probleme

Sprache des Herzens

Während der letzten Woche habe ich in Gedanken die Anbetungszeit für den Englisch-sprachigen Abendgottesdienst vorbereitet. Nach einiger Zeit merkte ich, dass alle Lieder, die mir einfielen, ein ähnliches Thema hatten – Gott unsere Zuflucht in schwierigen Zeiten. Als ich mir dann die Liedtexte näher ansah, fiel mir auch auf, dass alle

  • von Psalmen inspiriert waren, und
  • Bilder und Symbole verwendeten, in denen sie Gott als Zuflucht, Burg, Zufluchtsort, hohen Fels, Rüstung, Schild, usw beschrieben. Mein Lieblingsbild ist der “Schatten seiner Flügel”.

Das erinnerte mich an etwas, das ich von Leanne Payne gelernt habe – Symbole sind die Sprache unseres Herzens. Sie spechen uns in einer Tiefe an, mit der keine verkopfte Lehre konkurieren kann.

Kein Wunder also, dass diese Lieder so zu mir sprechen. Preist den Herrn für die Autoren der Psalmen, die diese Worte als Erste aufschrieben und für jene, die daraus Anbetungslieder machten.

Eines meiner Lieblingslieder ist von Hillsongs Australia:

Hide me now
Under Your wings
Cover me
Within Your mighty Hand.

When the oceans rise and thunders roar
I will soar with You above the storm
Father, You are King over the flood
I will be still and know You are God

Find rest my soul
In Christ alone
Know His power
In quietness and trust

Ü:

Verbirg mich jetzt
unter deinen Flügeln,
Bedecke mich
mit deiner mächtigen Hand.

Wenn die Meere sich erheben
und der Donner grollt
werde ich mich mit dir
über den Sturm erheben.
Vater, du bist der König
über den Fluten
Ich bin still und weiß
du bist Gott.

Komm zur Ruhe meine Seele
in Christus alleine
Kenne seine Macht
in Stille und Vertrauen.

Ich bete, dass dich das auch segnet.

Was ist normal?

Ich lese im Moment im 2. Korintherbrief. Da gibt es sehr Vieles was mich anspricht und in meiner Situation relevant ist. Möglicherweise eine der wichtigsten Einsichten kam als ich diese Woche über 2.Kor 6,4 nachdachte:

Mit großer Geduld ertrage ich Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten.

Einleitend schreibt Paulus dazu, dass er sich in jeder Hinsicht als Diener Gottes erweist. Danach erwähnt er mehrere Arten von Problemen, Widerwärtigkeiten die er aushält und sich dadurch als Diener Gottes erweist. Aber ist das denn normal? Es klingt ganz so, als wäre es für Paulus normal, Probleme zu haben. Das steht im starken Gegensatz zu dem was ich mir wünschen würde – ein stressfreies, problemloses Leben, oder zumindest ein Leben das weniger stressig und von Problemen geprägt ist, als z.B. die letzten zwei Jahre. Bereits zwei Kapitel davor gibt es ja so eine Liste von Schwierigkeiten (2. Kor 4, 8 – 12), die Paulus erlebt hat und auch in der Einleitung erwähnt er Probleme, die echt über seine Kräfte gingen (2. Kor 1, 8).

Da frag ich mich nur, wie kann man das denn aushalten?

Im Grunde steht die Antwort in 2.Kor 6,7 – “durch die Kraft, die von Gott kommt”. Auch das erwähnt Paulus als eines der wichtigen Kennzeichen von und eine Empfehlung für einen Diener Gottes – nicht aus der eigenen Kraft leben, sondern aus der von Gott geschenkten (2. Kor 4,16). Und immer wieder kommt die Aussage – Darum verliere ich nicht den Mut (2.Kor 4,1.16). Wow!

Irgendwie kriege ich das trotzdem noch nicht so ganz auf die Reihe – heißt das wirklich, dass wir Probleme als normal akzeptieren sollen? Das schmeckt mir überhaupt nicht. Da bin ich meilenweit davon entfernt.

Langsam wird mir bewusst, dass ich zumindest dort falsch lag und mir selber die Sache erschwert habe, wo ich mich innerlich gegen Schwierigkeiten auflehnte. Das habe ich oft genug gemacht in den letzten zwei Jahren. Wahrscheinlich hat das nur dazu geführt, dass meine Kraft unnötig verbraucht wurde, wo ich Probleme nicht akzeptieren konnte, und mich innerlich dagegen gewehrt habe. Mir dämmert so langsam – manches wäre vermutlich anders gelaufen, wenn ich die Probleme als normalen Teil meines Lebens akzeptiert hätte.

