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Bist du HSP?

Bist du HSP?

Vor einem halben Jahr entdeckte ich, dass ich HSP (Highly Sensitive Person) bin – das heißt ich bin hoch-sensibel. Das war eine ziemliche Überraschung für mich, da mich bisher nie jemand als zu sensibel bezeichnet hat, eher das Gegenteil. 😉 Ausgelöst wurde das ganze durch meine Überlegung, wie es möglich ist, dass ich einerseits sehr sensible auf Lärm reagiere, aber anderseits in einer großen Menschengruppe das Gefühl habe, halb taub zu sein. Auf Empfehlung einer Freundin habe ich mir ihr Buch über HSP ausgeliehen und den Selbsttest von Elaine Aron gemacht – das Ergebnis war eindeutig: ich bin HSP. Als ich dann auf einem Flug die ersten zwei Kapitel des Buches las, hatte ich am Ende eine Liste von mehr als 20 Dingen, die nichts miteinander zu tun haben, die ich über mich selbst wusste und die typisch für HSP sind. Mir sind ganze Kronleuchter aufgegangen. Seither habe ich andere Bücher gelesen und einiges Neues über mich selbst herausgefunden. Während der letzten Monate entdeckte ich auch, dass alle meine besten Freunde HSP sind. Interessant!

Hier einige Beispiele die im Selbsttest von Elaine Aron vorkommen:

  • man nimmt Feinheiten seiner Umgebung wahr
  • man wird von den Gefühlen anderer beeinflusst
  • man hat an geschäftigen Tagen ein starkes Bedürfnis sich zurückzuziehen
  • man empfindet helles Licht, starke Gerüche, raue Materialien oder Sirenen als überwältigend
  • man hat ein reiches, komplexes inneres Leben
  • man empfindet laute Geräusche als unangenehm
  • man wird von Kunst und Musik tief bewegt
  • man bemüht sich sehr, keine Fehler zu machen und nichts zu vergessen

Um den ganzen Test (in Englisch) zu machen geh auf diese Webpage. Bzw. gibt es einen ähnlichen Test auf Deutsch hier.

Einige Auszüge von HSP Definitionen und Beschreibungen, die man im Internet finden kann:

„HSP sind normale biologische Unterschiede in der Persönlichkeit und Physiologie, die von ca. 15- 20% der Bevölkerung geerbt wurden, und unter allen höheren Tieren zu finden sind. Diejenigen mit diesem Charakterzug nehmen Feinheiten in ihrer Umgebung war.
„Es scheint logisch, dass jene die mehr Feinheiten wahrnehmen daher leicht überwältigt werden von der Fülle der Wahrnehmungen. [Ich denke, dass es vergleichbar ist mit der Erfahrung von Personen mit Hörgeräten, bei denen das natürliche Unterscheiden von wichtigen und unwichtigen Geräuschen fehlt.]
„Der Unterschied ist schwerwiegend, und hat Auswirkungen auf alles was HSP tun sowie ihre körperlichen Reaktionen. Zum Beispiel, sind wir als Gruppe viel sensibler gegenüber Schmerz, Kaffein, Medikamenten, Temperaturen, Licht und Hunger. Wir sind nachdenklicher, tiefgründiger, lernen langsamer aber gründlicher, und sind ungewöhnlich pflichtbewusst.
„Ungefähr zwei Drittel aller HSP reduzieren die Überstimmulierung indem sie Introvertiert sind – d.h. sie bevorzugen wenige enge Freunde, statt sich in großen Gruppen oder mit Fremden zu treffen. Aber ca. ein Drittel der HSP ist Extrovertiert. (www.hsperson.com)

„Ein HSP zu sein ist kein Fehler. Es ist in Wirklichkeit ein erblicher Charakterzug, den man zu seinem Vorteil einsetzen kann. (www.thehighlysensitiveperson.com)

Basierend auf den Einsichten, die ich beim Lesen von Arons Buch erhalten habe, begann ich mich selbst zu beobachten und entdeckte, dass ich wirklich ziemlich oft „überstimuliert“ (Fachausdruck von Elaine Aron) bzw. überfordert bin von Sinnesreizen. Und zwar in Situationen wo ich früher einfach dachte, ich bin müde, gestresst, ‚peopled-out’ („übermenschelt“), usw. oder dass ich einfach wie ein typischer introvertierter Mensch reagiere. HSP nehmen auch leicht die Stimmungen anderer Menschen wahr, was mit ein Grund ist, warum sie sich in Gruppensituationen leicht überfordert fühlen. Ich merke langsam, dass mir das öfter passiert, als ich ursprüngliche dachte.

Ich habe auch festgestellt, dass ich mich in all den Jahren sehr angestrengt habe wie andere „normale“ Menschen zu sein, indem ich mich zwang so viel Lärm, Stress, Menschen, Arbeit, usw. wie andere auszuhalten. Anderseits wurde mir auch bewusst, wie Gott mir geholfen hat, Dinge in meinem Leben zu ändern, die gerade richtig sind für HSP bevor ich wusste, dass ich das bin. Diese Dinge haben mir geholfen die Lärmreiche und Menschenreiche Umgebung hier in Afrika besser auszuhalten.

