Verbundenheit

Freuden-Tanz

Life-Model Häppchen Nr. 2 – Freuden-Tanz

Eine der grundlegenden Fähigkeiten, die im Life Model und bei den Thrive Konferenzen unterrichtet werden, ist Freude mit anderen zu teilen und dadurch das Freuden-Zentrum in unserem Gehirn zu stärken. Es ist die erste von 19 lebenswichtigen Fähigkeiten, die uns helfen, die charakterliche Reife zu erreichen, die unserem körperlichen Alter entspricht.

Es ist eine sehr einfache Übung und wir haben sie mehrmals während der Thrive Konferenz praktiziert. Vermutlich half es uns nicht nur, die Fähigkeit „Freude teilen“ zu erlernen, sondern sie half uns auch, eine bessere Verbindung mit unserem Trainings-Partner zu entwickeln, was wir für die anderen Übungen benötigten. Man findest sie in der  Thrive – Grundlegende Fähigkeiten, 1. Jahr Schulungsanleitung (in Englisch), geschrieben von Jim Wilder, Chris und Jennifer Coursey.

Ich fand eine ähnliche Beschreibung dieser Übung in einem Buch von Susan Kuchinskas Die Chemie der Verbundenheit und sie nennt sie Bindungs-Tanz. Auf Grund dieser zwei Quellen beschloss ich, es Freuden-Tanz zu nennen.

Die folgende Beschreibung verbindet die Anweisungen dieser zwei Quellen.

Wilder und Courseys Beschreibung ist besser geeignet für bewusste Übungen, während die Beschreibung von Kuchinskas im täglichen Leben natürlich integriert werden kann. Kuchinskas gibt eine Beschreibung für Eltern und eine andere für Erwachsene. Das Folgende basiert auf ihrer Anweisung für Erwachsene.

  1. Wähle eine ruhige Zeit und eine Situation, wo es natürlich für euch beide ist, einander gegenüber zu sitzen, wie z.B in einem Kaffeehaus oder im Wohnzimmer. Sitze nahe genug, sodass sich eure Knie berühren könnten.
  2. Fange an, wenn sich euer Blick kreuzt, und ihr einander in die Augen schaut bis einer von euch wegschaut. Gib dir die Erlaubnis, wann immer nötig wegzuschauen (Das ist kein Anstarr-Wettbewerb à la Garfield.) ; -)
  3. Halte den Blick deines Freundes (deiner Freundin) bewusst während einiger Momente aus, solange es angenehm ist. Beobachte deine Körperreaktion: Ist deine Atmung langsam oder fühlst du ein Zusammenziehen in deiner Brust? Lehnst du dich zurück, sitzt du aufrecht oder lehnst du dich vorwärts?
  4. Wann immer es notwendig ist, lass deinen Blick im Raum herumschweifen. Du kannst auf den Mund oder die Hände des Freundes schauen oder etwas anderes in der Umgebung betrachten.
  5. Blicke wieder auf den Freund und nimm wahr, wenn sie (er) deinen Blick erwidert. Wenn es natürlich scheint, sag etwas Positives über eure Beziehung. Wenn es nicht natürlich scheint, sag es dir selber (in deinen Gedanken). Du kannst an so einfache Dinge denken wie “Ich mag sie wirklich”, oder “Sie ist so eine wertvolle Person”. Denk darüber nach, was du an deinem Freund (deiner Freundin) schätzt.
  6. Fahre fort, zu beobachten, wie dein Körper reagiert. Gibt es irgendeine Veränderung? Was auch immer du spürst, ist okay.
  7. Wiederhole den Prozess solange es sich ok anfühlt.
  8. Wenn du das mit einem Freund als bewusste Übung tun möchtest, dann sprecht euch ab, sie für 3 Minuten zu tun, einander ansehen und wieder wegsehen wann immer nötig, und danach besprecht ihr, wie ihr die Übung erlebt habt.

(Wilder & Coursey S 1-2; Kuchinskas S 67-68)

Das Ziel ist, in deiner Komfortzone zu bleiben, wenn du dich dem anderen näherst und dich dann wieder zurückziehst. Wenn die Übung erfolgreich war, dann empfindest du eine stärkere Verbundenheit mit dem anderen. Du fühlst dich näher zu der Person und erlebst Vertrautheit mit ihr sowie geteilte Freude. In einer erfolglosen Übung fühlst du Spannung, Angst und Furcht. Du könntest den Wunsch fühlen, wegzulaufen oder die Person zu vermeiden.