Vor allem an einer Stelle (wird mir mehr und mehr bewusst) habe ich unnötig meine Energie vergeudet, als Gott mir etwas Unangenehmes, Unverständliches zu sagen schien und ich einfach nicht glauben konnte, dass das Gottes Willen sein könnte, und mich dementsprechend massiv dagegen aufgelehnt habe. Rückblickend sehe ich, wie sehr ich mich dadurch verausgabt habe und dass das wahrscheinlich zu meiner allgemeinen Erschöpfung beigetragen hat.

Natürlich freut sich niemand über Probleme, aber es macht einen Unterschied, ob ich sie mit einem müden Lächeln als unangenehme Realität akzeptiere, oder ob ich mich darüber aufrege und dagegen aufbegehre, innerlich rebelliere.

Wie oft habe ich in diesen zwei Jahren darauf gewartet, dass mein Leben wieder “normal” würde. Und mit “normal” meinte ich keine oder zumindest weniger Probleme. Wenn ich hingegen unter “normal” ein Leben mit Problemen verstehe (so wie Paulus), dann begegne ich ihnen mit einer ganz anderen Einstellung und bin viel besser darauf vorbereitet. Auch wenn ich nicht im voraus weiß, welche Probleme auf mich zukommen, treffen sie mich doch nicht total unvorbereitet. Ich könnte sie dann viel eher aushalten und sie würden mich weniger aus dem Gleichgewicht bringen. Und wenn meine Kraft nicht ausreicht, dann kann ich darauf vertrauen, dass Jesus in mir lebt und mir seine Kraft schenkt. Es ist auch hilfreich, wenn ich absolut keinen Sinn in den Problemen sehe, mich daran zu erinnern und darauf zu vertrauen, dass Gott versprochen hat, auch negative Dinge im Leben seiner Kinder zum Segen zu gebrauchen (Röm 8,28). [Übrigens, ich weiß nicht, ob euch schon mal aufgefallen ist – es heißt dort nicht, dass Gott die negativen Dinge wegnimmt oder ins Positive kehrt, sondern er gebraucht sie zum Guten.]

In diesem Sinn, will ich in Zukunft Problemen mit einer neuen Einstellung begegnen und ich bin schon neugierig, was Gott daraus machen wird.

Gott redet durch Schmerz

Nachdem ich den letzten Eintrag geschrieben hatte, fiel mir die Parallele zu einem Zitat ein, dass mir vor 10 Jahren sehr wichtig wurde, und über das ich seither immer wieder nachgedacht habe.

„Eine bedeutsame Frage, die uns einer unserer seelsorgerlichen Berater damals vorlegte, war: Wirst du dich mit deinem Schmerz beschäftigen, den du als Folge deiner Zerbruchserfahrung erlebst, und dich dagegen wehren, ODER wirst du zulassen, dass dieser Schmerz zu einem Umfeld wird, in dem Gott zu dir über Dinge sprechen kann, die er als äußerst wichtig erachtet? Du hast die Wahl.

… Es war keine einmalige Entscheidung. Wir mussten sie im Laufe der Zeit immer wieder treffen. … Sollen wir den Schmerz bekämpfen oder lassen wir zu, dass dieser Schmerz eine Atmosphäre bewirkt, in der Gott zu uns reden kann? Meisten, haben wir uns für die zweite Möglichkeit entschieden.“

(aus “Rebuilding Your Broken World” by Gordon MacDonald, auf Deutsch “Wenn alles zerbricht” http://www.amazon.de/alles-zerbricht-Schritte-pers%C3%B6nlichen-Neuanfang/dp/3925352333/ref=sr_1_33?ie=UTF8&s=books&qid=1199701781&sr=8-33)

Im Blick auf meinen letzten Eintrag – hier scheint ein ähnliches Prinzip zu wirken – nur wenn wir den Schmerz aushalten, kann Gott an den tieferen Schichten unseres Seins arbeiten, an den Dingen, die wir sonst gerne mit verschiedenen Ersatzbefriedigungen übertönen und uns nur ungern den zugrunde liegenden Problemen stellen.

Sicherheit

Wir alle brauchen Sicherheiten, manche mehr, andere weniger.

