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Unser wahres Herz

Life-Model Häppchen Nr. 1 – Unser wahres Herz

Eines der Schlüsselkonzepte des Life-Models ist „vom Herzen das Jesus dir gab“ zu leben. Viele Menschen finden es schwierig, zu verstehen was das bedeuten könnte, besonders im Blick auf das Herz. Es überrascht mich nicht, dass es über unsere Herzen Verwirrung gibt. Wie sollen wir unsere Herzen beurteilen?

Wenn ich an das menschliche Herz denke, ist der erste Bibelvers, der mir in den Sinn kommt:

„Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich.” (Jer 17,9)

Ich vermute, ich muss wohl diesen Vers öfter gehört haben, um ihn so schnell mit dem Thema Herz zu verbinden, obwohl ich mich an keine konkrete Situation erinnern kann. Die grundlegende Aussage, wenn man diesen Vers als aussagekräftig über unser Herz betrachtet, ist, dass unser Herz nicht vertrauenswürdig ist. Vertraue nie auf dein Herz (oder deinen Gefühlen), nur deinem Verstand. Unserem Herzen zu misstrauen, ebenso wie unseren Gefühlen und Emotionen, ist weit verbreitet aber nicht notwendigerweise biblisch. Wer meine Blogeinträge über “Warum das westliche Christentum versagte” gelesen hat, der weiß bereits, woher dieses Denken kommt (mehr dazu hier und hier und hier).

Aber der obige Vers ist irreführend, weil es viele anderer Stellen über das menschliche Herz gibt, die durchaus ein anderes Bild zeigen:

  • Wir sind berufen, um den Herrn von ganzem Herz zu lieben. (5. Mose 6,5, Mt 22,37)
  • Gott sagt, dass er seine Anweisungen auf unsere Herzen schreibt. (Jer 31:33.34 // Hebr 8:10; 10:16)
  • Wir sind aufgerufen, dem Herrn mit unserem ganzen Herz zu vertrauen. (Spr 3,5)
  • Uns wird gesagt, unser Herz zu schützen, weil es die Quelle des Lebens ist. (Spr 4,23)
  • Gott lässt sein helles Licht in unseren Herzen scheinen (2 Kor 4,6)
  • Christus beschloss sogar, in unseren Herzen zu wohnen (Eph 3.17) – dann kann es doch nicht solch ein schlechter Platz sein. 😉

Auf dem Hintergrund dieser Verse bin ich geneigt, zu glauben, dass eine bessere Übersetzung des oben genannten Verses ist, dass das Herz „verformt und hoffnungslos krank“ ist (Jer 17,9) wie Jim Wilder vorschlägt. Ich denke, dass der Ausdruck “arglistig und unverbesserlich” absichtliche Boshaftigkeit vermittelt und einen hoffnungslosen Zustand andeutet, während das “verformte und hoffnungslos krank” uns ein Herz vor Augen malt, das nicht ist wie es sein sollte, aber das geheilt werden kann. Und das ist, was Gott in Hes 11,19 versprach, in dem Gott das menschliche Herz tot (aus Stein) nennt, aber verspricht, Menschen ein neues Herz zu geben, das lebendig ist (aus Fleisch) und seinen Willen kennen wird. Wenn ich mir verschiedene Kommentare und Übersetzungshilfen ansehe, finde ich diese Ansicht bestätigt. Unter anderem wird das Herz als der Platz beschrieben, in dem Gott mit uns kommuniziert und das weiß, was Gott will.

Im Kontext vom Life-Model werden die Begriffe “das Herz das Jesus dir gab,“ „unser wahres Herz“ und “das tiefste Herz“ austauschbar verwendet und beziehen sich auf den Teil unseres Herzens, der Gottes Bild widerspiegelt. Wir wurden im Bild Gottes geschaffen. Unser wahres Herz spiegelt das wider und jeder von uns reflektiert einen anderen Aspekt von Gottes Charakter.

Allerdings wurde dieses wahre Herz unter einer Menge schlechter Dinge begraben

– unsere eigene Sünde, sowie die Sünden von anderen Menschen und die Verletzungen, die diese verursacht haben. Sie sind alle wie unzählige Schichten von Schmutz über unserem wahren Herzen. Deshalb kennen wir häufig unser wahres Herz nicht wirklich und haben Probleme, unserem Herzen zu vertrauen. Infolgedessen reagieren wir häufig aus unseren Verletzungen heraus, anstelle von unserem wahren Herzen.

Ein anderer Vergleich, den ich nützlich fand: das wahre Herz ist wie ein Röntgenbild oder ein Dia, aber es liegen viele andere Schichten von Röntgenbildern darauf, und so ist es schwierig, zu erkennen, wie das ursprüngliche Bild aussah.

In den letzten Jahren lernte ich mehr und mehr, Anzeichen von meinem wahren Herz zu erkennen.

Anfangs war ich sehr überrascht, als eine Seelsorgerin in einem Gespräch ausrief, dass sie in dieser Situation mein wahres Herz sehen kann. Es war vor allem überraschend, weil es nicht um etwas ging, das ich getan oder gedacht hatte, sondern um etwas, das ich wünschte, getan zu haben. So dachte ich, das bin nicht wirklich ich; sogar das genaue Gegenteil – wie kann das mein wahres Herz sein? Mit der Zeit lernte ich zu verstehen, dass gerade die Sehnsucht, ich hätte mich in einer bestimmten Weise verhalten, ein Hinweis auf mein wahres Herz war, und darauf, wie Gott mich geschaffen hatte.

Bei der Thrive Konferenz letztes Jahr lernten wir eine andere Methode, unser wahres Herzen zu entdecken – indem wir unsere tiefsten Schmerzen betrachteten. Häufig sind die Dinge, die uns den tiefsten Schmerz verursachen, ein Hinweis auf unser wahres Herz, das Gott in uns gelegt hat – weil das was den Schmerz verursacht so konträr ist zu dem, zu dem wir eigentlich geschaffen wurden.

Das ist das Herz das Jesus uns gab – eine kleine Widerspiegelung von ihm selbst und gleichzeitig ein Hinweis darauf, wozu er uns berufen hat, wie wir ihn verherrlichen sollen. Ich finde es ein lohnendes Unterfangen, mehr darüber herauszufinden. Und das ist es, worum es beim Life-Model geht – zu lernen wie das Herz ist, das Jesus uns gab, jedem einzelnen von uns, und zu lernen, wie wir daraus leben können. Es bedeutet zu entdecken, wie Gott uns ursprünglich geschaffen hat und wie wir unserer Berufung entsprechend leben und ihn dadurch verherrlichen können.