Wilder und Coursey erwähnen auch, dass es nicht gut funktioniert, wenn man müde ist, oder durch etwas anderes genervt oder aufgeregt ist, oder wenn man mit der anderen Person keine positive Verbindung hat. In meiner Erfahrung funktioniert es auch nicht gut, wenn es eine unterschwellige Spannung in der Beziehung gibt. Anderseits, selbst wenn man einander nicht sehr gut kennt, aber beide motiviert sind, diese Fähigkeit zu erlernen, kann es trotz einer fehlenden Bindung gut funktionieren. Zumindest war das meine Erfahrung auf der Konferenz. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, es mit einer Person des anderen Geschlechts zu üben, wenn das nicht dein Partner ist.

Was geschieht hier wirklich?

Der ganze Prozess ist eine wortlose Kommunikation zwischen den rechten Gehirn-Hemisphären zwischen zwei Menschen, indem wir unseren am meisten gewünschten positiven emotionalen Zustand einander mitteilen – dass wir es genießen, mit der anderen Person zusammen zu sein. Es stärkt unser Freudenzentrum, und dadurch wird unsere Freudestärke erhöht, die es uns ermöglicht, besser mit Problemen und Leiden umzugehen. Und es setzt Dopamin frei.

Jüngste Gehirnforschungen haben entdeckt, wie unsere rechten Gehirnhälften miteinander kommunizieren.

Ein Signal wird von der rechten Gehirnhälfte der Person A gesendet (um genau zu sein – vom rechten präfrontalen Kortex) und durch das linke Auge (oder die linke Gesichtshälfte) ausgedrückt, vom linken Auge der Person B wahrgenommen, und zu deren rechten Gehirnhälften kommuniziert. Dann wird die gleiche Art von Signal zurückgesendet, vom der rechten Gehirnhälfte, zum linken Auge von Person B, zum linken Auge der Person A und zu deren rechten Gehirnhälfte. Das Hin und Her dieser Kommunikation geschieht sechsmal pro Sekunde und wird stärker je länger es passiert. Ist das nicht faszinierend? Das ist selbstverständlich vollständig unbewusst und kann nicht gefälscht werden.

Du hast vermutlich schon Menschen gesehen, deren Augen funkeln, wenn sie einander betrachten. Das passiert vor allem wenn Menschen verliebt sind, aber nicht nur dann. Es geschieht auch zwischen Eltern und Kind. Es geschieht zwischen guten Freunden. Es geschieht jedesmal, wenn wir froh sind, mit jemand zusammen zu sein. Es ist unsere rechte Gehirnhälfte die unserem Gegenüber ohne Worte sagt, dass wir uns freuen mit ihr (ihm) zusammen zu sein. Ohne diese freudige Erfahrung des Zusammenseins mit anderen Menschen, die froh sind, mit uns zusammen zu sein, können wir keine Ganzheitlichkeit erfahren. Obwohl wir uns über schöne Dinge freuen können, wie einen Sonnenuntergang oder ein Gemälde. Freude ist beziehungsorientiert und daher am stärksten (und verstärkt), wenn sie in Beziehungen erlebt wird. Nach Ansicht einiger Neurologen ist es das grundlegendste menschliche Bedürfnis, das „Funkeln im Auge eines anderen zu sein.“ Oder mit anderen Worten – den Freudentanz zu tanzen. :-)

Auf diesem Hintergrund wurde ich noch mehr berührt von der Aussage in Zefanja 3,17 –

Der Herr, dein Gott, ist in deinen Mauern, er ist mächtig und hilft dir.
Er hat Freude an dir,
er droht dir nicht mehr, denn er liebt dich;
er jubelt laut, wenn er dich sieht.“

Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass Gott sich an mir freut, über mich jubelt, selbst wenn ich Mist gebaut habe. Seine Liebe und Freude über uns hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab. Es hat lange gebraucht zu begreifen und es glauben zu können, dass Gott einen Freudentanz wegen mir aufführt. Heute weiß ich, dass es stimmt und es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Verbundenheit und Zufriedenheit

Verbundenheit und Zufriedenheit

Gestern Abend nahm ich am revidierten Verbundenheits- Modul vom Life-Model Programm teil. Es wurde von  Dr. Jim Wilder unterrichtet und ich fand es sehr hilfreich.

Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen:

1. Es ist wichtig, Verbundenheit zu schaffen, nicht danach zu suchen, oder es von anderen zu erwarten.

Verbundenheit zu schaffen ist etwas, das Babys sehr gut können (möglicherweise wegen ihrer bedingungslosen Annahme?) Am anderen Ende des Spektrums sind die Ältesten (damit meinen wir Personen mit einem besonders hohen Niveau von Reife, das gehört zur Terminologie vom Life-Model) die das auch sehr gut können, weil sie alle in die Verbundenheit mit einschließen wollen. Das hängt weder von ihrem Alter ab, noch davon ob sie Christen sind oder nicht, sondern von ihrem Reifegrad. Wir fühlen uns automatisch zu diesen Menschen hingezogen und genießen es, mit ihnen zusammen zu sein. Die Herausforderung ist jetzt, nicht Menschen zu suchen, die dies für uns tun können, sondern zu Menschen zu werden, die dies für andere tun können.

  • Wie erzeugen wir Verbundenheit?

Das überlappt sich Großteils mit den Richtlinien für die Gruppen-Interaktion in dieser Klasse:

○ Zufriedenheit und Anerkennung zeigen
○ Nicht drein reden oder an einander vorbei reden
○ Keine Ratschläge geben
○ Anteilnehmend zuhören
○ Vertraulichkeit wahren
○ Raum geben für unvollkommene Versuche, etwas Neues zu tun (das sind meine eigenen Worte, denn ich erinnere mich nicht, wie Jim es genau formulierte).

  • Verbundenheit zu schaffen ist Arbeit.

Ich muss daran arbeiten, andere Menschen in meiner Nähe zu haben und einander Anerkennung zu zeigen. Ich möchte auf jeden Fall lernen, das besser zu machen.

2. Zeigen von Anerkennung und Zufriedenheit: Wenn wir die Taschenlampe (Fokus) auf positive Dinge richten, schaffen wir Verbundenheit. Wenn wir uns auf negative Dinge konzentrieren, schaffen wir keine Verbundenheit.

Oder wie Phil 4,8 das ausdrückt:

Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient. (GNB)

  • Geschichten erzählen erzeugt Schalom (Hebr. lit. Frieden und Ruhe), ein Zustand, in dem sich alles richtig anfühlt und nichts geändert werden muss; alles ist im richtigen Verhältnis, am richtigen Platz, in der richtigen Stärke, in der richtigen Menge, sowohl für Gott als auch für Menschen und Tiere.

  • Geschichten erzählen schafft Zufriedenheit. So übten wir, Zufriedenheits-Geschichten zu erzählen. Gestern übten wir und erzählten einander eine Geschichte, wo wir einen Ältesten schätzen gelernt hatten. Bis zum folgenden Abend war es unsere Hausaufgabe, weitere Zufriedenheits-/Anerkennungs-Geschichten zu sammeln und zu üben, diese zu erzählen.

Beide, a) die Wichtigkeit, Verbundenheit zu schaffen und b) die Tatsache, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit verursacht, waren Aha-Erlebnisse für mich.

a) Ich stellte fest, dass ich häufig erwarte, dass andere auf mich zugehen, besonders wenn ich in einer fremden Umgebung bin oder in einer neuen Gruppe. Ich kann Verbundenheit schaffen und tue das auch normalerweise, wenn ich mich für andere verantwortlich fühle (z.B. bei einer Veranstaltung, einer Sitzung, oder wenn eine neue Person in die Gruppe kommt). In vielen anderen Situationen tue ich es normalerweise nicht, und müsste mich bewusst bemühen, es zu tun. Es kommt nicht von selbst. Ich habe noch viel in diesem Bereich zu lernen. Ich denke, dass die Einsicht von gestern mir hilft, mir dessen bewußter zu sein und nicht auf andere zu warten, damit sie es für mich tun.