In einem Gespräch mit einer Kollegin letzte Woche wurde mir bewusst, wie sehr mir die Unsicherheit, Ungewissheit, Unklarheit der Zukunft zu schaffen macht. Ich tue mir unheimlich schwer, nicht zu wissen, wie es ab Juli genau weitergeht. OK, es gibt Überlegungen und Pläne über Juli hinaus, und im Moment spricht nichts dagegen, diese auch umzusetzen. Aber dann gibt es Situationen, wo ich praktische Vorbereitungen treffen möchte, und nicht die innere Freiheit habe. Das verunsichert mich sehr. Warum scheint mich Gott einzubremsen? Was spricht dagegen, manche Dinge umzusetzen? Ist vielleicht irgendetwas ganz anderes dran, von dem ich nichts ahne? Ich tue mir echt schwer damit. Im Gespräch merkte ich dann, dass ich versucht bin, in anderen Bereichen Sicherheiten zu schaffen, indem ich langfristige Entscheidungen treffe, die noch nicht dran sind. Die Kollegin meinte, dass Gott mich vielleicht lehren möchte, in der Gegenwart zu leben und nicht meine Sicherheit in einer durchplanten Zukunft zu suchen. Vielleicht will der Herr selber in dieser Unsicherheit meine Sicherheit sein, mich lehren meine Sicherheit alleine in ihm zu suchen, nicht in klaren Zukunftsplänen und festen Strukturen. Wahrscheinlich hat sie recht. Nur das ist alles andere als einfach. Diese menschlichen Sicherheiten nicht zu haben, tut mir fast körperlich weh.

Heute früh kam mir der Gedanke, dass das eine Art “redemptive suffering” (wörtl. erlösendes Leiden, keine Ahnung ob es ein deutsches Äquivalent gibt) sein könnte. Den Ausdruck habe ich erst unlängst in Zusammenhang mit Abhängigkeiten gehört (weiß nicht mehr wo). Der Grundgedanke ist, dass wenn wir eine Spannung / Schmerz / Gefühl / Problem nicht aushalten können, dann tendieren wir dazu diese(n) mit einer Ersatzbefriedigung zu betäuben = Suchtverhalten. Wir leiden dann in weiterer Folge an den Auswirkungen des Suchtverhaltens, z.B. Gesundheitsprobleme, Übergewicht, Kater, etc. Wenn wir uns dieser Ersatzbefriedigung/Betäubung der Gefühle versagen, dann leiden wir auch. Aber diese zweite Art zu leiden ist “redemptive” (erlösend), weil Gott dann an dem eigentlichen Problem arbeiten kann.

Vermutlich ist das genau die Spannung, die ich im Moment erlebe. Es scheint fast unerträglich die Unsicherheit auszuhalten, aber nur wenn ich bereit bin, sie mit Gottes Hilfe auszuhalten, werde ich das Ergebnis erleben, das Gott sich dabei gedacht hat.

Ihr könnt also mitbeten, dass ich Gott nicht aus der Schule laufe.

Gott ist am Wirken

Ich wollt euch schon die längste Zeit ein Update über die Zeit seit dem Unfall geben, aber hatte irgendwo nicht die Kraft dazu. Gott gebraucht die momentane Situation um an mir zu arbeiten, dafür bin ich dankbar. Vor zwei Wochen war unser jährliche Frauenfreizeit und das Team war ein großer Segen. Ich habe es sehr genossen, obwohl ich teilweise zu müde war und manche Programmpunkte auslassen musste.

Manche der Lernprozesse, die ich mit euch teilen wollte, sind direkt mit den Dingen verbunden, die auf der Freizeit gesagt, gebetet oder gesungen wurden. Wie die Rednerin sagte, war das Wochenende wahrscheinlich ein Wendepunkt für mich. Ich bin auf dem Weg zur Wiederherstellung, aber es scheint ein sehr langer Weg und ich komme nur langsam vorwärts. Kurz nach dem Wochenende hatte ich auch meine erste Online Unterhaltung mit einem Mitglied unseres „member care teams“ (Team zur Mitgliederpflege). Ich kannte sie von einem Workshop vor ein paar Jahren und ihre Einsichten waren mir eine große Hilfe.

Also, was ist Gott dabei, mir beizubringen?