  • Ich weiß schon länger, dass ich mehr Schlaf als andere brauche, und dass mein Tag nicht gut anfängt, wenn ich von einem Wecker aufgeweckt werde.
  • HSP brauchen mehr Ruhezeiten als andere. Ich bin froh, dass ich über die Jahre mehr solcher Ruhezeiten in meinen Alltag eingebaut habe.
  • Ich brauche eine lange Zeit der Gemeinschaft mit Gott in der Früh, bevor ich bereit bin, den Tag zu beginnen. Für mich bedeutet das vor allem, Zeit in seiner Gegenwart zu verbringen, und nicht wie viele andere eine Aktivität abzuhaken, oft „Stille Zeit“ genannt, bestehend aus strukturierten Gebetszeiten und die Bibel mit einem Plan zu lesen.
  • Wenn ich ausgehe am Abend, brauche ich danach Zeit, um zur Ruhe zu kommen.
  • Routine ist sehr wichtig für meinen Alltag, inkl. regelmäßige Essenszeiten, Mittagsschläfchen und Fitness.
  • HSP tun sich im Allgemeinen schwer mit Veränderungen. Das erklärt warum ich so ungern reise und oft ziemlich lange brauche, bis ich wieder in meine Routine zurück finde, oder mich an eine neue Situation gewöhnt habe.
  • Ich kann besser in einer ruhigen und ungestörten Umgebung arbeiten.
  • Ich kann schlecht mit ständiger Musikberieselung, Unterhaltungen im Hintergrund oder anderen Hintergrundgeräusche umgehen.
  • Ich trinke extrem viel Wasser. Elaine Aron erwähnt, dass das hilft Stress abzubauen. Das erklärt mir, warum ich auch in kühleren Klimazonen viel Wasser brauche. Je mehr ich gestresst bin, desto mehr Wasser brauche ich.
  • HSP sind tiefgründige Denker. Sie haben eine angeborene Vorliebe, Informationen tiefer zu verarbeiten, und z.B. gegenwärtige Situationen so vollständig wie möglich mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit zu vergleichen oder zu analysieren. Dies erklärt, warum ich so lange brauche, um Dinge durch zu denken, inklusive dem Analysieren von Filmen oder TV-Shows. Das gleiche gilt für theoretische Probleme oder Spannungen in Beziehungen. Es erklärt auch, warum ich so lange brauche, bis ich in einem Beitrag zu einer Diskussion formuliert habe, oft erst wenn die anderen bereits beim nächsten Thema sind.
  • Ich lerne nun, meiner Intuition mehr zu vertrauen. Bisher habe ich sie oft ignoriert wenn ich keinen guten Grund oder einen Namen für etwas hatte. Wenn ich zurückdenke, wird mir klar, dass es viele Situationen gab, in denen ich etwas richtig wahrnahm, aber nicht darauf geachtet habe.
  • Ich bin lieber mit ein paar engen Freunden zusammen als auf einer großen Party. Ein Grund dafür ist der höhere Geräuschpegel; der zweite Grund ist, dass es dort oft zu keinen tiefen Gesprächen kommt.
  • Ich glaube, ich bin ein guter Beobachter, und lerne jetzt erst, dass ich wahrscheinlich oft Dinge richtige kombiniere.
  • HSP sind meist sehr begabt in verschiedenen Bereichen (Entwicklung von Theorien, Analyse, künstlerischer Ausdrucksformen, Einfühlungsvermögen, …), aber sie unterschätzen sich selbst oft und verkaufen sich schlecht. Aber diese Gaben können sich nur dann entwickeln, wenn es uns gelingt, einen HSP freundlichen Rahmen zu finden oder zu kreieren. Dies ist eine ständige Herausforderung.

Typisch für HSP, bin ich sehr gewissenhaft – weshalb es mir schwer fällt, mit der Liste aufzuhören, bevor ich alle relevanten Punkte erwähnt haben. 😉
Aber es reicht auf jeden Fall für einen Anfang. Wenn es dich interessiert, kann ich dir nur empfehlen, das Buch von Elaine Aron zu lesen.

Hier ist eine Liste von Ressourcen über HSP, großteils auf Deutsch

Das grundlegendste Buch ist von Elaine Aron auf Englisch von Amazon.de erhältlich, gibt es aber auch in deutscher Übersetzung, wie auch ihre Bücher über HSP Kindererziehung und Liebesbeziehungen.

Es gibt auch andere Autoren, die auf Deutsch geschrieben haben:

Georg Parlow – Zartbesaitet. Es gibt von ihm auch einen Nachfolgeband über den Arbeitsplatz. (Ich habe seine Bücher nicht gelesen, kann sie daher nicht ausdrücklich empfehlen.) Damit verbunden gibt es auch eine Internetseite mit vielen Links. Dort gibt es auch einen ausführlicheren Test als der von Elaine Aron.

Ein deutsches Buch aus christlicher Sicht ist „Lasten tragen, die verkannte Gabe“ von Ehepaar Lüling. Ich habe es selber gelesen und kenne viele, die dieses Buch als sehr hilfreich empfanden.

Beide christlichen Bücher (Carol Brown & Ehepaar Lüling) sind von John Sandford (Elijah-House) geprägt, der HSP als Lastenträger bezeichnete und vermutlich schon vor Elaine Aron darüber lehrte, aber selber kein Buch darüber schrieb. Beide Autoren sind von Elijah-House geprägt und verarbeiten Sandfords Ansatz in ihren Büchern weiter.

Nun bin ich natürlich neugierig, wer von meinen Lesern HSP ist.
Weißt du es schon lange? Oder bist du durch diesen Blog-Eintrag drauf gekommen?

Beziehung bauen im Gespräch – Buchbesprechung

Beziehung bauen im Gespräch

Cloud, Henry, and John Sims Townsend. 2005. Grenzen setzen – Beziehungen bauen : so lösen Sie zwischenmenschliche Konflikte ganz praktisch, Neues Leben-Edition. Asslar: Gerth.

