphären zwischen zwei Menschen, indem wir unseren am meisten gewünschten positiven emotionalen Zustand einander mitteilen – dass wir es genießen, mit der anderen Person zusammen zu sein. Es stärkt unser Freudenzentrum, und dadurch wird unsere Freudestärke erhöht, die es uns ermöglicht, besser mit Problemen und Leiden umzugehen. Und es setzt Dopamin frei.

Jüngste Gehirnforschungen haben entdeckt, wie unsere rechten Gehirnhälften miteinander kommunizieren.

Ein Signal wird von der rechten Gehirnhälfte der Person A gesendet (um genau zu sein – vom rechten präfrontalen Kortex) und durch das linke Auge (oder die linke Gesichtshälfte) ausgedrückt, vom linken Auge der Person B wahrgenommen, und zu deren rechten Gehirnhälften kommuniziert. Dann wird die gleiche Art von Signal zurückgesendet, vom der rechten Gehirnhälfte, zum linken Auge von Person B, zum linken Auge der Person A und zu deren rechten Gehirnhälfte. Das Hin und Her dieser Kommunikation geschieht sechsmal pro Sekunde und wird stärker je länger es passiert. Ist das nicht faszinierend? Das ist selbstverständlich vollständig unbewusst und kann nicht gefälscht werden.

Du hast vermutlich schon Menschen gesehen, deren Augen funkeln, wenn sie einander betrachten. Das passiert vor allem wenn Menschen verliebt sind, aber nicht nur dann. Es geschieht auch zwischen Eltern und Kind. Es geschieht zwischen guten Freunden. Es geschieht jedesmal, wenn wir froh sind, mit jemand zusammen zu sein. Es ist unsere rechte Gehirnhälfte die unserem Gegenüber ohne Worte sagt, dass wir uns freuen mit ihr (ihm) zusammen zu sein. Ohne diese freudige Erfahrung des Zusammenseins mit anderen Menschen, die froh sind, mit uns zusammen zu sein, können wir keine Ganzheitlichkeit erfahren. Obwohl wir uns über schöne Dinge freuen können, wie einen Sonnenuntergang oder ein Gemälde. Freude ist beziehungsorientiert und daher am stärksten (und verstärkt), wenn sie in Beziehungen erlebt wird. Nach Ansicht einiger Neurologen ist es das grundlegendste menschliche Bedürfnis, das „Funkeln im Auge eines anderen zu sein.“ Oder mit anderen Worten – den Freudentanz zu tanzen. :-)

Auf diesem Hintergrund wurde ich noch mehr berührt von der Aussage in Zefanja 3,17 –

Der Herr, dein Gott, ist in deinen Mauern, er ist mächtig und hilft dir.
Er hat Freude an dir,
er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich;
er jubelt laut, wenn er dich sieht.“

Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass Gott sich an mir freut, über mich jubelt, selbst wenn ich Mist gebaut habe. Seine Liebe und Freude über uns hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab. Es hat lange gebraucht zu begreifen und es glauben zu können, dass Gott einen Freudentanz wegen mir aufführt. Heute weiß ich, dass es stimmt und es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Ich kenne Immanuel – Buchbesprechung

Ich kenne Immanuel – Buchbesprechung.

Wilder, E. James und Coursey Chris M. 2013. Ich kenne Immanuel: ein heilender Lebensstil. Pasadena, CA. Shepherd’s House Incorporated.

“Ich kenne Immanuel” ist ein Büchlein vom Shepherd’s House in Pasadena, CA. Sie wurde in Zusammenarbeit von Jim Wilder (Direktor von Shepherd’s House) und Chris Coursey (WWW. thrivetoday.org) geschrieben.

Ich kenne Immanuel
Ich kenne Immanuel

Die Broschüre hat nur 63 Seiten, aber sie ist eine ausgezeichnete Einleitung und Zusammenfassung vom Immanuel Ansatz, der von Dr. Karl und Charlotte Lehman entwickelt wurde und der ein Teil vom Life-Model Unterricht auf den Thrive Konferenzen und in den Thriving Klassen ist. Er wurde bereits erfolgreich in unterschiedlichen Ländern und in interkulturellen Situationen eingesetzt.