• Die erste wichtige Einsicht hat mit einer Sicherheit in Gottes Liebe zu tun. „Die Mächte der Finsternis fürchten jene am meisten, die zuversichtlich und sicher in Gottes Liebe sind.“ Da merkte ich, dass das etwas ist, was Gott mir im Zusammenhang mit dem Heilungsprozess im letzten Jahr geschenkt hat, in einem Ausmaß, das ich mir vorher nicht hätte träumen lassen. Ja, ich bin verwurzelt in seiner Liebe. Ich weiß, dass er mich bedingungslos liebt, und dass er mich nicht verurteilt, egal wie unvollkommen ich bin. Hätte ich diese Sicherheit während der letzten schwierigen Wochen und Monaten nicht gehabt, dann hätte ich vielleicht bereits das Land verlassen. Das gab mir zusätzliche Kraft, der ich mir nicht einmal bewusst war. Die geistlichen Angriffen haben mich nicht mit voller Kraft treffen können.
• Während die Rednerin für mich betete, hatte sie den Eindruck, dass all die Probleme der letzten Zeit eine Vorbereitung und Läuterung für einen zukünftigen Dienst sein könnte. Das war vielleicht die wichtigste Einsicht. Nicht nur hat das meine Frage der letzten Monate beantwortet – wie soll ich all diese Probleme und den Stress einordnen – sondern es gab mir auch eine neue Perspektive. Die Probleme mögen geistlicher Angriff gewesen sein, aber sie sind auch Teil von Gottes “Trainingsprogramm”. Das geht für mich einen Schritt weiter als zu sagen, dass Gott alle Dinge zum Guten gebraucht. Sie dienen sogar einem Zweck.
• Auf Grund dieser Einsicht wurde mir auch bewusst, dass einer meiner Schwachpunkt ist, mit mehreren Problemen gleichzeitig auszuhalten, vor allem wenn ich mich davon überwältigt fühlte. Gott will mir nun helfen damit besser um zu gehen und zwar in seiner Kraft, nicht in meiner.
• Das Mitglied des “member care teams” fragte mich, was ich mir in diesen Situationen selber sage. Als ich nachdachte merkte ich, dass ich mir unbewusst sage: das ist zu viel, das halte ich nicht aus, das ist nicht fair, – und schlussendlich – ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Diese Unwilligkeit mich Problemen zu stellen verhinderte, dass ich in diesen Situationen aus Gottes Kraft lebte. Jetzt lerne ich langsam mich auf Gottes Kraft zu verlassen und ihm zu vertrauen, dass seine Gnade in meiner Schwachheit ausreicht, um die Probleme zu bewältigen. Es ist erstaunlich was diese unbewussten Selbstgespräche für einen Unterschied machen können.
• Als sie meine Gebetsmails der letzten Monate anschaute, stellte sie fest, dass ich mindestens vier größere Verluste und sehr viele zusätzliche Stressfaktoren erlebt habe (bisher habe ich 26 Stressoren identifiziert und entdecke immer noch mehr). Ihre Frage war darum, ob ich diese Verluste betrauert habe. Nein, hatte ich nicht. Das war nun Teil meiner “Wiederherstellungs-Arbeit” der letzten Wochen. Unter anderem habe ich eine Abschiedsbrief an Fatomata geschrieben, die im Juli gestorben ist.
• Sie gab mir auch einen sehr hilfreichen Artikel von Henri Nouwen zu lesen, wodurch mir manches klar wurde. Der Artikel unterstreicht z.B. die Notwendigkeit loszulassen und Gott wirken zu lassen (Gleichnis von einem Fluss der gegen seinen Willen in der Wüste verdunstet aber gerade dadurch zum Segen wird). Es geht darum, nicht alles kontrollieren zu wollen. Was aber schwierig ist, wenn man sich von den Umständen wie ein Spielball herumgeworfen fühlt. Ich merkte auch, dass sich bei mir eine ganze Menge Frust angesammelt hat, über diese Umstände und die damit verbundenen Menschen. Ich bin noch dabei diese Liste aufzuarbeiten. Interessanter Weise merkte ich, dass ich im Bezug auf den Unfall selber überhaupt keine Verstimmung fühlte. Durch den Artikel wurde mir bewusst, dass ich nach dem Unfall so dankbar war, dass da kein Platz für Groll war. Dankbarkeit ist ein gutes Gegenmittel gegen Bitterkeit.
• Letztes Wochenende hörte ich die „Sacred Romance“ zu Ende (als Hörbuch). Ein Absatz wurde mir besonders wichtig: es ging darum, dass Gott geistlichen Kampf gebraucht, um uns in engere Gemeinschaft mit sich zu ziehen. In gewisser Weise unterstreicht das die oben erwähnten Gedanken. Wir stehen in einem geistlichen Kampf, aber nicht weil Gott die Kontrolle verloren hat oder weil wir zu wenig dem Freund widerstehen. Der Autor sagt dann sinngemäß:
„Geistlicher Kampf fängt an sich anders anzufühlen. Das Ganze dreht sich nicht mehr um Satan. Es geht um unsere Gemeinschaft mit Gott, unser Bleiben in Jesus. Der strittige Punkt ist, sich auf Gottes Güte zu konzentrieren, statt auf den Feind und seine Angriffe. Der einzige Grund sich mit seinen Angriffen zu beschäftigen, ist um seine Lügen zu entlarven.“
• Das Hörbuch erinnerte mich auch an Jakobus 1 – Schwierigkeiten sind ein Grund zu reiner Freude, weil Gott uns dadurch in Vertrautheit mit sich wachsen lässt. Oder wie es das „Life Model“ formuliert – damit wir in Reife wachsen. Das war ein Thema das mir schon vor ein paar Monaten wichtig wurde. Wie schnell habe ich die Lektion vergessen!
• Sein statt Tun: Das war ein Thema das mich im Sommer oft beschäftigt hat. Ich habe mich öfters gefragt, ob all die Problem in den Sommermonaten, die mich daran hinderten meine eigentliche Arbeit zu tun, nur eine Lektion im „Sein“ waren? Der Eindruck wurde nun durch den Artikel von Nouwen verstärkt. Wir müssen vertrauen, dass unser Dienst nicht so sehr das ist was wir tun, sondern dass eine Kraft von uns ausgeht wenn wir in Jesus bleiben.