Ich fand dieses Buch sehr hilfreich, und möchte einzelne Punkte daraus zitieren. In diesem Buch geht es in gewisser Weise um Konfrontationsgespräche, aber solche die nicht der Konfrontation dienen sollen, sondern der Verbesserung einer Beziehung. Seit ich es gelesen habe, versuche ich manches davon in die Praxis umzusetzen und merke wsa das für einen Unterschied macht.

Was macht ein hilfreiches Gespräch aus? Das Inhaltsverzeichnis liefert einen guten Überblick:

Teil 1 – Warum es wichtig ist, heikle Themen anzusprechen

  • En Gespräch kann das ganze Leben ändern
  • Die Vorteile eines offenen Gespräches

Teil 2 – Was macht ein gutes Gespräch aus?

  • Seien Sie einfühlsam
  • Ich-Botschaften statt Du-Botschaften
  • Das Problem beim Namen nennen
  • Milde und Ehrlichkeit
  • Bleiben Sie beim Thema
  • Wenn du A machst, fühle ich B
  • Bestätigung und Wertschätzung
  • Entschuldigen Sie sich für Ihren Anteil an dem Problem
  • Verzichten Sie auf “Eigentlich-solltest-du” Sätze
  • Helfen Sie dem anderen, sich zu ändern
  • Seien Sie präzise
  • Vom Unterschied zwischen Vergebung und Vertrauen

Teil 3 – So geht’s

  • Wünsche und Bedürfnisse mitteilen
  • Ein Problem ansprechen
  • Eingefahrene Verhaltensweisen müssen sich ändern
  • Vorwürfe, Gegenangriffe und andere Stolpersteine

Teil 4 – Vor dem Gespräch

  • Warum es wichtig ist, sich vorzubereiten
  • Eine gute Vorbereitung

Teil 5 – Konfrontationsgespräche mit verschiedenen Personen in Ihrem Leben

  • Mit Ihrem Ehepartner
  • Mit dem möglichen Partner fürs Leben
  • Mit Ihrem Kind
  • Mit Ihren Eltern
  • Mit Ihren erwachsenen Kindern
  • Mit Mitarbeitern / Arbeitskollegen
  • Mit Autoritäten

Im Folgenden einige Punkte die ich hilfreich fand:

  • Die Wichtigkeit der Vorbereitung, und mich nicht dafür genieren, sondern erklären, dass ich sonst leicht den Faden verliere und Dinge sage, die ich eigentlich nicht möchte
  • Das Problem beim Namen nennen und sich nicht ablenken lassen, von sich selber oder vom Gesprächspartner. Es passiert so leicht, dass man vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Ich sehe dann auch leicht Parallelen mit anderen Situationen, aber sie alle in einem Gespräch zu erwähnen ist nicht hilfreich. Für den anderen wird es leicht überwältigend.
  • Ehrlich sagen wie es mir mit etwas geht, was das Verhalten des anderen bei mir auslöst. Das ganz konkret zu formulieren, kann relativ schwierig sein, aber wenn ich das in der Vorbereitung durchdenke, dann ist das schon ein Schritt hin zur Lösung.
  • Genauso geht es mit den konkreten Vorschlägen was sich ändern sollte. Das selber Durchdenken kann eine Herausforderung sein, aber es hilft weil mir vielleicht selber klar wird, dass sich der andere nicht von heute auf morgen in einen anderen Menschen verwandeln kann. Darum ist es wichtig, mir selbst klar zu werden, was genau möchte ich vom anderen und was ist machbar. Unrealistische Erwartungen schaffen nur Frustrationen auf beiden Seiten.
  • Nicht vom Gespräch die Lösung für meine negativen Gefühle erwarten, sondern das zuerst mit Gott und anderen Freunden erreichen, und dann aus Liebe zum anderen und aus Interesse an der gemeinsamen Beziehung, die Dinge ansprechen.
  • Die Wünsche und Bedürfnisse äußern, darf man nicht verwechseln mit Forderungen stellen. Man muss dem anderen die Freiheit lassen und nicht manipulieren. Nicht alle Wünsche können erfüllt werden. Es ist wichtig nicht die Erfüllung aller Wünsche zu erwarten, aber es ist wichtig auch jene Wünsche und Bedürfnisse zuäußern, die nicht erfüllt werden können. Solange ich dem anderen die Freiheit lasse, ist das kein Problem. Nicht manipulieren ist für mich einer der schwierigsten Aspekte. “Freiheit ist die Voraussetzung für jede gute Beziehung.” Nicht jede Form des Mitteilens ist angemessen.
  • Das Nein des anderen grundsätzlich akzeptieren. Wenn es mir wirklich wichtig ist, dann bei einer späteren Gelegenheit darauf zu sprechen zu kommen. Dabei ist es wichtig, Verständnis für den anderen auszudrücken. Manche Lösungen ergeben sich auch erst, wenn man versteht warum der andere so reagiert, oder nein sagt, oder …
  • Zuhören und Rückfragen, sich bemühen den anderen zu verstehen. Gleichzeitig aber auch nicht ablenken lassen. Nebenthemen auf ein anderes Mal verschieben.

Das ist eine kleine Auswahl von hilfreichen Punkten in diesem Buch. Seit ich es vor mehreren Monaten gelesen habe, fiel mir immer wieder auf, wie oft Konfrontationen vom Wunsch Dampf abzulassen motiviert sind, und der Erwartung, dass man sich danach besser fühlt. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem was Cloud und Townsend in dem Buch empfehlen.

