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Gottes Annahme verdienen

Gottes Annahme verdienen

Warum möchten sich so viele Menschen Gottes Annahme verdienen, obwohl er doch bereits alles Erdenkliche dafür getan hat, uns zu beweisen, dass wir schon angenommen sind? Vielleicht fühlen sie sich sicherer, wenn sie das Gefühl haben, die Beziehung kontrollieren zu können. Vielleicht befürchten sie auch, dass sie Gnade als Ausrede heranziehen würden, um ihre selbstsüchtigen Wünsche verfolgen zu können, wenn sie sich die Annahme nicht länger verdienen müssten. Möglicherweise wünschen sie ja gar keine Beziehung zu ihm, sondern wollen nur, dass er ihnen in Notlagen hilft, oder sind nur auf den begehrten Freifahrschein in den Himmel aus. (S 178)

Wenn Sie nie die Freude erlebt haben, einfach in Gottes Annahme zu leben, anstatt sie sich verdienen zu wollen, dann haben Sie die aufregendste Zeit in Christus noch vor sich. Wer lernt, aus einer echten Liebesbeziehung mit dem Gott des Universums heraus zu leben, wird vollmächtiger, fröhlicher und rechtschaffener leben als alle, die die Angst vor seinem Gericht antreibt. (S 181)

aus “Geliebt” von Wayne Jacobsen.

Natürlich! Was sonst?

Diese Woche kam mir eine andere interessante Einsicht beim Lesen von “He loves me (auf Deutsch “Geliebt!”) von Wayne Jacobsen.

Wenn wir an die Geschichte denken, wo Jesus mit dem “Geschäftsmann” redet – der ihn fragt, was er tun muss um ewiges Leben zu erhalten, und der dann traurig wegging als Jesus ihm sagte, er müsse seinen ganzen Besitz hergeben – interpretieren wir das nicht oft so, dass das eine Frage der Hingabe war und dass dieser reiche Geschäftsmann einfach nicht dazu bereit war? Und ist nicht die häufigste Anwendung in Predigten die Frage, was wohl unser “Götzen” sind, die wir nicht loslassen wollen und die uns davon abhalten, Jesus von ganzem Herzen nachzufolgen?

Nachdem ich gelesen hatte, wie Wayne Jacobsen die Geschichte interpretiert, schlug ich mir aufs Hirn und dachte: “Natürlich! Warum bin ich da nicht selber drauf gekommen?” Das ergibt so viel mehr Sinn als viele andere Erklärungsversuche.

Jesus ging es nicht darum, dass der Geschäftsmann seinen ganzen Besitz hergibt um seine Hingabe zu beweisen. Sondern Jesus hat ihm absichtlich eine unerfüllbare Bedingung gestellt. In der Hoffnung, dass er endlich drauf kommt, dass er das ewige Leben nicht durch “TUN” erreichen kann. – Seine Frage war “Was muss ich TUN?” Als Jesus ihn auf das Gesetz hinweist – “Ich habe alles GETAN.” Wirklich? Geht das denn? Keiner kann alle Gebote erfüllen und genau das sollte das Gesetz den Leuten zeigen. Leider war der Geschäftsmann (und viele von uns), so damit beschäftigt, das Richtige zu TUN, dass er gar nicht merken, dass es Jesus um ganz was anderes ging. Er wollte ihn aufrütteln und zur Einsicht führen, dass er das ewige Leben nicht erkaufen (“erTUN”) kann. Jesus wollte ihn von seiner Leistungsorientierung befreien. Er will sein (und unser) Eingeständnis, dass wir es nicht schaffen und seine Gnade brauchen. Leider hat der Geschäftsmann es nicht kapiert und ging traurig weg.

Kurz darauf ging es in einer Predigt um die Seligpreisungen (Mt. 5) und in dem Zusammenhang fiel die Bemerkung, dass “Jesus das alttestamentliche Gesetz radikalisiert hat.” Und wieder hatte ich diese Reaktion <schlag mir aufs Hirn> “Natürlich! Warum bin ich da nicht selber drauf gekommen?” Jesu Aussagen wie z.B. dass derjenige vor Gericht gehört, der auf seinen Bruder zornig ist oder ihn beschimpft, lesen wir oft wie der Geschäftsmann – wir verstehen sie mehr oder minder als Vorraussetzung zum ewigen Leben, fühlen uns dann schuldig, und versuchen die Regeln umzuinterpretieren oder zu rationalisieren, weil “schließlich kann niemand so einem Maßstab gerecht werden.” Richtig! Wir können es nicht. Genau darum kam Jesus um alle diese Vorraussetzungen für uns zu erfüllen. Was uns oft fehlt ist das simple ehrliche Eingeständnis: Ich kann es nicht!