Vor kurzem habe ich das in der Praxis erlebt. Ich ging zu einem Wochende für Frauen meiner neuen Gemeinde, wo ich noch fast niemanden kannte. Als ich im Freizeitheim in den Bergen ankam, hing ich herum im Aufenthaltsraum, und war mir nicht sicher was ich tun sollte, nachdem alle anderen jemanden zu kennen schienen. Ich wollte ihre Gespräche nicht unterbrechen. Nach einer kurzen Zeit kam eine Frau auch mich zu und lud mich ein, mich ihrer Gruppe anzuschließen, worüber ich sehr froh war. Die meiste Zeit während des Wochenendes war ich mit dieser gleichen kleinen Gruppe von drei-vier Frauen zusammen; wir saßen häufig am gleichen Tisch oder reservierten Plätze im Auditorium für einander. Erst viel später wurde mir bewusst, dass diese kleine Gruppe vor dem Wochenende noch nicht existiert hatte, sondern das Ergebnis der Bemühungen einer einzelnen Person war, die auf andere zuging, und so Verbundenheit mit Menschen schuf, die sie vorher nicht kannte. Sie kannte kaum jemanden anderes, aber sie ging auf andere zu, und gab ihnen das Gefühl willkommen und integriert zu sein; sie schuf Verbundenheit. Bereits zu dieser Zeit dachte ich mir, dass ihre Situation gar nicht so anders als meine eigene war, und ich hätte das Gleiche tun können. Ihr Verhalten gab mir nicht nur das Gefühl willkommen zu sein, sondern half mir auch, mich unter so vielen unbekannten Menschen zu entspannen, und es löste auch in mir den Wunsch aus, von ihr zu lernen und für andere das Gleiche zu tun.

b) Da wo ich aufwuchs, war die allgemeine Einstellung, dass, wenn etwas ok ist, man es nicht extra zu erwähnen braucht. Daheim wurde oft nur das erwähnt, was nicht ok ist, damit es korrigiert werden kann. Daher empfinde ich auch diesen bejahenden Unterrichtsstil, den ich häufig bei Amerikanern beobachte, als sehr ungewohnt.

In einem Workshop über Zwischenmenschliche Fähigkeiten sagte ich zu meinen amerikanischen Kollegen: “Wenn ihr in eurem Feedback nur das erwähnt, was ich richtig gemacht habe, und denke, dass ich verstehe, dass die Dinge, die ihr nicht erwähnt habt, jene sind die ich verbessern sollte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich es nicht kapieren werde. Man muss mir direkt sagen, was nicht okay ist, und was geändert werden muss.” Jetzt, nachdem ich mehrmals in den USA war, habe ich mich sehr an diese ermutigende Art des Feedbacks gewöhnt und mag es durchaus. Manchmal sogar so sehr, dass ich unangenehm berührt reagiere, wenn eine Korrektur in der direkten (und häufig rauhen) Weise des Herausstreichens von negativen Dingen passiert, mit der ich aufwuchs. Trotzdem frage ich mich manchmal, wie viel davon einfach kulturell ist und daher nur auf Amerikaner zutrifft.

Als Jim Wilder gestern Abend sagte, dass das Konzentrieren auf negative Dinge keine Verbundenheit schafft, hatte ich einen Aha-Moment. Tief in mir wusste ich, dass das stimmt, gleichgültig in welcher Kultur, selbst wenn es auf unterschiedliche Weise ausgedrückt wird. Jeder Mensch benötigt Annahme und Verbundenheit, und das Unterstreichen der Fehler des anderen erreicht normalerweise genau das Gegenteil – es baut Mauern auf.

Ich erhielt direkt danach eine praktische Lektion: nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, kritisierte meine Nachbarin, dass ich einen Punkt für eine gute Zufriedenheits-Geschichte ausgelassen hatte. Ich fühlte mich herabgesetzt und wurde defensiv. Als ich später darüber nachdachte, merkte ich, dass sie die gleiche Sache durch eine ermutigende Frage hätte unterstreichen können, aber durch die Weise, wie sie es gesagt hatte, baute sie eine Wand zwischen uns auf. Wow! Somit ist das definitiv etwas, das ich lernen möchte, zu vermeiden.