Liebevolle Umarmung

Passend zum heutigen Tagesheiligen, ein Zitat von seinem Namensvetter Nikolaus von Kues:

All meine Bemühungen gelten dir, weil all deine Bemühungen mir gelten. All meine Blicke sind auf dich gerichtet und niemals wende ich meine Augen ab von dir, weil du mich mit deinem unbeirrbaren Blick umfängst. Dir allein gilt meine ganze Liebe, weil du, der du doch die Liebe selbst bist, dich ganz und gar mir zugewandt hast. Und was, Herr, ist mein Leben, wenn nicht die liebevolle Umarmung, mit der du mich festhältst.

Vom Sehen Gottes. Ein Buch mystischer Betrachtung: Nikolaus von Kues

The Vision of God: Nicholas of Cusa,

Gut oder Böse?

Gut oder Böse?

Die folgenden Zitate sind Teil eines Gespräches im Buch „Die Hütte” die ich absichtlich ausgelassen habe im letzten Blogpost (Augen die sehen).

Gott erklärt Mac dort, warum unsere Parameter für die Entscheidung was gut ist und was schlecht (oder böse) ist, häufig falsch sind.

“Böse ist ein Wort, das wir verwenden, um die Abwesenheit des Guten zu beschreiben, so wie wir das Wort ‘Dunkelheit’ benutzen, um die Abwesenheit des Lichtes zu beschreiben, oder ‘Tod’, um die Abwesenheit von Leben. Sowohl Böse wie auch die Dunkelheit kann man nur in Relation zu dem Licht und dem Guten begreifen; sie besitzen keine wirkliche Existenz. Ich bin Licht, und ich bin gut. Ich bin Liebe, und in mir gibt es keine Dunkelheit. Das Licht und das Gute exisiteren wirklich. Wenn du dich also vor mir verschliesst, stürzt du dich damit selbst in die Dunkelheit. Wenn du dich für unabhängig erklärst, wird dadurch zwangsläufig Böses entsstehen, denn getrennt von mir kanns tu dich nur auf dich selbst stützen. Das ist der Tod, denn du hast dich von mir getrennt: dem Leben.” (pp. 155-156)

Ich habe viel darüber nachgedacht und fand es sehr hilfreich. Solange wir zwischen Gut und Böse basierend auf unseren subjektiven Gefühlen und Wahrnehmung entscheiden, werden wir oft daneben hauen und nicht merken, dass “böse” Dinge “gut” für uns sein können. Das wird im Gegenzug unser Vertrauen in Gott untergraben. Nur wenn wir begreifen, dass Gottes Gegenwart Dinge gut macht und seine Abwesenheit Dinge schlecht oder böse macht, dann können wir verstehen, dass “in manchen Fällen das Gute darin bestehen kann, Krebs zu bekommen oder sein gesamtes Vermögen zu verlieren – oder sogar das Leben.”

Es sind oft Probleme, die uns in Gottes Gegenwart treiben, unseren Charakter formen und uns in sein Ebenbild verwandeln. Leider scheinen die schwierigen Zeiten oft das einzige zu sein, wodurch wie lernen und Veränderung erleben.

Das wirft auch ein anderes Licht auf unser Bestreben nach Unabhängigkeit. Von Gott unabhängig zu sein, bedeutet vom Weinstock getrennt zu sein. Wir sind berufen in ihm zu bleiben, an ihm zu bleiben, mit ihm verbunden zu bleiben, weil wir ohne ihn nichts tun können (Joh. 15,5). Eine sehr bekannte Bibelstelle, aber wie oft gelingt es uns, das in die Praxis umzusetzen?

Was heißt es, das zu praktizieren?

Hier ist was Mac von Gott zu diesem Thema gesagt bekam:

„Du musst aufhören auf dein Recht zu bestehen, Gut und Böse selbst zu definieren. Das zu schlucken ist wirklich ein harter Brocken. Du must dich entscheiden, ganz und ausschliesslich in mir zu leben. Das kannst du nur, wenn du mich gut genug kennst, um mir zu vertrauen und zu lernen, in meiner grenzenlosen Güte zu ruhen.” (S 155)

Und das bringt uns wieder zum Thema Vertrauen. Wenn wir alleine beschließen, was gut und böse ist, dann kommen wir leicht zu der Schlussfolgerung, dass Gott nicht vertrauenswürdig ist. Oder wir Wayne Jacobsen es formulierte – we praktizieren ein “Gänseblümchen Christsein” (Geliebt!) wo wir zwischen “Gott liebt mich” und “Gott liebt mich nicht” hin und her schwanken, abhängig davon was gerade in unserem Leben passiert und ob wir das als “gut” oder “böse” empfinden. Immer wenn wir nicht glücklich sind mit dem was uns passiert, schliessen wir daraus, dass Gott uns nicht liebt, statt Ausschau zu halten, nach dem Guten, das Gott für uns bereithält.

Ich weiß, dass das nicht einfach ist in verschiedenen extremen Situationen. Aber warum fangen wir nicht mit einfachen Alltagssituation an, und versuchen diese durch Gottes Augen zu sehen?

Ich habe viel über dieses Thema nachgedacht. Insofern war es eine erfreuliche Überraschung als ich unlängst eine sehr enttäuschende Situation erlebte und trotzdem mitten drin mich mit meinem Urteil zurückhielt, und vertraute, dass Gott gute Pläne für seine Kinder hat.

