Wie viel Zeit braucht es ein Bild zu malen und zu verkaufen?

Wie viel Zeit braucht es ein Bild zu malen und zu verkaufen?

Unlängst habe ich ein weiteres Bild für die neue Serie “Österreichische Seelandschaften” gemalt.

Während der letzten drei Wochen war ich in der Nähe von einem der schönsten Seen Österreichs – dem Weißensee in Kärnten. Und so hatte ich von Anfang an vor, einige Bilder davon zu malen. Allerdings brauchte es eine Woche um eine Lücke im Programm zu finden, so dass ich hin fahren und einige Fotos machen konnte.

Weissensee * White Lake (Abstract)
Weissensee Abstrakt * White Lake Abstract

Als ich dann eines der Bilder gemalt hatte, wurde mir bewusst, dass ich nur zwei Stunden dafür gebraucht hatte. Ich hatte zwar an den folgenden Tage noch einiges zu verbessern, aber trotzdem. Auf der anderen Seite war es nicht so verwunderlich, da es sich um ein relativ kleines Format handelt. Nachdem der Tisch im Hotel nicht besonders groß ist, war ich sehr froh, dass ich nur die 40 x 30 cm großen Blöcke mitgenommen hatte.

Etwas später am gleichen Tag begann ich dann zu überlegen, wie viel Zeit in die verschiedenen Vorbereitungen und Nacharbeiten eines Bildes fließt.

Hier sind die Dinge die mir sofort einfielen.

  • Material kaufen – obwohl ich das meiste Online bestelle, kann es relativ viel Zeit brauche. Zum Beispiel, wenn es darum geht Preise oder Sonderangebote zu vergleichen. Oder die richtige Farbe zu finden, denn leider hat jede Marke verschiedene Namen für den gleichen Farbton. Oder sogar bei der gleichen Marke; so hat Schmincke bei Akademiecryl und Primacryl unterschiedliche Namen. Manchmal führt kein Weg darum herum und ich muss in ein Geschäft fahren. So war es unlängst als ich online nicht die richtige Malspachtel gefunden habe. Schließlich beschloss ich auf dem Weg nach Kärnten in ein Geschäft in Salzburg zu fahren.
  • Vorlage suchen – meistens heißt das entweder selber Fotos machen, so wie im Fall vom Weißensee, oder das passende Bild online zu finden. Google Bilder ist zwar toll, aber es sagt mir leider nicht sofort, ob ein Bild urheberrechtlich geschützt ist oder nicht. Flickr hat die erweiterte Such-Möglichkeit nach Bilder mit einer “Creative Commons” Lizenz zu suchen. Leider existiert die Option noch nicht in der iPad Version. :-( Eine andere gute Quelle ist die Website “Paint My Photo“. Wenn man dort Mitglied ist, dann kann man alle dort vorhandenen Fotos malen. In manchen Fällen mache ich mir die Mühe einen Fotografen um Erlaubnis zu bitten. Zum Beispiel finde ich die Fotos von einem italienischen Fotografen auf Flickr, Andrea Pucci, sehr inspirierend. Und so habe ich ihn unlängst gefragt und die Erlaubnis erhalten, seine Fotos als Vorlage zum Malen zu verwenden.
  • Bild aussuchen – Entscheiden welches Bild ich heute nehme kann auch einige Zeit brauchen. Manchmal habe ich am Vortag bereits ein Bild herausgesucht und am nächsten Tag finde ich es überhaupt nicht inspirierend. ;-)
  • Material herrichten – das braucht fast relativ wenig Zeit, wenn man einen permanenten Arbeitsplatz hat. Nur das Wechseln von einem Medium zum anderen kann mehr Zeit brauchen.
  • Bild malen – das kann wie in dem erwähnten Beispiel zwei Stunden dauern, aber das ist das absolute Minimum. Meist sind es mindestens drei, aber es kann auch drei Tage oder drei Wochen dauern, natürlich mit Unterbrechungen. Dazu kommt, dass man oft am nächsten und übernächsten Tag noch Dinge entdeckt, die korrigiert gehören. Natürlich brauchen größere Bilder und komplexe Themen länger.
  • Bild fotografieren – wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, dann mache ich Fotos von den Gemälden. Manchmal bedeutet das auf die richtigen Lichtverhältnisse warten, oder besondere Arrangements zwecks guter Belichtung zu machen.
  • Fotos aufbereiten – danach übertrage ich die Fotos auf den Laptop und bearbeite sie mit Lightroom. (Dieser Prozess braucht einen eigenen Blogeintrag.) Ich mache meist mehrer Fotos von demselben Bild. Dann korrigiere ich die Objektiv-Verzerrung und beschneide jedes Foto. Danach entscheide ich erst, welches ich behalte und lösche den Rest. Dann kommt das Benennen der Fotos, Beschriften, Markieren und andere Metadaten, bevor ich sie für verschiedene Online Bedürfnisse exportiere.
  • Online Präsenz – das ist ein weiteres großes Thema, das einen eigenen Blogeintrag braucht. Es gibt unzählige Möglichkeiten mit verschiedenen Vorteilen und Nachteilen. Meistens poste ich sie nur auf meiner Homepage, meiner Facebook-Künstlerseite, Twitter und später auf meiner Fine Art America Seite. ABER – Online einstellen genügt leider nicht um die Bilder zu verkaufen. Glaube nicht an den Mythos vom passiven Einkommen während du schläfst!
  • Werbung und Vermarkten braucht mehr Zeit als alles andere. Leslie Saeta erwähnte in einem Interview, dass diese Aufgaben ca. 50% ihrer Zeit in Anspruch nehmen.
  • Dazu gehört auch die Planung und Durchführung von Ausstellungen. Auch das werde ich in einem eigenen Blogpost behandeln.
  • Wenn das Bild ausgestellt werden soll, dann muss ich entscheiden, welcher Rahmen und welches Passepartout dafür passt. Es gibt mehrere Plätze wo ich öfters meine Rahmen kaufe, aber für alle muss ich ca. 20 bis 40 km fahren. Für die Passepartouts muss ich zwei Mal in die nächste Stadt fahren, die 15 km entfernt ist – einmal zum Auswählen und Bestellen, und ein zweites Mal einige Tage später zum Abholen.
  • Das Aufhängen der Bilder für eine Ausstellung braucht mehrere Stunden. Ebenso das Abhängen, wenn auch etwas weniger. Dazu kommt das Entwerfen der Einladung, der Preisliste, des Lebenslaufs, und der Beschriftungen für jedes Bildes. Obwohl ich schon eine ganze Reihe Ausstellungen gemacht habe, unterschätze ich es immer wieder wie viel Zeit alles braucht.
  • Wenn ein Bild Online verkauft wird, dann verschicke ich es meistens ohne Passepartout und Rahmen, um die Versandkosten niedrig zu halten. Trotzdem braucht es oft viele E-Mails und Zeit bis der Kunde sich entscheidet, welches Bild er/sie nimmt. Natürlich braucht auch eine sorgfältige Verpackung und Versand einiges an Zeit.
  • Last but not least – jeder Verkauf bringt das Schreiben von Rechnungen und/oder Belegen mit sich, und der daraus resultierende Buchhaltungs-Aufgaben.