Der heilende Lebensstil vom Immanuel Ansatz beinhaltet drei einfache Schritte:

  • Gemeinsam mit Gott
  • Gemeinsam Denken
  • Gemeinsam Reden
  1. Gemeinsam mit Gott 

Bedeutet Zeit in Gottes Gegenwart verbringen, also im Bild gesprochen auf dem Berggipfel. Das funktioniert viel besser als Ausgangspunkt, wenn man schmerzhafte Erinnerungen verarbeitet, als im Schmerz zu sitzen, und zu warten, dass Gott eingreift oder zu versuchen, hinauf zu klettern.

Ein guter Ausgangspunkt ist entweder, sich an eine Situation zu erinnern, in der wir eine Zeit der wechselseitigen Kommunikation in Gottes Gegenwart erlebt haben (genannt der Erinnerungssessel der Kommunikation) oder im Erinnern an Dinge, die uns mit Zufriedenheit und Dankbarkeit erfüllen (genannt Erinnerungssessel der Wertschätzung). Der zweite Punkt beinhaltet Dankbarkeit für Gottes Gaben oder einfach nur besondere Momente wie einen Sonnenuntergang oder das Lächeln eines Kindes.

  1. Miteinander Denken 

bedeutet das Synchronisieren unserer Perspektive mit Gott, das Verstehen, wie er die Dinge sieht, und dadurch den Sinn von Dingen erkennen, die uns Mühe machen. Das führt zu Gottes-Frieden Schalom – einem Frieden, der so vollkommen ist, dass du ihn durch nichts verbessern kannst.

Dieser Schritt schließt häufig eine Fragezeit mit Gott ein, in der wir ihn fragen können, z.B. wo er in den schmerzlichen Momenten war, was uns davon abhält, ihn in der schmerzlichen Erinnerung zu sehen, und was wir über eine bestimmte Situation wissen sollten. Sobald wir seine Perspektive über verschiedene Aspekte empfangen haben, können wir die Freude mit anderen teilen.

  1. Gemeinsam Reden 

bezieht sich darauf, anderen die Immanuel Geschichte, die wir gerade erlebt haben, zu erzählen. Es hilft uns, die neue Perspektive zu vertiefen und es gibt anderen Hoffnung.

Wir können die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählen: “Als ich in den Dornen lebte”-Version, wird aus dem Blickwinkel vom Fuß des Berges erzählt und betont all die Schmerzen, die wir erlebten – diese Erzählung löst dann ähnliche Erinnerungen in unseren Zuhörern aus und zieht sie runter; während die “Was ich an Immanuel schätze”-Version vom Blickwinkel des Berggipfels erzählt wird und sowohl den Erzähler als auch den Zuhörer ermutigt.

Das ist die Grundidee von “Ich kenne Immanuel”.

Die Broschüre beinhaltet selbstverständlich viel mehr, wie z.B. mehr Details darüber, wie man die Geschichte erzählt, Erklärungen, wie wir Schmerz verarbeiten, ein Kapitel über Lösungen, wenn wir im Prozess stecken bleiben, häufig gestellte Fragen und Links zu mehr Informationen. Ich fand, dass die Broschüre den Prozess sehr gut erklärt und zwar in einer Weise, die jeder verstehen kann, sogar wenn jemand das Life-Model noch nicht kennt.

Es begeistert mich, zu hören, dass die Broschüre bereits in Workshops in verschiedenen Ländern benutzt wurde und was für einen Schneeball-Effekt sie verursachte – Teilnehmer haben die grundlegenden Schritte gelernt, und haben dann ihre Immanuel Geschichte mit anderen geteilt und dadurch anderen geholfen, “Gemeinsam mit Gott” zu sitzen und Immanuel zum ersten Mal in ihrem Leben zu erfahren.

Die Broschüre ist eine großartige Zusammenfassung und ein tolles Werkzeug, um den Immanuel Prozesses mit anderen zu teilen.