Life Model Überblick

Life-Model Überblick

Vielleicht hast du dich schon gefragt, was es mit diesem Life-Model (wörtl. Lebens-Modell oder Modell zum Leben) auf sich hat, das ich immer wieder erwähne. Das Life-Model ist “ein neues Paradigma für geistliche und spuchologische Gesundheit.” Es wurde zuerst im Buch It was first described in “Das Life-Model: ein Modell zum Leben aus dem Herzen, das Jesus dir gab” von Dr. James G. Friesen, und einigen anderen, beschrieben. Das Buch ist nach wie vor das grundlegende Werk über das Life-Model, obwohl es viel mehr gibt, das zu dem Thema gehört, aber das in dem kleinen Büchlein nicht Platz hatte. Es ist die Grundlage für den Dienst und den Unterricht von Dr. Jim Wilder und anderen Mitarbeitern vom Shepherd’s House in Pasadena, Kalifornien.

Life-Model Buch deutsch
Life-Model Buch deutsch

Ich habe 2006 durch eine Freundin das erste Mal davon gehört und seither verschiedene Publikationen von ihnen gelesen.  2008 hatte ich dann zum ersten Mal die Möglichkeit einige ihrer Seminare zu besuchen. Ich habe seither viel von ihrem Unterricht und ihrem Dienst profitiert und kann sie nur sehr weiter empfehlen. Ihr Dienst ist eine interessante Kombination von seelsorgerlichen Einsichten und Erkenntnissen der jüngsten Gehirnforschung, die allen Christen helfen können, in ihrer eigenen charakterlichen und geistlichen Reife zu wachsen, und anderen zu helfen, darin zu wachsen.

Das Team von Shepherd’s House hat auch sehr viel Erfahrung mit Missbrauchsopfern und verwandten Bereichen der Seelsorge. Die verschiedenen Zweige ihres Dienstes haben alle zum Ziel, dass sie Menschen helfen ungesunde Verhaltensweisen zu überwinden, die das Resultat von Missbrauch oder anderen Formen von Trauma in der Kindheit sind. Das machen sie indem sie unter anderem grundlegende Gehirn-Fähigkeiten und Lektionen unterrichten, die wir in unserer Kindheit verpasst haben. Ich bin davon überzeugt, dass das für jeden nützlich ist, nicht für jene, die Probleme hatten.

Wer mehr wissen möchte, kann hier weitere Informationen finden (auf Englisch) :

Shepherd’s House (Seelsorgezentrum) [N.B. die Arbeit wurde 2014 restrukturiert und heißt nun “Joy starts here“]

Life Model, Living from the heart Jesus gave you (Buch)

Thriving (ihr Wiederherstellungs-Programm für verletzte Menschen, das von Ed Khouri zusammen mit Jim Wilder entwickelt wurde)

Thrive (ihre Schulungskonferenzen, die von Chris und Jen Coursey, zusammen mit anderen vom Shepherd’s House, organisiert werden)

Immanuel Ansatz (der von Dr. Karl Lehman in Zusammenarbeit mit Jim Wilder entwickelt wurde) [N.B. inzwischen gibt es eine neue Webseite, die sich nur mit dem Immanuel Ansatz beschäftigt.]

Die Abendklasse vom Verbundenheits-Modul, das ich in manchen Blog-Einträgen erwähnt habe, gehört zum Thriving Programm. Davon habe ich inzwischen vier der fünf Module mitgemacht, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge. Ich habe viel davon profitiert, und darum versuche ich manches davon auf dieser Webseite weiterzugeben.

Auf den oben genannten Webseiten gibt es tonnenweise Material zum Lesen, aber leider fast nur auf Englisch.

Darum ist es mir ein großes Anliegen, mehr Material, zumindest als Kurzfassung, hier auf meiner Webseite allgemein zugänglich zu machen, damit auch jene davon profitieren können, die nicht genügend Englisch können.

N.B. 2013 – Auf Deutsch gibt es nun die folgenden zwei Büchlein – beide sind auf Amazon.de erhältlich:

Das Life-Model: ein Modell zum Leben aus dem Herzen, das Jesus dir gab

Ich kenne Immanuel (worüber ich hier eine Zusammenfassung geschrieben habe)

Wissenschaftliche Theologie

Aus dem Schlusswort von „Die Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?“ von Eta Linnemann, 2007, Seite 171:

Als ich seinerzeit bei Rudolf Bultmann studierte, machter er uns deutlich, dass wir – ungeachtet unseres persönlichen Glaubens – in der neutestamentlichen Wissenschaft zu arbeiten hätten “ut si Deus non daretur“, als ob Gott nicht existierte. …. Den Evangelikalen, die auf wissenschaftliche Anerkennung pochen, weil sie die gleichen “Methoden” bedienen, ist diese Vorraussetzung nicht bewusst. … Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine “wissenschaftliche” Theologie, die arbeitet “als ob es Gott nicht gäbe” schließen sich aus. Der Spagat zwischen beiden muss misslingen. … Die atheistische Theologie und der Umgang mit der Bibel, der sie nicht als Gottes lebendige Offenbarung gelten ließ, wurde mir (nach meiner Belehrung) gleichermaßen als Sünde bewusst und zum Kreuz gebracht ….

Prof. Dr. Eta Linnemann war Bibelkritikerin. Ihr erstes Buch war ein Standardwerk der biblisch-kritischen Theologie. Nach ihrer Bekehrung in 1978 vernichtette sie ihre bibelkritischen Bücher.

Der unglaubliche Vater

Der unglaubliche Vater.

“Das Gleichnis vom unglaublichen Vater” (Lukas 15).