Nun bin ich dabei diese Einsichten in die Praxis zu setzen. Die letzten Wochen waren außerdem eine echte Geduldsschule. Im Moment lerne ich vor allem Nichtstun, weil ich oft keine Kraft habe das zu tun was ich gerne würde. So geht es darum auf den Herrn zu hören, in allen Problemen in ihm zu ruhen, vor allem in meiner momentanen Kraftlosigkeit. Das bedeutet totale Abhängigkeit von Gott, da ich nie weiß, wann ich genug Energie habe, um etwas praktisch zu tun.

Letzte Woche hatte ich jede Menge Gelegenheit die Einsichten anzuwenden: Am Dienstag kriegte ich das Auto aus der Werkstätte, die es neu lackiert hat. Am Mittwoch dachte ich, ich würde die letzte Reparatur erledigen können. Dabei entdeckte ich drei neue Probleme. Außerdem hatte ich zwei Mal Probleme mit der Polizei (nicht meine Schuld). Das waren viele Stressfaktoren in einem Tag (oder genau genommen in eine halben Tag). Aber ich war dankbar zu sehen, dass ich relativ gut damit umgehen konnte. Anderseits hat mich das so erschöpft, dass ich dann zwei Tage lang nichts tun konnte. Samstag bemühte ich mich eines der neuen Probleme zu lösen, nur um dabei ein weiters zu entdecken als ich von der Polizei angehalten wurde – seit zwei Tagen sind getönte Autoscheiben hier verboten. Während ich das schreibe ist ein Mechaniker dabei, die Sonnenfolien abzunehmen (das bedeutet leider weniger Schutz vor der Sonne für uns und unsere Einkäufe.) Ich finde es noch immer schwierig, mit diesen Widrigkeiten umzugehen und sie als Teil des normalen Alltags zu betrachten. Vermutlich ist das etwas, was ich lernen muss. Ich habe immer darauf gewartet, dass das Leben wieder „normal“ wird, d.h. keine oder weniger Problem. Eine Freundin meinte: „Normal ist nur eine Einstellung am Wäschetrockner.“

Vor kurzem habe ich überlegt, dass ich wahrscheinlich wenigstens zwei Wochen in der Hauptstadt bleiben sollte, nachdem die Autoreparatur abgeschlossen ist. Im Moment ist es zu früh um sagen zu können, ob das ausreicht um wieder ganz auf die Füße zu kommen oder nicht. Oder ob der Herr möchte, dass ich im Vertrauen auf seine Kraft vorwärts gehe. Das ist keine einfache Gratwanderung. Somit könnt ihr einerseits Gott preisen, für die Dinge die er mich lehrt, und anderseits betet bitte um meine vollständige Wiederherstellung und Weisheit, wann es an der Zeit ist wieder auf „normaler Geschwindigkeit“ zu schalten.