Bequemer Sessel

 

Ich fand einen Satz in der Broschüre besonders anschaulich:

Gott bietet Gastfreundschaft an!

Lass uns diese Einladung annehmen – komm und setz dich zu ihm!

die Broschüre kann hier bestellt werden.

[N.B. 2015 – Diesen Blogpost habe ich ursprünglich über die Englische Ausgabe „Share Immanuel“ in 2010 geschrieben, aber inzwischen ist das Buch auch auf Deutsch erschienen.]

Shalom

Shalom

Das hebräische Wort “Schalom” wird in der Bible oft übersetzt mit Vollkommenheit, Gesundheit, Wohlergehen, Ruhe, Stille, Frieden, Zufriedenheit, gute menschliche Beziehungen, Freundschaft mit Gott durch den Bund, Abwesenheit von Krieg und Konflikt.
Jim Wilder definiert es so:

Schalom bedeutet wenn alles im richtigen Verhältnis ist, zur richtigen Zeit, am richtigen Platz, in der richtigen Stärke und im richtigen Ausmaß für Gott und Menschen … und niemand hat das Bedürfnis, irgendetwas daran zu ändern.

Verbundenheit und Zufriedenheit

Verbundenheit und Zufriedenheit

Gestern Abend nahm ich am revidierten Verbundenheits- Modul vom Life-Model Programm teil. Es wurde von  Dr. Jim Wilder unterrichtet und ich fand es sehr hilfreich.

Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen:

1. Es ist wichtig, Verbundenheit zu schaffen, nicht danach zu suchen, oder es von anderen zu erwarten.

Verbundenheit zu schaffen ist etwas, das Babys sehr gut können (möglicherweise wegen ihrer bedingungslosen Annahme?) Am anderen Ende des Spektrums sind die Ältesten (damit meinen wir Personen mit einem besonders hohen Niveau von Reife, das gehört zur Terminologie vom Life-Model) die das auch sehr gut können, weil sie alle in die Verbundenheit mit einschließen wollen. Das hängt weder von ihrem Alter ab, noch davon ob sie Christen sind oder nicht, sondern von ihrem Reifegrad. Wir fühlen uns automatisch zu diesen Menschen hingezogen und genießen es, mit ihnen zusammen zu sein. Die Herausforderung ist jetzt, nicht Menschen zu suchen, die dies für uns tun können, sondern zu Menschen zu werden, die dies für andere tun können.

  • Wie erzeugen wir Verbundenheit?

Das überlappt sich Großteils mit den Richtlinien für die Gruppen-Interaktion in dieser Klasse:

○ Zufriedenheit und Anerkennung zeigen
○ Nicht drein reden oder an einander vorbei reden
○ Keine Ratschläge geben
○ Anteilnehmend zuhören
○ Vertraulichkeit wahren
○ Raum geben für unvollkommene Versuche, etwas Neues zu tun (das sind meine eigenen Worte, denn ich erinnere mich nicht, wie Jim es genau formulierte).

  • Verbundenheit zu schaffen ist Arbeit.

Ich muss daran arbeiten, andere Menschen in meiner Nähe zu haben und einander Anerkennung zu zeigen. Ich möchte auf jeden Fall lernen, das besser zu machen.

2. Zeigen von Anerkennung und Zufriedenheit: Wenn wir die Taschenlampe (Fokus) auf positive Dinge richten, schaffen wir Verbundenheit. Wenn wir uns auf negative Dinge konzentrieren, schaffen wir keine Verbundenheit.

Oder wie Phil 4,8 das ausdrückt:

Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient. (GNB)

  • Geschichten erzählen erzeugt Schalom (Hebr. lit. Frieden und Ruhe), ein Zustand, in dem sich alles richtig anfühlt und nichts geändert werden muss; alles ist im richtigen Verhältnis, am richtigen Platz, in der richtigen Stärke, in der richtigen Menge, sowohl für Gott als auch für Menschen und Tiere.

  • Geschichten erzählen schafft Zufriedenheit. So übten wir, Zufriedenheits-Geschichten zu erzählen. Gestern übten wir und erzählten einander eine Geschichte, wo wir einen Ältesten schätzen gelernt hatten. Bis zum folgenden Abend war es unsere Hausaufgabe, weitere Zufriedenheits-/Anerkennungs-Geschichten zu sammeln und zu üben, diese zu erzählen.