Der Vater hat nicht versucht, den Sohn zu manipulieren. Er hat ihn lediglich so sehr er nur konnte geliebt.  Durch diese Liebe wird deutlich, weshalb ihn der Vater in erster Linie ziehen liess und warum er so eilig herbeihastete, um ihn zu umarmen. Ihm war klar, dass sein Sohn durch seine Sünde bereits genug gestraft war. Er rannte, weil er nicht wollte, dass sein Sohn nicht eine Sekunde länger litt als unbedingt notwendig.  Seine Not hatte den Sohn zur Rückkehr bewogen.  Alles andere spielte keine Rolle.

Gott empfindet für Sie genauso. Er ist nicht an Ihrem Dienst oder Ihrem Opfer interessiert.  Er möchte lediglich, dass Sie erkennen, wie sehr Sie geliebt sind, und hofft, dass Sie sich wiederum entscheiden werden, ihn zu lieben.

aus “Geliebt!”  von Wayne Jacobsen S 50

Demut

 

Heute früh in der Bibellese schweiften meine Gedanken zu einem Zitat von C.S. Lewis das ich vor kurzem hier las:
“Demut ist nicht, dass man weniger von sich hält, sondern dass man weniger an sich selbst denkt.”

Meine Gedanken wanderten weiter, zu den vielen verschiedenen Interpretationen von Demut, Aufforderungen demütiger zu sein, Anschuldigungen nicht demütig genug zu sein, Behauptungen demütig zu sein obwohl es sich mehr um mangelndes Selbstwertgefühl handelt, usw.

Im Grunde ist Demut nach C.S.Lewis Definition eine Art Selbstlosigkeit. Aber es gibt verschiedene Arten von Demut oder Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit kann auch ungesund sein, wenn sie z.B. in der Verleugnung von Verletzungen besteht, oder wenn man sich selbst abwertet. Wer seine unverarbeiteten Verletzungen unter den Teppich kehrt, dem fehlt das Fundament der Selbstannahme ohne die es meiner Meinung nach keine gesunde Demut gibt. Wer wenig von sich selber hält, sich selber herabsetzt und meint alle anderen können alles besser, oder seien besser, lebt im Widerspruch zu Gottes Wertschätzung für uns als seinen Geschöpfen. Im letzten sind alle Formen falscher Demut verwurzelt im zu viel an sich selbst denken, also das Gegenteil von echter Demut.

Ich denke, nur eine gesunde Selbstlosigkeit, die auf einem gesunden Selbstverständnis und Selbstwert basiert, ist echte Demut. Nur wer sich selbst gefunden hat, aus der Annahme und Wertschätzung Gottes lebt, kann sich selbst so loslassen, dass er kaum noch an sich selber denkt, also demütig ist. Dazu kommt, dass Demut eine Frucht des Geistes ist, also nicht durch eigene Anstrengung oder Aufforderung von anderen (oder an sich selbst) zu erreichen ist.

Ich glaube, es ist hilfreich sich diese Definition von Demut vor Augen zu halten. Es ist gut zu wissen, wie echte Demut aussieht damit wir danach streben, dafür beten und Gottes Geist seine Arbeit in uns machen lassen können. Gleichzeitig können wir alle falschen Ansprüche, Aufforderungen und Schuldzuweisungen entwaffnen. Natürlich kann man damit auch auf der falschen Seite vom Pferd fallen, z.B. mit einer Einstellung der Gleichgültigkeit oder Selbstgefälligkeit. Es ist eine Gratwanderung.

Ich habe den Verdacht, dass unser bester Beitrag in diesem Prozess der Veränderung durch Gottes Geist, ist sich seiner Heilung zu öffnen und aus seiner Liebe und Annahme leben lernen. “Geliebt leben!” Wenn ich mich von meinem himmlischen Vater geschätzt, geliebt und versorgt weiß, dann brauche ich weniger an mich selbst denken. Dann wäre ich demütig, aber ich wüsste es nicht, weil ich weniger an mich selbst denke. 😉

Entrückung oder doch nicht?

Vor einigen Jahren entdeckte ich N.T. Wright. Sein Buch “Jesus and the Victory of God“ (Jesus und der Sieg Gottes) ist mit 741 Seiten eine echte Herausforderung zu lesen, aber ich habe es trotzdem sehr interessant gefunden. Einige seiner Einsichten in den ursprünglichen Kontext von neutestamentlichen Texten waren eine echte Überraschung. Als Linguist und Übersetzer ist mir sehr bewusst, wie wichtig es ist, die implizite Bedeutung eines Textes zu kennen, die Dinge die im Text nicht erwähnt sind, aber von den ursprünglichen Empfängern automatisch angenommen wurden. N.T. Wright leistet gute Arbeit, diese unausgesprochenen Informationen aufzudecken. Wenn man dann erst einmal diese “alternative” Interpretation kennt, sieht man die Dinge mit anderen Augen. Danach ist es teilweise schwierig, die ursprüngliche Sichtweise wieder hervorzuholen.