Wie man sieht, gibt es rund um den eigentlichen Malprozess sehr viele andere Aufgaben, die nötig sind, bis ich das Geld in der Tasche habe.

Zusammenfassung der obigen Details.

Basierend auf den obigen Details habe ich versucht, die Mindestzeiten für ein Bild grob zu schätzen:

  • Vorbereitungen für das Malen – mind. 1,5 Std.
  • Malen – zwischen 3 Std. (2 Std. sind eher selten), 3 Tagen oder 3 Monaten (mit Unterbrechungen).
  • Nachbereitung der Fotos – mind. 1,5 hrs
  • Alle Aufgaben rund um eine Ausstellung – 2 Std. (aufgeteilt auf mehrere Bilder)
  • Alle Aufgaben rund um einen Online Verkauf – 3 Std.

Alles diese Schätzungen berücksichten nicht, dass nicht alle Bilder verkauft werden. D. h. man müsste die Zeiten mit einem entsprechenden Faktor multiplizieren. Sie beinhalten auch nicht die allgemeinen Aufgaben, die mit Werbung und Vermarktung zu tun haben, sowohl online wie offline – dafür könnte man die Zeiten vermutlich verdoppeln. Daneben gibt es eine ganze Reihe anderer Aufgaben, die nicht direkt an das Malen oder Verkaufen von einem bestimmten Bild gekoppelt sind, wie z.B. Networken und technische Fähigkeiten verbessern.

Alles in allem, eine gute Erinnerung

Auch in einem Bild, das in nur zwei Stunden gemalt wurde, steckt viel mehr drin!

> Für mich selbst – eine Erinnerung, wenn ich in Gefahr bin die Preise zu niedrig festzulegen.
> Für andere Kunstfreunde – vielleicht hilft es euch, eure Preise realistischer zu gestalten.
> Für alle die Kunst kaufen – möge es euch helfen, die vom Künstler investierte Zeit zu schätzen.

Unterschätze nicht die Zeit und Kraft die in einem Gemälde steckt!

Was ist deine Erfahrung? Hast du schon einmal versucht die Zeit zu schätzen?

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