Gleichzeitig merke ich, dass es nicht leicht ist, das Gleichgewicht zu bewahren. Als Berater oder Lehrer zum Beispiel, kann ich jemand ermutigen und Anerkennung zeigen, z.B. für den guten Anfang in einem Schreib-Projekt. Aber das wird der Person nicht helfen, herauszufinden, welche Teile noch Verbesserung benötigen. Nachdem ich in einem Kontext aufgewachsen bin, in dem dieses Gleichgewicht selten war, habe ich kaum Vorbilder dafür.

Könnt ihr Beispiele aus eurer eigenen Erfahrung teilen, wo jemand Anerkennung zeigte, und es ihm trotzdem gelang, die Punkte aufzuzeigen, die Verbesserung benötigen? Wie macht ihr selber das?

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise

Wiederherstellung der Beziehungs-Schaltkreise.

Vor einigen Wochen schrieb ich über Beziehungs-Schaltkreise. Ich erwähnte einige Beispiele einer längeren Checkliste, die uns helfen kann, festzustellen, ob unsere Beziehungs-Schaltkreise ein- oder ausgeschaltet sind. Hier sind weitere Beispiele:

  • Mein Verstand ist blockiert bzw. mit etwas Schlimmem beschäftigt.
  • Ich möchte nur flüchten, oder kämpfen, oder ich erstarre.
  • Ich möchte nicht mit X (jemand, den ich normalerweise mag) verbunden sein.

Wenn du einige dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, bedeutet es, dass deine Beziehungs-Schaltkreise AUS geschaltet sind.

Was tut man also, wenn die Beziehungs-Schaltkreise aus sind?

Das war das Thema der letzten zwei Abendklassen. Ich zitiere von einer Merkkarte von Thriving Recovery die wir erhielten, und die eine kurze Checkliste über Beziehungs-Schaltkreise und Schritten zur Wiederherstellung von Beziehungs-Schaltkreisen beinhaltete:

Mein Ziel ist es, die Gegenwart Gottes wahrzunehmen, ihm von meinen Schmerzen zu erzählen, und seinen Schalom zu empfangen, damit ich meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einschalten kann.

Meine Strategie ist es, mich zu beruhigen und dann mit Gott über meine Gefühle und Gedanken zu sprechen, selbst wenn ich seine Gegenwart noch nicht wahrnehme. Ich lade den Herrn ein, bei mir zu sein und mir zu helfen, seine Gegenwart wahrzunehmen. Ich erkläre anderen, wie mir Schalom geholfen hat.

Die Übungen, die wir lernten, kann man nicht nur in zwei Sätzen erklären, aber vielleicht kann ich sie als eine Kombination von körperlichen Entspannungsübungen und dem sich selbst Vorsagen von biblischen Wahrheiten beschreiben. Im ersten Teil jeder Übung spiegelte die Körperhaltung Anspannung, Furcht, Angst wieder (inkl. schnelles und kurzes Einatmen) während wir z.B. zitierten “Immer wenn ich Angst habe, ….” Der zweite Teil war dann der Übergang in eine entspannte Körperhaltung (inkl. langsames und langes Ausatmen) und der Fortsetzung des Zitats “… vertraue ich auf Dich, oh Herr.” (Psalm 56,3)

Die oben erwähnte Übung wird die “Furcht-Bombe” genannt. Eine andere heißt “Erste Hilfe Gähnen”, weil man in der Erste-Hilfe-Position beginnt und sie mit Gähnen verbunden wird (das kann man wirklich nur vorzeigen). Beide Übungen gehören zu der Gruppe von “Schalom für meinen Körper“; Übungen, die darauf abzielen, meinen Körper zu beruhigen (wie in der Strategie Aussage oben erwähnt).

Die folgenden zwei Schritte für die Wiederherstellung meiner Beziehungs-Schaltkreise sind nach meinem Empfinden sehr ähnlich und heißen “Schalom für meine Seele” und “Mit Gott klagen”. In beiden Fällen spreche ich mit Gott über meine Situation. Ich fand es interessant, dass es mir nicht helfen würde, mit Gott über die andere Person (die mich aufregt) zu sprechen, sondern dahin führen würde, dass meine Beziehungs-Schaltkreise ausgeschaltet bleiben. Ich muss mit Gott über meine eigenen Gefühle und Gedanken sprechen (Schalom für meine Seele) und über traurige Dinge, die sowohl Gott wie auch mich traurig machen mit ihm sprechen (Klagen mit Gott).