Beide, a) die Wichtigkeit, Verbundenheit zu schaffen und b) die Tatsache, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit verursacht, waren Aha-Erlebnisse für mich.

a) Ich stellte fest, dass ich häufig erwarte, dass andere auf mich zugehen, besonders wenn ich in einer fremden Umgebung bin oder in einer neuen Gruppe. Ich kann Verbundenheit schaffen und tue das auch normalerweise, wenn ich mich für andere verantwortlich fühle (z.B. bei einer Veranstaltung, einer Sitzung, oder wenn eine neue Person in die Gruppe kommt). In vielen anderen Situationen tue ich es normalerweise nicht, und müsste mich bewusst bemühen, es zu tun. Es kommt nicht von selbst. Ich habe noch viel in diesem Bereich zu lernen. Ich denke, dass die Einsicht von gestern mir hilft, mir dessen bewußter zu sein und nicht auf andere zu warten, damit sie es für mich tun.

Vor kurzem habe ich das in der Praxis erlebt. Ich ging zu einem Wochende für Frauen meiner neuen Gemeinde, wo ich noch fast niemanden kannte. Als ich im Freizeitheim in den Bergen ankam, hing ich herum im Aufenthaltsraum, und war mir nicht sicher was ich tun sollte, nachdem alle anderen jemanden zu kennen schienen. Ich wollte ihre Gespräche nicht unterbrechen. Nach einer kurzen Zeit kam eine Frau auch mich zu und lud mich ein, mich ihrer Gruppe anzuschließen, worüber ich sehr froh war. Die meiste Zeit während des Wochenendes war ich mit dieser gleichen kleinen Gruppe von drei-vier Frauen zusammen; wir saßen häufig am gleichen Tisch oder reservierten Plätze im Auditorium für einander. Erst viel später wurde mir bewusst, dass diese kleine Gruppe vor dem Wochenende noch nicht existiert hatte, sondern das Ergebnis der Bemühungen einer einzelnen Person war, die auf andere zuging, und so Verbundenheit mit Menschen schuf, die sie vorher nicht kannte. Sie kannte kaum jemanden anderes, aber sie ging auf andere zu, und gab ihnen das Gefühl willkommen und integriert zu sein; sie schuf Verbundenheit. Bereits zu dieser Zeit dachte ich mir, dass ihre Situation gar nicht so anders als meine eigene war, und ich hätte das Gleiche tun können. Ihr Verhalten gab mir nicht nur das Gefühl willkommen zu sein, sondern half mir auch, mich unter so vielen unbekannten Menschen zu entspannen, und es löste auch in mir den Wunsch aus, von ihr zu lernen und für andere das Gleiche zu tun.

b) Da wo ich aufwuchs, war die allgemeine Einstellung, dass, wenn etwas ok ist, man es nicht extra zu erwähnen braucht. Daheim wurde oft nur das erwähnt, was nicht ok ist, damit es korrigiert werden kann. Daher empfinde ich auch diesen bejahenden Unterrichtsstil, den ich häufig bei Amerikanern beobachte, als sehr ungewohnt.

In einem Workshop über Zwischenmenschliche Fähigkeiten sagte ich zu meinen amerikanischen Kollegen: “Wenn ihr in eurem Feedback nur das erwähnt, was ich richtig gemacht habe, und denke, dass ich verstehe, dass die Dinge, die ihr nicht erwähnt habt, jene sind die ich verbessern sollte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich es nicht kapieren werde. Man muss mir direkt sagen, was nicht okay ist, und was geändert werden muss.” Jetzt, nachdem ich mehrmals in den USA war, habe ich mich sehr an diese ermutigende Art des Feedbacks gewöhnt und mag es durchaus. Manchmal sogar so sehr, dass ich unangenehm berührt reagiere, wenn eine Korrektur in der direkten (und häufig rauhen) Weise des Herausstreichens von negativen Dingen passiert, mit der ich aufwuchs. Trotzdem frage ich mich manchmal, wie viel davon einfach kulturell ist und daher nur auf Amerikaner zutrifft.