Vor einiger Zeit (der englische Blogeintrag ist bereits einige Wochen her) las ich im 1. und 2. Thessalonicherbrief als Teil des Bibelleseplans von Christian Assembly in Eagle Rock, Kalifornien. Als ich zu der Stelle kam, wo es darum geht, dass die Gläubigen Jesus in der Luft treffen werden, war es für mich faszinierend zu sehen, dass man den Text mit zwei verschiedenen Schlußfolgerungen lesen kann. Der Text sagt nämlich nichts darüber, was nach dem Treffen passiert. Die Frage ist im Grunde, in welche Richtung wir nach dem Treffen gehen – “rauf” oder “runter”? Keines von beiden ist ausdrücklich erwähnt. Wenn man also nicht von einer Entrückungs-Theologie beeinflusst ist, dann ist es vielleicht leichter sich als Empfangskommittee für den wiederkehrenden König zu sehen, dass anschließend wieder “runter” d.h. zurück auf die Erde geht, so wie die fünf Jungfrauen im Gleichnis mit dem Bräutigam ins eigene Dorf zurückgingen.

Natürlich würde das alleine keinen Sinn ergeben, wenn man nicht auch die andere Leseweise von Lukas 17, 34-35 kennt:

Diese Bibelstelle ist die Grundlage für eine ganze Bücherserie die im Englischen “Left behind“ (wörtl. “zurück gelassen”) heißt. (Die deutsche Serie heißt “Finale“.) Wiederum, wenn man die Stelle in Lukas ohne Voreinahme liest, wird man wahrscheinlich merken, dass eigentlich nicht klar gesagt wird, wer “zurück bleibt” – die Gläubigen oder die Ungläubigen. N.T. Wright legt in seinem Buch dar, dass die Formulierung der juristischen Sprache entspricht – “genommen werden” bedeutet abgeführt werden, zum Urteil vor Gericht geführt werden (ich zitiere hier aus dem Gedächtnis). Das heißt also, dass nicht die Ungläubigen zurück bleiben, sondern die Gläubigen für die es kein Gericht mehr gibt. Faszinierend, nicht wahr?

Wenn man das zum ersten Mal hört, braucht man sicher einige Zeit um das zu verdauen. Aber wenn N.T. Wright recht hat, und davon gehe ich aus weil er sorgfältig recherchiert, dann wird es keine Entrückung in der Form geben, wie wir es in verschiedenen Gemeinden gehört haben. Eine kurze Version seiner Erklärung gibt es hier (in Englisch).

Augen die sehen

Augen die sehen

Ein afrikanisches Sprichwort besagt:

“Die Augen des Fremden sind groß, aber er sieht nichts.”

Das ist so wahr – in einer fremden Kultur muss man erst lernen, Dinge zu sehen.  Ansonsten schaut man direkt auf etwas, und hat keine Ahnung was man sieht.

Die nachfolgenden Paragrafen sind eine Einleitung zu einer interessanten Buchbesprechung, aber ich war mehr fasziniert von den persönlichen Beispielen in der Einleitung:

Als ich auf der Uni war, habe ich einen Kurs bei Toni Morrison belegt, auch Grund ihrer Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel “Im Dunkeln spielen.“ Die Grundannahme der Kurzgeschichten, und auch von dem Kurs, war, dass die Amerikanische Literatur von Anfang an geprägt war von der unangenehmen Gegenwart von “Amerikanischem Afrikanismus”. Wir brauchen hier nicht auf die Details dieses Arguments eingehen. Ich erwähne es nur, weil ich anfing Bücher anders zu lesen, nachdem ich Morrisons Kurs absolviert hatte. Ich war auf einmal sensibilisiert im Blick auf Randfiguren. Mir fiel auf, wie schwarze Menschen dargestellt wurden, oder wie ihre Anwesenheit vermieden wurde. Mir fielen die Motive von Dunkelheit und Licht auf. Ich sehe mir auch Filme seither anders an, und merke wie radikale Gruppen als Requisiten verwendet wurden statt sie als echte Menschen darzustellen. Der Kurs hat mich gelehrt, Dinge anders zu sehen.

Ein Kind mit Down-Syndrom zu haben, hat mich auch gelehrt, Dinge anders zu sehen.

Ich denke da, zum Beispiel, als ich einmal an einer Konferenz in einem Kloster in Süd-Carolina teilnahm. Am ersten Abend der Konferenz versammelten wir uns zu einer kurzen Bibellesung und Segnung vor dem Abendessen. Ein älterer Mann, einer der Mönche, war zuständig für die Lesung und für uns zu beten. Er ging mit unausgeglichenen Schritten zum Podium und sein Kopf war etwas auf die Seite geneigt. Er stand dann hinter der Bibel und blätterte mit einem verdutzen Gesichts-ausdruck in der Bibel hin und her. Schließlich schaute er einen anderen Bruder an und sagte, “Ich kann 1. Mose 1 nicht finden.” Der andere Bruder blätterte behutsam zum Beginn der Bibel, und der erste Bruder begann zu lesen. Seine Aussprache war nicht sehr gut. Er stolperte über Worte und sie kamen etwas verdreht heraus.

Ein paar Jahre früher, bevor unsere Tochter Penny geboren wurde, hätte ich mit Ungeduld und Zynismus reagiert. Ich hätte mir gedacht, warum können sie niemanden finden, der lesen kann, oder wenigstens weiß, wo das erste Buch der Bibel zu finden ist?  Aber an diesem Abend, stand ich da, mit gespannter Aufmerksamkeit, und war dankbar, dass ich Gottes Wort von diesem Mann mitgeteilt bekam. Ich konnte ihn als Mitchrist sehen, der ein Segen für mich ist.  Ich war fähig, ihn als Botschafter der Hoffnung zu sehen, und der Vision von einer Gemeinschaft in Christus, die eines Tages meine Tochter inkludieren könnte und sie sogar Gottes Wort öffentlich lesen und für andere beten lässt. (Buchbesprechung in Englisch hier.)