Schalom für meine Seele” ist ein persönliches Gebet, das in bestimmten Aspekten dem Muster vieler Psalmen folgt. Das beihaltet zu beschreiben, wie ich mich im Augenblick fühle, die Gedanken, die mir einfallen, wenn ich an das Problem denke, und das was mich davon abhält, die Gegenwart Gottes zu erleben. Gegen Ende drücke ich aus, wie ich Gott im Augenblick wahrnehme, was ich von ihm brauche, aber gleichzeitig erinnere ich mich an besondere Momente mit Gott in der Vergangenheit und meine Lieblingsverheißungen in der Bibel, die mir bereits in der Vergangenheit geholfen haben. Das Gebet wird damit beendet, dass ich Gott bitte, alle Barrieren zu entfernen, die mich davon abhalten, die Gegenwart Gottes zu erleben und seinen Schalom zu empfangen.

Klagen mit Gott” reflektiert über die Frage, welche guten Dinge Gott möchte, dass ich sie haben soll, aber die ich in einer bestimmten Situation nicht bekommen habe. Diese Überlegung wird dann als Gebet formuliert, in dem ich ausdrücke, was genau die negativen Dinge sind, die entgegen Gottes gutem Plan geschahen, indem man sagt: „Ich bin traurig, dass es …… gab anstelle von deiner Sanftheit / Freundlichkeit / Gnade / Vergebung / Gerechtigkeit / Weisheit / Trost. Ich bin so traurig darüber wie du es bist. Ich benötige wirklich deine Sanftheit /…/ etc. um Verbundenheit zu schaffen.“ Ein interessanter Aspekt diesbezüglich war, dass diese Betonung von Traurigkeit hilft, wieder beziehungsfähig zu werden und Schalom zu finden, während ein Fokus auf Furcht und Zorn nicht nützlich wäre.

Der letzte Schritt, den wir vermutlich in der folgenden Klasse durchnehmen werden, heißt “Meinen Schalom wachsen lassen” durch Wertschätzungs-Übungen.

Alle diese Schritte helfen uns, Gottes-Sicht zu haben – mich selbst und andere sehen wie Gott uns sieht – und dadurch meine Beziehungs-Schaltkreise wieder einzuschalten. Ich werde ein anderes Mal mehr darüber schreiben, was Gottes-Sicht bedeutet. [N.B. 2015 – in neueren Publikationen verwenden sie den Begriff iSicht im Sinne von Immanuel Sicht dafür.]

Beziehungs-Schaltkreise

Beziehungs-Schaltkreise.

Die revidierte Verbundenheits- Klasse vom Life Model  wurde diese Woche von Dr. Jim Wilder unterrichtet und war wieder sehr aufschlussreich.

Das Thema war Beziehungs-Schaltkreise.

Das sind Dinge in unserem Gehirn, die ein- oder ausgeschaltet sein können (oder mehr oder weniger ein und aus). Wenn sie eingeschaltet sind, dann gibt es kein Problem, das grösser ist als unsere Beziehungen. Wenn sie ausgeschaltet sind, funktioniert unser Gehirn nicht gut; dann klappen unsere Beziehungen nicht und wir schaffen keine Verbundenheit und Schalom um uns herum. Wir verlieren unseren Frieden und Probleme scheinen grösser, als sie wirklich sind.

Das war ein echter Aha-Moment für mich, als Jim Wilder die Wechselbeziehung zwischen Problemen und Beziehungen erwähnte. Z.B. wenn ein Vater seine Tochter anschreit, dann ist das Problem für ihn größer und wichtiger als die Beziehung zu seiner Tochter. In diesem Moment interessiert es ihn nicht mehr, ob er ihr wehtut sondern ist vollständig auf das Problem konzentriert und auf sein Bedürfnis, seine Gefühle auszudrücken.

Wenn wir unsere Beziehungsfunktionen ausschalten, behandeln wir Menschen wie leblose Gegenstände.