Als Jim Wilder gestern Abend sagte, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit schafft, hatte ich einen Aha-Moment. Tief in mir wusste ich, dass das stimmt, gleichgültig in welcher Kultur, selbst wenn es auf unterschiedliche Weise ausgedrückt wird. Jeder Mensch benötigt Annahme und Verbundenheit, und das Unterstreichen der Fehler des anderen erreicht normalerweise genau das Gegenteil – es baut Mauern auf.

Ich erhielt direkt danach eine praktische Lektion: nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, kritisierte meine Nachbarin, dass ich einen Punkt für eine gute Zufriedenheits-Geschichte ausgelassen hatte. Ich fühlte mich herabgesetzt und wurde defensiv. Als ich später darüber nachdachte, merkte ich, dass sie die gleiche Sache durch eine ermutigende Frage hätte unterstreichen können, aber durch die Weise, wie sie es gesagt hatte, baute sie eine Wand zwischen uns auf. Wow! Somit ist das definitiv etwas, das ich lernen möchte, zu vermeiden.

Gleichzeitig merke ich, dass es nicht leicht ist, das Gleichgewicht zu bewahren. Als Berater oder Lehrer zum Beispiel, kann ich jemand ermutigen und Anerkennung zeigen, z.B. für den guten Anfang in einem Schreib-Projekt. Aber das wird der Person nicht helfen, herauszufinden, welche Teile noch Verbesserung benötigen. Nachdem ich in einem Kontext aufgewachsen bin, in dem dieses Gleichgewicht selten war, habe ich kaum Vorbilder dafür.

Könnt ihr Beispiele aus eurer eigenen Erfahrung teilen, wo jemand Anerkennung zeigte, und es ihm trotzdem gelang, die Punkte aufzuzeigen, die Verbesserung benötigen? Wie macht ihr selber das?

Life Model Überblick

Life-Model Überblick

Vielleicht hast du dich schon gefragt, was es mit diesem Life-Model (wörtl. Lebens-Modell oder Modell zum Leben) auf sich hat, das ich immer wieder erwähne. Das Life-Model ist “ein neues Paradigma für geistliche und spuchologische Gesundheit.” Es wurde zuerst im Buch It was first described in “Das Life-Model: ein Modell zum Leben aus dem Herzen, das Jesus dir gab” von Dr. James G. Friesen, und einigen anderen, beschrieben. Das Buch ist nach wie vor das grundlegende Werk über das Life-Model, obwohl es viel mehr gibt, das zu dem Thema gehört, aber das in dem kleinen Büchlein nicht Platz hatte. Es ist die Grundlage für den Dienst und den Unterricht von Dr. Jim Wilder und anderen Mitarbeitern vom Shepherd’s House in Pasadena, Kalifornien.

Life-Model Buch deutsch
Life-Model Buch deutsch

Ich habe 2006 durch eine Freundin das erste Mal davon gehört und seither verschiedene Publikationen von ihnen gelesen.  2008 hatte ich dann zum ersten Mal die Möglichkeit einige ihrer Seminare zu besuchen. Ich habe seither viel von ihrem Unterricht und ihrem Dienst profitiert und kann sie nur sehr weiter empfehlen. Ihr Dienst ist eine interessante Kombination von seelsorgerlichen Einsichten und Erkenntnissen der jüngsten Gehirnforschung, die allen Christen helfen können, in ihrer eigenen charakterlichen und geistlichen Reife zu wachsen, und anderen zu helfen, darin zu wachsen.

Das Team von Shepherd’s House hat auch sehr viel Erfahrung mit Missbrauchsopfern und verwandten Bereichen der Seelsorge. Die verschiedenen Zweige ihres Dienstes haben alle zum Ziel, dass sie Menschen helfen ungesunde Verhaltensweisen zu überwinden, die das Resultat von Missbrauch oder anderen Formen von Trauma in der Kindheit sind. Das machen sie indem sie unter anderem grundlegende Gehirn-Fähigkeiten und Lektionen unterrichten, die wir in unserer Kindheit verpasst haben. Ich bin davon überzeugt, dass das für jeden nützlich ist, nicht für jene, die Probleme hatten.