Ihr Beispiel hat mich tief berührt, wie wir lernen Dinge anders zu sehen und dadurch Dinge bemerken, die wir vorher nicht sehen konnten, und zu Schlüssen kommen, die wir vorher für unmöglich hielten. In einer fremden Kultur zu leben, fordert mich heraus genau das zu tun. Mein Interesse in Kulturanthropologie hilft mir natürlich auch dabei. Es ist wirklich erstaunlich, wie wir Dinge anderes interpretieren, wenn wir sie durch die Augen eines anderen Menschen sehen.

Ich erlebte ein ähnliches Aha-Erlebnis als ich die Unterhaltung von Mack und Sarayu in “Die Hütte” las: (Auszüge von den Seiten 152-156)

“Wenn dir etwas geschieht, wie stellst du dann fest, ob es gut oder böse ist?”
Mack überlegte einen Moment, ehe er antwortete. “Nun, darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht.  Ich würde sagen, etwas ist gut, wenn es mir gefällt – wenn es bewirkt, dass ich mich gut fühle oder geborgen. Und böse würde ich etwas nennen, das mir Schmerzen verursacht oder mich um etwas bringt, das ich gerne habe oder mir wünsche.”
“Dann ist das Ganze also ziemlich subjektive?”
“Ja, das ist es wohl.”
“Und wie viel Zutrauen hast du in deine Fähigkeit, zwischen dem, was für dich gut oder böse ist, zu unterscheiden?”
“Ehrlich gesagt, werde ich – wie  mir scheint, zu Recht – ziemlich wütend, wenn jemand mein ‘Gutes’ bedroht, das also, was ich zu verdienen glaube. Aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich eine logische Grundlage habe, zu entscheiden, was wirklich gut oder böse ist. Ich kann nur beurteilen, wie es sich auf mich auswirkt.” […] “Das ist also allez ziemlich egoistisch und selbst-bezogen, nehme ich an. […]”

Er zögerte, ehe er den Gedanken beendete, doch Sarayu unterbrach ihn. “Dann bist du es, der entscheidet, was gut und was böse ist. Du machst dich zum Richter. Und was das Ganze noch verwirrender macht: Das, was du für gut hältst, wird sich mit der Zeit und den Umständen verändern. Und, was noch schlimmer ist: darüber hinaus gibt es Milliarden anderer Menschen, die ebenfalls individuell entscheiden, was für sie gut oder böse ist.  Wenn also dein Gut und Böse nicht mit den Vorstellungen deines Nachbarn übereinstimmt, geratet ihr in Streit oder es brechen gar Kriege deswegen aus.”
[…]
Dann gestand Mack: “Ich erkenne jetzt, dass ich den größten Teil meiner Zeit und Energie darauf verwendet habe, das zu erlangen, was ich für gut hielt, sei es finanzielle Sicherheit oder Gesundheit oder eine ausreichende Altersversorgung oder was auch immer. Und ich vergeude eine riesige Menge Energie und Sorge damit, mich vor dem zu fürchten, was ich für böse halte […]
“Super!”, rief Mack aus. […] “Denn das könnte bedeuten, dass …”
Wider fiel ihm Sarayu ins Wort. “… dass in manchen Fällen das Gute darin bestehen kann, Krebs zu bekommen oder sein gesamtes Vermögen zu verlieren – oder sogar das Leben.”

Immer seit dem ich diese Unterhaltung vor einiger Zeit gelesen habe, fing ich an Dinge anders zu betrachten.  Was ist gut und was ist schlecht für mich? Wie oft beurteile ich Dinge von einem sehr subjektiven Standpunkt? Tatsächlich erinnert mich das an einige Dinge in meine eigenen Leben, die ich als schlecht beurteilte, aber nun fange ich an zu begreifen, dass sie vielleicht Teil von Gottes vollkommenen und liebevollen Plan für mich waren. Egal wie schmerzhaft die Situation war, sie beinhaltete Gutes. Das ist nicht immer leicht, das zu zugeben.

[Es gab einige andere interessante Aspekte in dieser Unterhaltung, aber die habe ich vorerst ausgelassen weil ich sie in einem späteren Blogeintrag aufgreifen will.]

Hast du etwas in dieser Art erlebt, wo du gelernt hast, Dinge mit neuen Augen zu sehen?

Gottes Annahme verdienen

Gottes Annahme verdienen

Warum möchten sich so viele Menschen Gottes Annahme verdienen, obwohl er doch bereits alles Erdenkliche dafür getan hat, uns zu beweisen, dass wir schon angenommen sind? Vielleicht fühlen sie sich sicherer, wenn sie das Gefühl haben, die Beziehung kontrollieren zu können. Vielleicht befürchten sie auch, dass sie Gnade als Ausrede heranziehen würden, um ihre selbstsüchtigen Wünsche verfolgen zu können, wenn sie sich die Annahme nicht länger verdienen müssten. Möglicherweise wünschen sie ja gar keine Beziehung zu ihm, sondern wollen nur, dass er ihnen in Notlagen hilft, oder sind nur auf den begehrten Freifahrschein in den Himmel aus. (S 178)

Wenn Sie nie die Freude erlebt haben, einfach in Gottes Annahme zu leben, anstatt sie sich verdienen zu wollen, dann haben Sie die aufregendste Zeit in Christus noch vor sich. Wer lernt, aus einer echten Liebesbeziehung mit dem Gott des Universums heraus zu leben, wird vollmächtiger, fröhlicher und rechtschaffener leben als alle, die die Angst vor seinem Gericht antreibt. (S 181)

aus “Geliebt” von Wayne Jacobsen.