Das Bedürfnis, unsere Gefühle und Emotionen auszudrücken, wird zur tödlichen Waffe. Wir verlieren Objektivität und Perspektive. Unsere Kommunikation verletzt andere, anstatt Schalom zu schaffen. Wir werden für andere so gefährlich wie ein betrunkener Autofahrer, weil unsere Beziehungsfähigkeiten nicht funktionieren.

Sofort erinnerte ich mich an Situationen, in denen Probleme grösser waren, als die Beziehung und als Folge davon Dinge nicht gut liefen. Gerade vor kurzem musste ich mit jemanden über ein Problem sprechen. So sehr ich es auch versuchte, es gelang mir nicht, mich in die Situation der anderen Person hinein zu versetzen, um weniger verurteilend zu sein. Ich wusste, dass es nicht okay war, aber ich war nicht imstande, es zu ändern. Im Grunde erhielt ich nun die Erklärung, was in dieser Situation gelaufen war. (Beim nächsten Mal geht es dann darum was wir in solch einer Situation tun können.)

Wir erhielten eine lange Checkliste von Indikatoren dafür, wann unsere Beziehungs-Schaltkreise ausgeschaltet sind.

Hier sind einige Beispiele, die ich sehr vielsagend fand:

  • Ich möchte, dass ein Problem, eine Person oder ein Gefühl verschwindet.
  • Die Art, wie ich andere befrage, beurteile oder korrigiere ist sehr aggressiv.
  • Ich möchte nicht hören, was andere zu sagen haben.
  • Wenn andere sprechen, weiß ich bereits, was sie sagen werden.

Überall fühlen sich Menschen zu denen hingezogen, für die Beziehungen wichtiger sind als Probleme, die Beziehungen mehr wertschätzen als Probleme. Ich habe in verschiedenen afrikanischen Kulturen beobachtet, dass Beziehungen so extrem wertvoll sind – weil sie ihr „soziales Sicherheits-Netz“ sind – und dass sie nichts zulassen, Dinge oder Probleme, das diesen Beziehungen schadet. Mein Erklärungsversuch war, dass wir im Westen Sozialversicherung, Krankenversicherung, Pensionsversicherung, etc. haben, und folglich weniger abhängig von unseren Beziehungen sind. Daher ist es für uns weniger wichtig, ob unser Verhalten unseren Beziehungen schaden könnte.

Aber möglicherweise geht es dabei um mehr. Unsere Fähigkeit, Verbundenheit zu schaffen und ob unsere Beziehungs-Schaltkreise die meiste Zeit eingeschaltet sind oder nicht, hängt sehr von unserem Reifegrad ab. Möglicherweise haben Menschen in anderen Teilen der Welt einen höheren Grad der Reife.

Nicht vergessen:

Unsere Beziehungen funktionieren besser, wenn unser Gehirn (Beziehungs-Schaltkreise) läuft, und wenn nicht nur unsere Gefühle und unser Mund „laufen“.
(Jim Wilder)

Positive Absichten annehmen

Positive Absichten annehmen

Das Zitat für diese Woche kommt mit einem Tag Verspätung. Aber ich bin froh darüber, denn die folgende Geschichte lief mir erst heute morgen über den Weg.

Es ist die Geschichte einer “gedankenlos in 30 Sekunden produzierten Karte” für den Muttertag, die sehr enttäuschend war … zumindest bis der eigentliche Grund zum Vorschein kam. Ich zitiere nur aus der Schlussfolgerung:

Aidans Karte erinnerte mich an etwas, das ich von einem Seelsorger über Beziehungen gelernt hatte. In gesunden Familienbeziehungen geht man immer von einer positiven Absicht aus. Positive Absichten annehmen ist ein Grundsatz in Beziehungen, der bedeutet, dass wir nicht automatisch negative Schlussfolgerungen über die Menschen in unserer Umgebung ziehen. Wir schenken den anderen Vertrauensvorschuss, selbst wenn die Indizien in die anderen Richtung zu weisen scheinen.

Das erinnerte mich an etwas das ich nannte “Raum geben für unvollkommene Versuche, etwas Neues zu tun” in meinem Eintrag Verbundenheit und Zufriedenheit. Beides sind Ausdrücke von GNADE.

Ich wünsch dir eine schöne Woche und viele Gelegenheiten Gnade zu schenken und zu empfangen!