Wer mehr wissen möchte, kann hier weitere Informationen finden (auf Englisch) :

Shepherd’s House (Seelsorgezentrum) [N.B. die Arbeit wurde 2014 restrukturiert und heißt nun “Joy starts here“]

Life Model, Living from the heart Jesus gave you (Buch)

Thriving (ihr Wiederherstellungs-Programm für verletzte Menschen, das von Ed Khouri zusammen mit Jim Wilder entwickelt wurde)

Thrive (ihre Schulungskonferenzen, die von Chris und Jen Coursey, zusammen mit anderen vom Shepherd’s House, organisiert werden)

Immanuel Ansatz (der von Dr. Karl Lehman in Zusammenarbeit mit Jim Wilder entwickelt wurde) [N.B. inzwischen gibt es eine neue Webseite, die sich nur mit dem Immanuel Ansatz beschäftigt.]

Die Abendklasse vom Verbundenheits-Modul, das ich in manchen Blog-Einträgen erwähnt habe, gehört zum Thriving Programm. Davon habe ich inzwischen vier der fünf Module mitgemacht, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge. Ich habe viel davon profitiert, und darum versuche ich manches davon auf dieser Webseite weiterzugeben.

Auf den oben genannten Webseiten gibt es tonnenweise Material zum Lesen, aber leider fast nur auf Englisch.

Darum ist es mir ein großes Anliegen, mehr Material, zumindest als Kurzfassung, hier auf meiner Webseite allgemein zugänglich zu machen, damit auch jene davon profitieren können, die nicht genügend Englisch können.

N.B. 2013 – Auf Deutsch gibt es nun die folgenden zwei Büchlein – beide sind auf Amazon.de erhältlich:

Das Life-Model: ein Modell zum Leben aus dem Herzen, das Jesus dir gab

Ich kenne Immanuel (worüber ich hier eine Zusammenfassung geschrieben habe)

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise.

Vor einigen Wochen schrieb ich über Beziehungs-Schaltkreise. Ich erwähnte einige Beispiele einer längeren Checkliste, die uns helfen kann, festzustellen, ob unsere Beziehungs-Schaltkreise ein- oder ausgeschaltet sind. Hier sind weitere Beispiele:

  • Mein Verstand ist blockiert bzw. mit etwas Schlimmem beschäftigt.
  • Ich möchte nur flüchten, oder kämpfen, oder ich erstarre.
  • Ich möchte nicht mit X (jemand, den ich normalerweise mag) verbunden sein.

Wenn du einige dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, bedeutet es, dass deine Beziehungs-Schaltkreise AUS geschaltet sind.

Was tut man also, wenn die Beziehungs-Schaltkreise aus sind?

Das war das Thema der letzten zwei Abendklassen. Ich zitiere von einer Merkkarte von Thriving Recovery die wir erhielten, und die eine kurze Checkliste über Beziehungs-Schaltkreise und Schritten zur Wiederherstellung von Beziehungs-Schaltkreisen beinhaltete:

Mein Ziel ist es, die Gegenwart Gottes wahrzunehmen, ihm von meinen Schmerzen zu erzählen, und seinen Schalom zu empfangen, damit ich meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einschalten kann.

Meine Strategie ist es, mich zu beruhigen und dann mit Gott über meine Gefühle und Gedanken zu sprechen, selbst wenn ich seine Gegenwart noch nicht wahrnehme. Ich lade den Herrn ein, bei mir zu sein und mir zu helfen, seine Gegenwart wahrzunehmen. Ich erkläre anderen, wie mir Schalom geholfen hat.