“Der Mann verstand was Jesus sagte, aber hat nicht verstanden, was er damit bezweckte. Jesus wollte nicht gemein zu ihm sein. Jesus wollte die Messlatte so erhöhen, dass der Mann aufhörte es selber zu versuchen. Das Geschenkt, dass Jesus ihm anbot war frei zu werden von der unglaublichen Last, dass er Gottes Liebe mit eigener Anstrengung verdienen musste. Er war in seinem Tun gefangen, und Jesus versuchte ihn daraus zu befreien.
Er hat gehofft, der junge Mann würde ihm ins Auge sehen, und ehrlich sagen: ‘Das kann ich nicht tun!’ Worauf Jesus geantwortet hätte: ‘Gut! Dann hör auf mit all den anderen dummen Dingen, mit denen du versuchst Gottes Annahme zu verdienen. Hör auf zu streben, hör auf vorzugeben, hör auf zu versuchen das zu verdienen, was du nicht verdienen kannst!’ ” (eigenen Übersetzung)

Wir können uns Gottes Liebe und Annahme nicht verdienen. Er schenkt sie uns in Jesus. Hundertzehnprozentig, würde mein Großvater sagen. Wir machen uns das Leben nur selber schwer, wenn wir trotzdem in dem Leistungsdenken weiter machen. Selbst wenn es “nur” das Denken ist, wir wurden aus Gnade errettet, aber nun müssen wir wenigsten beweisen, dass wir diese Gnade wert waren.

Angst oder Liebe

Ich habe gerade angefangen, “He loves me!” (auf Deutsch “Geliebt!”) von Wayne Jacobsen zu lesen. Im dritten Kapitel geht es um die Frage, was uns zum Gehorsam motiviert – Angst vor der Hölle oder Liebe zum Vater. Es stimmt leider, dass viele denken, dass uns eine klarerer Vision von der Hölle zu mehr missionarischer Aktivität motivieren würde. Früher hat diese Evangelisationsmethode auch noch besser funktioniert. Aber die berechtigte Frage ist, welche Art von Christen das produziert, wenn die Bekehrung aus Angst vor der Hölle geschieht.

Als ich so darüber nachdachte, wie das bei meiner Bekehrung war, fiel mir auf, dass die Angst vor der Hölle keine echte Rolle spielte, aber die Angst was zu verpassen sehr wohl. Das hat teilweise mit der Zeichnung zu tun, die mir der Evangelist damals vorlegte (und die ich auch sehr hilfreich fand) – der breite Weg, der von Gott wegführt (egal ob er mit großen oder kleinen Sünden gepflastert ist), der schmale Weg der zu Gott führt, und zwischen den zwei Pfaden Jesus, die Tür zum ewigen Leben. Es schien mir damals wirklich als würde der Schatten dieser Tür auf meinen Weg fallen und mich einladen. Eine einzigartige Chance? Vielleicht. Keiner kann wissen, ob und wann sich wieder so eine Situation ergibt, wo Gott in unser Leben hineinspricht und unser Herz berührt.

Leider fiel mir auf, dass es sich da um ein Muster in meinem Leben handelt. Ich musste ich mir eingestehen, dass in meinem Leben öfters Dinge von der Angst motiviert sind, etwas zu verpassen. Wer weiß ob sich die Gelegenheit noch einmal bietet? Und so stopfe ich oft Dinge in mein Leben, die nicht unbedingt dran sind und unnötigen Stress verursachen. Aber man will ja nichts verpassen!

Auf einer ähnlichen Linie liegt die Angst, Gottes Willen zu verpassen – wenn ich nicht gut genug hinhöre, dann könnte ich sein Reden verpassen und den falschen Weg einschlagen. Dann müsste ich für den Rest meines Lebens auf dem falschen Gleis fahren und würde seinen Segen und das Leben in Fülle verpassen.<ironisch>

Wenn ich ehrlich bin, dann ist mir bewusst, dass diese Denkmuster in meinem Leben vorhanden sind – oder besser sagen – großteils waren. Ich merke, dass beide Denkansätze nicht mehr zu dem passen, wie ich Gott in den letzten Jahren erlebt habe. Es gibt sicher Situationen, wo wir wichtige Dinge verpassen könnten, wenn wir zu unentschlossen sind, oder Dinge auf die berühmte lange Bank schieben. Aber Gott motiviert uns nicht mit Angst. Diese Unterscheidung zwischen Beziehungen die von Angst oder Liebe motiviert (verwurzelt) sind ist mir gerade während der letzten zwei Jahre durch die Beschäftigung mit dem Life Model bewusst geworden. Insofern sind derartige Situationen seltener geworden und dafür bin ich sehr dankbar.

Was lerne ich daraus? Wo immer meine Motivation von Angst bestimmt ist, kommt sie wahrscheinlich nicht von meinem himmlischen Papa. Ich will lernen, da noch sensibler zu sein, und früher zu merken, wenn mich Angst treibt und nicht Liebe (das erinnert mich an “Getrieben oder Berufen” von Gordon MacDonald).

Es geht Gott nicht um unsere Opfer sondern um Gehorsam, aber aus Liebe zu ihm, um seiner Selbst willen, aus Freude an der Beziehung zu ihm, und weil uns diese Beziehung so wertvoll ist.