Die Übungen, die wir lernten, kann man nicht nur in zwei Sätzen erklären, aber vielleicht kann ich sie als eine Kombination von körperlichen Entspannungsübungen und dem sich selbst Vorsagen von biblischen Wahrheiten beschreiben. Im ersten Teil jeder Übung spiegelte die Körperhaltung Anspannung, Furcht, Angst wieder (inkl. schnelles und kurzes Einatmen) während wir z.B. zitierten “Immer wenn ich Angst habe, ….” Der zweite Teil war dann der Übergang in eine entspannte Körperhaltung (inkl. langsames und langes Ausatmen) und der Fortsetzung des Zitats “… vertraue ich auf Dich, oh Herr.” (Psalm 56,3)

Die oben erwähnte Übung wird die “Furcht-Bombe” genannt. Eine andere heißt “Erste Hilfe Gähnen”, weil man in der Erste-Hilfe-Position beginnt und sie mit Gähnen verbunden wird (das kann man wirklich nur vorzeigen). Beide Übungen gehören zu der Gruppe von “Schalom für meinen Körper“; Übungen, die darauf abzielen, meinen Körper zu beruhigen (wie in der Strategie Aussage oben erwähnt).

Die folgenden zwei Schritte für die Wiederherstellung meiner Beziehungs-Schaltkreise sind nach meinem Empfinden sehr ähnlich und heißen “Schalom für meine Seele” und “Mit Gott klagen”. In beiden Fällen spreche ich mit Gott über meine Situation. Ich fand es interessant, dass es mir nicht helfen würde, mit Gott über die andere Person (die mich aufregt) zu sprechen, sondern dahin führen würde, dass meine Beziehungs-Schaltkreise ausgeschaltet bleiben. Ich muss mit Gott über meine eigenen Gefühle und Gedanken sprechen (Schalom für meine Seele) und über traurige Dinge, die sowohl Gott wie auch mich traurig machen mit ihm sprechen (Klagen mit Gott).

Schalom für meine Seele” ist ein persönliches Gebet, das in bestimmten Aspekten dem Muster vieler Psalmen folgt. Das beihaltet zu beschreiben, wie ich mich im Augenblick fühle, die Gedanken, die mir einfallen, wenn ich an das Problem denke, und das was mich davon abhält, die Gegenwart Gottes zu erleben. Gegen Ende drücke ich aus, wie ich Gott im Augenblick wahrnehme, was ich von ihm brauche, aber gleichzeitig erinnere ich mich an besondere Momente mit Gott in der Vergangenheit und meine Lieblingsverheißungen in der Bibel, die mir bereits in der Vergangenheit geholfen haben. Das Gebet wird damit beendet, dass ich Gott bitte, alle Barrieren zu entfernen, die mich davon abhalten, die Gegenwart Gottes zu erleben und seinen Schalom zu empfangen.

Klagen mit Gott” reflektiert über die Frage, welche guten Dinge Gott möchte, dass ich sie haben soll, aber die ich in einer bestimmten Situation nicht bekommen habe. Diese Überlegung wird dann als Gebet formuliert, in dem ich ausdrücke, was genau die negativen Dinge sind, die entgegen Gottes gutem Plan geschahen, indem man sagt: „Ich bin traurig, dass es …… gab anstelle von deiner Sanftheit / Freundlichkeit / Gnade / Vergebung / Gerechtigkeit / Weisheit / Trost. Ich bin so traurig darüber wie du es bist. Ich benötige wirklich deine Sanftheit /…/ etc. um Verbundenheit zu schaffen.“ Ein interessanter Aspekt diesbezüglich war, dass diese Betonung von Traurigkeit hilft, wieder beziehungsfähig zu werden und Schalom zu finden, während ein Fokus auf Furcht und Zorn nicht nützlich wäre.

Der letzte Schritt, den wir vermutlich in der folgenden Klasse durchnehmen werden, heißt “Meinen Schalom wachsen lassen” durch Wertschätzungs-Übungen.

Alle diese Schritte helfen uns, Gottes-Sicht zu haben – mich selbst und andere sehen wie Gott uns sieht – und dadurch meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einzuschalten. Ich werde ein anderes Mal mehr darüber schreiben, was Gottes-Sicht bedeutet. [N.B. 2015 – in neueren Publikationen verwenden sie den Begriff iSicht im Sinne von Immanuel Sicht dafür.]